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Bad Doberan Schwaches Bürgerecho zum Nahverkehr
Mecklenburg Bad Doberan

Schwaches Bürgerecho auf Nahverkehr

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19:00 22.01.2020
So ähnlich könnte die geplante Bushaltestelle an der Grundschule aussehen. Darüber muss noch die Stadtvertretung beschließen.
So ähnlich könnte die geplante Bushaltestelle an der Grundschule aussehen. Darüber muss noch die Stadtvertretung beschließen. Quelle: Thomas Hoppe
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Kröpelin/Neubukow

„Die Verbindung nach Kühlungsborn ist sehr, sehr schlecht. Da findet man eigentlich auch viel Arbeit, aber man kommt mit dem Bus sehr, sehr schlecht hin“, sagt eine Kröpelinerin am Marktplatz ihrer Stadt. „Wenn man da nach Kühlungsborn wirklich mal hinmüsste wegen irgendwas – es ist einfach schlecht. Man muss dann immer nur über Doberan mit Bus oder Molli weiter ... Das ist Mist“, ergänzt die Frau, die hier an der Bushaltestelle auf jemand wartet. Die Nahverkehrsverbindung nach Bad Doberan schätzt sie aber ausdrücklich als „einwandfrei“ ein: „Wenn der Bus nicht fährt, fährt die Bahn.“ Das bestätigt eine ältere Einwohnerin, die seit 20 Jahren direkt in Kröpelin lebt. Früher sei sie mit dem Fahrrad von Detershagen zur Arbeit in der Kröpeliner Baumschule an der Wismarschen Straße gefahren, erzählt sie und betont, dass ihr heute die Nahverkehrsverbindungen von Kröpelin aus reichen würden: „Nach Kühlungsborn wollen wir selten, meistens fahren wir mit Bus oder Bahn nach Bad Doberan.“

Die beiden zufällig befragten Frauen, die ihre Namen nicht in der OZ lesen wollen, entsprechen Bürgeranregungen, die die Kröpeliner Stadtverwaltung bereits in Sachen Nahverkehr erhalten hat. Sie waren Thema auf der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bau und Planung, Umwelt und Landschaftsschutz am vergangenen Montag. Anlass ist der neue Nahverkehrsplan für die Region Rostock, den der Landkreis und die Hansestadt für die nächsten zehn Jahre gemeinsam erarbeiten lassen. Bis zum 28. Februar 2020 können daran die Städte und Gemeinden der Region mitwirken. Deshalb hatte Kröpelins Bürgermeister Thomas Gutteck (parteilos) die Einwohner seiner Stadt dazu eingeladen, ihre Anregungen, Hinweise und Bedenken im Rathaus vorzulegen.

Wie die Bauamtsleiterin Jana Schmidt dazu vor dem Bauausschuss darlegte, wären bislang fünf Stellungnahmen von Bürgern aus Kröpelin eingetroffen. Während sie die stündlichen Zugverbindungen in die Richtungen Wismar oder Rostock lobten, kritisierten sie die fehlende oder mangelhafte Anbindung des Personennahverkehrs an die Ostseebäder Kühlungsborn und Rerik. Über den Schülerbusverkehr gebe es zwar werktags teilweise Verbindungen, an den Wochenenden jedoch gar nicht. Abendveranstaltungen seien sowohl in Wismar, in den Ostseebädern als auch in Rostock mit dem öffentlichen Personennahverkehr zwar noch erreichbar, aber nach 21 Uhr gehe es nicht mehr zurück. Dafür wünschten sich die Bürger einen Spätbus oder einen Spätzug. Eine Kritik zielte auf „zu hohe Preise“ auf Kurzstrecken der Bahn.

Als wichtig erachten es die Bürger zudem, dass die vorhandenen Bushaltestellen in Kröpelin erhalten bleiben. „Der Stadt Kröpelin ist es noch wichtig, dass ihre Ortsteile besser angebunden werden“, ergänzte Jana Schmidt und fragte die Bauausschussmitglieder, was in der Rückmeldung an das mit der Erarbeitung des Nahverkehrsplans beauftragte Kasseler Planungsbüro „plan:mobil“ noch berücksichtigt werden müsste.

Auf Nachfrage der Ausschussvorsitzenden Karin Reichler wurde klargestellt, dass Ortsteile lediglich durch die „Schülerbusse“ an den Nahverkehr angeschlossen seien. Bürgeranregungen aus den Ortsteilen seien aber auch nicht im Rathaus eingegangen, hieß es. „Die haben sich daran gewöhnt, dass da nichts ist und auch nichts kommen wird“, flüsterte jemand aus dem Besucherkreis. Karin Reichler bat darum, dass sich noch einmal mit den Ortsräten über die Beteiligungsmöglichkeit bei der Nahverkehrsplanung verständigt werde. „Sie kommen aber alle erst nach dem Abgabetermin zusammen“, warf die Bauamtsleiterin ein, sagte aber zu, dass sie in dieser Sache noch die Ortsratsvorsitzenden kontaktieren werde.

In Angriff genommen werden soll in Kröpelin in diesem Jahr der Bau einer Bushaltestelle an der Grundschule mit Überdachung und Windschutz – eine Forderung des hiesigen Elternrates, wie Jana Schmidt erläuterte. Nach einer kurzen Diskussion im Ausschuss erklärte sie, dass sie den Stadtvertretern einen Variante vorschlagen werde, die versetzbar ist, nachdem das Heizhaus abgerissen wurde, und deutete eine ähnliche Konstruktion an, wie sie am Markt steht.

Von Thomas Hoppe

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