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Bad Doberan Sie stickt kilometerweise Garn
Mecklenburg Bad Doberan Sie stickt kilometerweise Garn
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16:00 28.12.2018
Kerstin Schulze betreibt online eine Stickerei die auch von Firmen, Hotels und Feuerwehren genutzt wird. Quelle: Sabine Hügelland
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Wittenbeck

Die Maschinen surren, Nadeln stechen 700 bis 800 Mal pro Minute in den Stoff. Basecaps, T-Shirts, Polohemden, Jacken, Arbeitsbekleidung: Kilometerweise wird Garn in Stoff gestickt. Von draußen ist nichts zu hören. Das neu erbaute Haus in Wittenbeck ist gut gedämmt und trägt den Schriftzug der Online-Firma capshop.de. Kerstin Schulze betreibt eine professionelle Stickerei mit hochwertigen computer-gesteuerten Maschinen. Im vergangenen Jahr zog sie mit ihrer Familie von Parchim an die Küste. Die Mutter einer siebenjährigen Tochter übernahm die Firma von ihrem Mann, der sich jetzt anderen Aufgaben widmet.

Kerstin Schulze muss immer wieder kontrollieren, falls ein Faden gerissen ist oder er sich dem Ende neigt. Das Stickmuster muss am Ende stimmen. „Wir haben keinen typischen Laden, betreiben die Firma nur online und besprechen mit den Kunden alles über das Telefon und den Computer“, sagt sie. „Ich produziere erst ab einer Stückzahl von mindestens zehn, sonst rechnet sich das nicht mit den großen Stickmaschinen“, sagt die Unternehmerin. „Bei kleineren Mengen kann der Kunde sich an Ann Kruth wenden, die ihre Schneiderei aus Kröpelin nach Warnemünde verlegte. Wir reichen uns die Kunden weiter.“

3000 Feuerwehren als Kunden

Mittlerweile ist ihr Unternehmen auch in der Region bekannt. So lassen unter anderem Kühlungsborner Hotels, Restaurants, Firmen und Vereine bei ihr sticken. Das Besondere: Unter ihren Kunden sind etliche Feuerwehren aus ganz Deutschland, die Embleme, Schriftzüge, Logos und anderes herstellen lassen. „Ich bin Feuerwehrfrau und ich weiß, was gebraucht wird. Für mehr als 3000 Feuerwehren habe ich schon gestickt.“

Die zu bestickende Ware muss zuvor in einen Rahmen gespannt werden, bevor sie in die Maschine kommt. Quelle: Sabine Hügelland

Doch wie kommt sie dazu, sich in Wittenbeck niederzulassen? „Mein Mann und ich haben oft unsere Urlaube hier verbracht. Unser Boot lag in Kühlungsborn, so war uns die Region vertraut und wir fühlen uns hier wohl“, sagt sie. „Dazu kommt, dass es mir an der Küste gesundheitlich besser geht.“ Jetzt lebt die Familie fast am Waldrand. „Das ist total idyllisch. Ich bin schnell im Wald und auch an der Ostsee.“ Jens Schulze baute die Firma in Parchim am 11. November 1992 auf. Er fing damals mit Aufnähern an – heute gibt es die Stickerei direkt in die Sachen. „Es war ein Zufall. Ich lernte jemanden kennen, der Stickmaschinen verkaufte. Das interessierte mich und ich probierte es aus“, sagt der 48-Jährige. Seit 2010 betreibt nur noch Kerstin Schulze das Unternehmen. „Wir wollten eigentlich in die Karibik auswandern, doch dann wurde ich schwanger und wir beschlossen in Deutschland zu bleiben“, erklärt sie. Ihre Tochter hat sich schnell eingelebt im neuen Zuhause. „Sie ist vergangenes Jahr in Kühlungsborn eingeschult worden und hat schnell Freunde gefunden.“

Mit Qualität überzeugen

Vier Maschinen hat Kerstin Schulze, davon eine Zweikopfstickmaschine. Fünf Kilometer Garn am Tag werden meist verstickt. „Maximal zwölf verschiedene Garne kann ich für eine Stickerei nutzen“, sagt sie. „Ich biete ein Rundumsorglos-Paket an, also die Stickerei mit den entsprechenden Sachen“, so die 44-Jährige. „Und versuche viel möglich zu machen. Von den Kunden kommt die Vorlage als Bild, die ich bearbeite. Den Entwurf bekommt dann wieder der Kunde, der ihn bestätigen muss.“ Die Vorlage wird in den Maschinencomputer eingespeist. Dann werden die Farbabfolgen eingestellt und los geht es mit den bis zu 35x35 großen Rahmen eingespannten Teilen. Am Schluss muss noch das Fließ oder der Stoff auf der Rückseite der die Stickerei stabilisiert, in Form geschnitten werden. Wenn zu viel Elastan in den Stoffen ist, muss sie ablehnen. „Das ist nicht machbar.“ Die Nadeln würden sich auf der Stelle bewegen und den empfindlichen Stoff zerstören. Auch müssen die Stoffe von guter Qualität sein. „Drucken kann man auch auf billiger Ware. Beim Sticken geht das nicht.“

Doch es gab auch Rückschläge für die Firma: „Als plötzlich viele Menschen sich Nähmaschinen mit Stickfunktionen erwarben und dachten, da kann ich alle Vereine mit besticken“, erinnert sie sich. Ich-AGs schossen aus dem Boden. „Da wurde es schwieriger für mich, denn das Ergebnis war alles andere als perfekt. Ich muss durch Qualität überzeugen, um neue Kunden zu bekommen.“

Sabine Hügelland

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