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Bad Doberan Satower züchtet aussterbende Pferderasse
Mecklenburg Bad Doberan Satower züchtet aussterbende Pferderasse
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14:00 16.04.2019
Freizeitzüchter Volker Prange (r.) und Sohn Nico bringen die Pferde auf die Weide. Quelle: Dietrich Grunzig
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Satow

Mit breiter Brust und kräftigem Rücken sind Benno, Ferry, Britta und Anja die Schwerathleten unter den edlen Vierbeinern in Satow. Die Rheinisch-Deutschen Kaltblutpferde wiegen jeweils rund 850 Kilogramm und gehören Züchter Volker Prange. Nach Monaten im Stall geht es in der Osterwoche ins Grüne.

„Für die Pferde beginnt damit die schönste Jahreszeit, für uns die Arbeitserleichterung“, sagt Volker Prange und geht mit Sohn Nico gewandt ans Werk. Während des Winters waren die Tiere vorwiegend im Stall. Pflegehilfe leisteten in ihrer Freizeit auch die 77-jährige rührige „Oma“ Renate sowie Ehefrau Ilona, die lächelnd kommentiert: „Andere fahren in die Ferien, wir machen hier Urlaub und erholen uns bei den Pferden.“

Freizeitzüchter Volker Prange ist in seinem Metier ein landesweit anerkannter Mann. Der 57-Jährige sagt, „ohne seine Familie würde er die Arbeit im Stall und auf der Weide nicht schaffen, geht es doch um die Erhaltung der markanten Kaltblutrasse“.

Seit 1995 in Kaltblut-Züchtung aktiv

Prange befasst sich seit 1995 aktiv mit der Kaltblüter-Züchtung, die um 1850 aus Kreuzungen zwischen Belgischen Zugpferden und Ardenner entstanden war und zunehmend wieder im Fokus der Öffentlichkeit steht. In Landwirtschaft und Forst waren die kraftvoll mit Muskeln bepackten starken Pferde einst als unentbehrliche Helfer geschätzt. Noch bis zum Ende der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Stutenbestand auf 27 000. Bis zu 700 Junghengste durchliefen die jährlichen Körungen.

In den Städten wurden die muskulösen Pferde gern vor die mit Fässern schwer beladenen Brauereiwagen gespannt. Der inzwischen rapide sich entwickelnde technische Aufschwung mit starken Maschinen in Feld und Wald drängte die Rheinich-Deutsche Kaltblutrasse bis zur Bestandsgefährdung zurück.

92 Zuchtstuten und sieben Hengste in Stallboxen des Landes

Nach Übersicht des Pferdezuchtverbandes in Mecklenburg-Vorpommern stehen derzeit noch 92 Zuchtstuten und sieben Hengste in den Stallboxen des Landes. „Im Landwirtschaftsministerium wird der Zucht des Rheinisch-Deutschen Kaltbluts besondere Bedeutung beigemessen,“ signalisiert Sprecherin Martina Plothe.

Den Fingerzeig gab die Rote Liste der Gesellschaft zur Erhaltung aller und gefährdeter Haustierrassen, wo der Eintrag über das Rheinisch-Deutsche Kaltblut in Gefährdungsstufe III vermerkt ist. Vom Ministerium würden über die Förderrichtlinie zur Erhaltung tiergenetischer Ressourcen jährlich Prämien an die Züchter ausgereicht, ergänzt Plothe. Bei Hengstparaden im Landgestüt Redefin stehen die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten der schweren Pferde zur Schau.

43 Züchter in MV für Kaltblüter

„Insgesamt 43 passionierte Züchter befleißigen sich derzeit in Mecklenburg-Vorpommern um den Erhalt der ausdrucksvollen Kaltblüter-Familie,“ ergänzt in Rostock die Zuchtleiterin und Geschäftsführerin im MV-Zuchtverband, Karoline Gehring (33). In Satow gelang bisher die Aufzucht von mehr als 30 Stuten, darunter zehn, die besonders herausragende Eigenschaften aufwiesen und mit Staatsprämien honoriert wurden. „Ein bemerkenswertes Zuchtergebnis.“

Pranges jüngster Erfolg ist ein zweieinhalbjähriger Rappen-Elitehengst, der zur Körung in Krumke bei Stendal angemeldet ist. Auf der 29. Mecklenburgischen Landwirtschaftsausstellung vom 12. bis 15. September 2019 in Mühlengeez werde das Rheinisch-Deutsche Kaltblut als „Tier der Mela“ geadelt, hob Verbands-Zuchtleiterin Gehring hervor.

Geplant seien dazu Familienschauen und vielfältige andere Vorführungen mit Demonstrationen auch über den heutigen Einsatz der beeindruckenden Kaltblüter. „Auch mit Gästen aus den umliegenden Bundesländern“, betont sie. Volker Prange kündigte an, er werde mit drei Breitspännern dabei sein.

In den Boxen des Hobby-Züchters ist Pflege und pünktliche Fütterung oberste Priorität. Ständige Einstreu aus frischem Weizenstroh sorgt dafür, dass die Behaarung an Fesseln, Schweif und Mähne immer trocken bleibt. Alle sechs bis acht Wochen komme ein Hufschmied zum „Umschlagen“ der Hufe.

Rheinisch-Deutsche Kaltblüter auf der Weide Quelle: Dietrich Grunzig

Prange, der Bodenmeister im örtlichen Versorgungsgeschäft für Bau, Hof und Garten ist, erzählt, er kenne jedes seiner Pferde, wie sie schmatzen, gucken und die Ohren stellen. „Und wenn etwas anders ist als sonst, sehe er genauer hin, ob dem Tier wirklich nichts fehlt.“

Die Pferde sind gern und oft auch von Touristen für Kremser-Touren durchs Satower Land gefragt. Ebenso für Kutschfahrten zum Standesamt in einem extra dafür in Polen gefertigten schmucken Landauer. Dann besteigt Volker Prange in Festkleidung mit Zylinderhut und weißen Handschuhen den glanzvollen Kutschbock.

Mehr lesen: Öko-Bauer Volker Schleusner ist ein Pferdenarr, der in Dänschenburg bei Marlow (Landkreis Vorpommern-Rügen) auch Rinder züchtet.

Pferdeland MV

24 000 Pferde leben in Mecklenburg-Vorpommern. Rund 1000 Fohlen werden pro Jahr geboren, die meisten bei Hobbyzüchtern.

Rund 1700 private Züchter gibt es laut Pferdezuchtverband in MV. Viele sind erfolgreich – mit nur einer oder zwei Stuten im Stall.

300 Reiterhöfe und Wanderreitstationen prägen das touristische Profil. Reiturlauber tragen mit rund 57 Millionen Euro pro Jahr zum Umsatz der Branche bei. Im Land gibt es rund 6400 Kilometer Reitwege, 25 Kilometer kamen 2018 neu dazu. Auch Kutschfahrten erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

1,3 Millionen Pferde und etwa 900 000 Pferdebesitzer gibt es bundesweit. Nach Branchenangaben liegt der Umsatz der deutschen Pferdewirtschaft bei geschätzten 6,7 Milliarden Euro.

Dietrich Grunzig

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