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Bad Doberan „Schwamm ist kein Abrissgrund“
Mecklenburg Bad Doberan „Schwamm ist kein Abrissgrund“
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00:00 31.01.2017
Danneborth

„Die OZ hat am 12. Januar einen Bericht über das Gutshaus Danneborth veröffentlicht, der einen sehr nachdenklich stimmt.

Seit Jahren bemüht sich die AG-Gutsanlagen um die Rettung dieses Denkmals und nun soll es einfach abgerissen werden... Es hat den Anschein als habe der Besitzer Ludwig Merckle von Anfang an vorgehabt, hier Bauplatz durch mutwillige Zerstörung zu gewinnen“, heißt es auf der Webseite www.ag-gutsanlagen.de. Mitglieder des 1995 auf Initiative des Thünen-Museums Tellow und des Europäischen Verbandes für den ländlichen Raum (Ecovast) gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Erhaltung und Nutzung der Gutsanlagen in MV“ kritisieren die Abrisspläne für das Danneborther Gutshaus, der Nummer 186 auf der Denkmalliste des Altkreises Bad Doberan vom Februar 2014.

„Wir erhalten das, was zu erhalten ist. Und wenn es nicht zu erhalten ist, muss man auch mal in den sauren Apfel beißen“, hatte Joachim Walther, der Verwalter der Danneborther Gutsanlage, der OZ zum Thema Gutshausabriss gesagt.

Noch im Januar 2016 wollte der Kölner TV-Serienproduzent Klaus- Peter Siegel die Anlage kaufen, bekam aber weder vom Eigentümer, noch vom Verwalter eine Antwort. „Ob ich jetzt noch möchte, weiß ich nicht“, sagte er gestern am OZ-Telefon. Das Problem sei, dass es in das Haus reinregne. Da tue sich ganz viel in einem Jahr, betonte der Mecklenburg-Fan, Gutshausliebhaber und AG-Mitglied. „Seit der Öffnung der Mauer gibt es für mich nur noch Mecklenburg. Da oben fühle ich mich immer super“, sagte der heute 58-Jährige, der erstmals durch einen gebürtigen Kühlungsborner im Sommer 1990 in diese Region gekommen war. Sein Traum sei es, hier ein Gutshaus zu besitzen, zu retten und zu sanieren. Wenn in so einem Haus der Schwamm sei, hieße das doch nicht, dass das Ding weggerissen werden müsse.

Das Danneborther Gutshaus sei durchaus zu retten, zu sanieren – auch wenn es „wirtschaftlich vielleicht nicht unbedingt sinnvoll“ sei, sagte Klaus-Peter Siegel und ergänzte, dass das ein Liebhaber wie er machen müsse, der das Gebäude erhalten möchte, ohne auf Rendite zu warten: „Solche Leute gibt es ja, da bin ich nicht der Einzige“. Zum Beispiel Reingard Berger. Die gebürtige Berlinerin, zweifache Mutter und Hotelbesitzerin in Wismar kaufte die Gutshäuser in Klein Grabow (zwischen Güstrow und Krakow am See) sowie in Warkstorf (bei Wismar). „Ich baue nur, wenn ich Geld hab’“, sagte die studierte Diplom-Ingenieurökonomin, die heute Mitglied im Vorstand der AG Gutsanlagen ist. Auch sie ärgert die Vorgehensweise des Eigentümers vom Gutshaus Danneborth. Sie will wissen, dass er von der Denkmalpflege im August 2016 einen Bescheid bekommen habe, in dem unter anderem stehe, dass nur dann abgerissen werden dürfe, wenn nachgewiesen werden könne, dass zwei Jahre lang kein Käufer gefunden worden wäre. Verkauft werden müsste in diesem Fall nach Verkehrswert, meinte die zweifache Gutshausbesitzerin gestern zur OZ. „Ein Eigentümer, insbesondere ein Eigentümer von einem Denkmal hat laut Gesetz Verpflichtungen zum Erhalt dieses Denkmals“, betonte sie weiter und erklärte: „Schwamm ist zum Beispiel überhaupt kein Grund für einen Abriss. Das kann man heute alles sanieren. Aber Gier frisst Gehirn.“

Am 19. Januar sandte Klaus-Peter Siegel an „Frau Schulze“ im Bereich Denkmalpflege der Verwaltung des Landkreises Rostock einige Fragen: „Wurde dem Eigentümer ihrerseits ein Ordnungswidrigkeitsverfahren angedroht? Warum wurde keine Notsicherung des Daches durch Ihre Behörde beauftragt?“ Nun warte er gespannt auf die Antwort, sagte er gestern.

Thomas Hoppe

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