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Bad Doberan So lebte man vor mehr als 1000 Jahren
Mecklenburg Bad Doberan So lebte man vor mehr als 1000 Jahren
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13:52 06.08.2019
Annett Leitner (2.v.l) und Timo Scherzer sowie Stephan Weiner mit Söhnchen Felix schauten in Rerik bei den Raetovarier am Heimatmuseum vorbei. Maria Zielke zeigt die Kochstelle. Quelle: Sabine Hügelland
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Rerik

 Mühselig bohrt sich das spitze Eisen in eine Muschel. Der Handbohrer, mit dem Udo Zielke arbeitet, damit aus der Muschel einmal ein Kettenanhänger wird, entstand nach uraltem Vorbild. Nebenan duftet es nach Suppe, die Maria Zielke mit einem großen Holzlöffel umrührt. Die beiden gehören der Gemeinschaft der Raetovarier an, die bis zum 11. August und bereits zum zweiten Mal auf dem Grundstück des Reriker Heimatmuseums unter dem Thema „Lagerleben und Handwerk“ gastieren. Bei allem können Gäste zuschauen – kostenfrei.

Interesse für Geschichte und Archäologie

Neun Raetovarier sind nach Rerik gekommen. Die Gruppe stammt aus Baden-Württemberg und dem angrenzenden Bayern. Insgesamt 33 Mitglieder im Alter von einem bis 81 Jahren zählen zur Gemeinschaft, die überwiegend aus Familie und Freunden besteht.

„Jeder von uns in der Gesellschaft hat ein Faible für Geschichte und Archäologie, das verbindet uns“, sagt der Vorsitzende Stefan Müller. Hinter dem Museum bauten sie ihre Zelte aus hellen Leinenstoffen auf, in denen sie nächtigen. Das Areal wirkt zurückversetzt in alte Zeiten und recht beschaulich. Der 14-jährige Markus Müller hackt in einer Ecke Holz. Der Kessel für Speisen hängt über dem Feuer. Aus den Zelten lugt dann aber doch die Neuzeit in Form von Schlafsäcken und Rucksäcken hervor.

Rings um das Heimatmuseum in Rerik können Interessierte kostenfrei zuschauen, wie der Alltag in der Zeit zwischen 213 bis 746 nach Chr. aussah.

Museumsleiter ist dabei

„Hilfe, die Alamannen kommen!“ Dieser Ruf dürfte in „Endlich sind sie wieder da“ umgeschrieben werden. Museumsleiter Thomas Köhler ist ganz in seinem Element und ebenfalls gebührend gekleidet, denn auch er ist ein Freund der Raetovarier. „Sie machen das hier mit Herz und Seele, aber vor allem auch detailgetreu. Ich habe schon eine Menge von ihnen lernen können“, sagt er.

Zeit der Raetovarier bis 746 nach Christus

Die Raetovarier, von denen die Gruppe ihren Namen hat, besiedelten das Gebiet des Nördlinger Rieses der Ostalb und zum Teil die Albhochfläche bis an die Donau. Ihre Zeit war zwischen 213 bis 746 nach Christus. Stefan Müller führt in Rerik vor, wie Riemen und Lederbeutel gefertigt werden. An Letzterem können sich auch Gäste am Mittwoch zwischen 14 und 17 Uhr versuchen. Andrea Gräupel schneidet neben ihm Leinen in Form: „Daraus wird später ein Unterkleid, so wie ich es trage.“

Rerik beim G8-Gipfel entdeckt

Stefan Müller kam 2007 zum G8-Gipfel mit der 50 Mann starken Hundestaffel nach Alt Gaarz. „Wir wurden so freundlich aufgenommen und ich entdeckte, wie schön es hier ist“, sagt der 47-jährige Polizeibeamte. Müller brachte seine Familie mit in die Ferien und lernte Thomas Köhler kennen. So entstand schnell die Idee, im Ostseebad die Reatovarier aufleben zu lassen.

„Die Germanen sind durch das dritte Reich in Verruf geraten und so wurde auch die Forschung nicht weiterverfolgt. Erst in den letzten Jahrzehnten fingen Wissenschaftler an, diese Zeit aufzuarbeiten“, so Stefan Müller. „Wir distanzieren uns von rechter Ideologie“, betont er. Die Raetovarier sind ein spannendes Gebiet und auch die Zuhörer werden mitgerissen.

Zuschauer sind fasziniert

„Wie spannend und ungewöhnlich“, so die Urlauber Timo Scherzer und Annett Leitner aus Sachsen. Stephan Weiner schaut mit Söhnchen Felix in den Kochtopf: „Hmm, wie das duftet!“ Und Svenja Hecht ließ sich ihre Haare von Melissa Müller auf fantasievolle Weise flechten. Schaukochen, Bogenschießen, Speerwerfen, Waffenschau, Holz- und Steinbohren, Wollfärben und anderes wird vorgeführt.

Spannend ist ebenfalls das Brettchenweben, und auch wenn Sonja Müller meint, nach einem Tag könne jeder einfache Muster beherrschen, so wirkt es doch recht kompliziert. „Ach, das geht“, sagt sie und webt wunderschöne Gürtel mit Muster, die auch heute noch schmückenden Wert besitzen. Doch darüber hinaus sind sie so stabil, „dass sie kein Hund einfach so durchreißen kann und sie ebenso für Pferdegeschirr oder als Gurte nutzbar sind.“

Auf dem Boden sitzen Andrea und Michael Gräupel. Sie mahlen Korn, das später zu Brot wird. Der Mahlstein muss recht lange gedreht und dabei immer wieder gleichmäßig das Korn dazugegeben werden. Die Raetovarierer, Germanen, Alamannen waren gute Eigenversorger. Wer mehr erfahren will: Die Zeitreise dauert noch bis Sonntag.

Von Sabine Hügelland

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