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Bad Doberan So verlief der Wahltag zwischen Rerik und Bad Doberan
Mecklenburg Bad Doberan So verlief der Wahltag zwischen Rerik und Bad Doberan
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19:17 26.05.2019
Für Yvonne König und Frank Schult aus Garvensdorf ist die Teilnahme an Wahlen eine Selbstverständlichkeit. Quelle: Thomas Hoppe
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Bad Doberan

 Acht Kreuze mussten die meisten Wähler am Sonntag setzen. Das Europaparlament, der Kreistag des Landkreises Rostock, die Stadt- und Gemeindevertretungen sowie Bürgermeister wurden zwischen Kühlungsborn, Neubukow und Bad Doberan neu gewählt. Die Wahlbeteiligung ist in vielen Gemeinden hoch.

Vor allem in den ersten Wahl-Stunden hatten sich am Vormittag vor und in den Wahllokalen etwa in Rethwisch, Bargeshagen oder Parkentin lange Schlangen gebildet – aufgrund einer offenkundig hohen Wahlbeteiligung, aber auch, weil viele Bürger zunächst Probleme mit den jeweiligen Wahlscheinen und der gefühlten „Papier-Flut“ hatten. Das Problem: Einige potenzielle Wähler ließen sich von den Menschenmengen abschrecken und machten gleich wieder auf dem Absatz kehrt.

Lange Schlange vorm Wahllokal

„Ich war gegen halb 9 Uhr im Wahllokal der Rethwischer Feuerwehr“, sagte etwa Martin Grenz. „Da war es so voll – ich hatte echt keine Lust zu warten.“ Typischer Fall von denkste: Beim zweiten Versuch eine Stunde später hatte sich die Warteschlange sogar noch vergrößert. „Einige Leute beschäftigen sich eben erst unmittelbar vor der Wahl mit den Modalitäten“, meinte Grenz. „Wenn die dann erstmal diese ellenlangen Zettel aufklappen, sind die doch total überfordert.“

Entspannter ging es da im Wahllokal der Börgerender Tourist-Information zu: Bis 14 Uhr hatten hier rund 255 Bürger ihre Stimmen abgegeben – etwa die Hälfte der Wahlberechtigten im Ort. Beim dritten Anlauf gegen 14 Uhr hatte sich auch in Rethwisch der erste Trubel dann etwas gelegt – und auch der Rethwischer konnte schließlich seine Kreuzchen machen.

Dabei dürfte es im Amt Bad Doberan-Land vor allem auch mit Blick auf die Bürgermeister-Wahl spannend werden: In gleich sechs der neun Gemeinden gibt es mehr als einen Bewerber.

Im Kröpeliner Rathaus und bei der Grundschule kommen die Wähler „immer so eben weg“. Bis zum Mittag gaben allein im Rathaus 200 Bürger ihre Stimmen ab. Kröpelin hat mit seinen 16 Ortsteilen sieben Wahlbezirke.

Viele Erwartungen an Doberaner Stadtvertreter

Schichtwechsel im Wahllokal 3 auf dem Buchenberg in Bad Doberan. Ines Johanson, Doreen Tylla und Maximillian Hoffmann übernehmen. 311 von 829 Bad Doberanern, die im Hort ihre Stimme abgeben können, haben das bis halb zwei getan, darunter auch Norbert Fuhrmann. „Ich bin schon immer CDU-Wähler gewesen“, sagt er. Von der neuen Stadtvertretung erwarte er, dass es ausreichend Betreuungsplätze in den Kindertagesstätten gibt und die Straßen auf den Fuchsberg saniert werden.

Unterstützen die Wahl als Wahlhelfer im Wahllokal 1 Bad Doberan (v.l.): Petra Wendt, Gisela Goldmann, Andrea Gläwe und Thorsten Semrau. Quelle: Anja Levien

Im Wahllokal 1 in der Kita „Buchenbergzwerge“ gucken einige Wähler überrascht, als sie den Raum betreten. Der ehemalige Bürgermeister Thorsten Semrau ist Wahlhelfer. „Ich mache das gerne, es ist wichtig. Es ist auch meine Stadt gewesen und ich freue mich, wenn ich unterstützen kann“, sagt er und reicht die Wahlzettel an Eva Hagemeister weiter, erklärt der 90-Jährigen, wie viele Stimmen sie für welche Wahl hat.

„So lange habe ich noch nie bei einer Wahl gesessen“, sagt die Bad Doberanerin, als sie die Wahlzettel bei Wahlhelferin Gisela Goldmann in die drei Urnen verteilt hat. „Es ist wichtig, wählen zu gehen. Dadurch können wir ein bisschen mitbestimmen.“ Von der Stadtvertretung erwarte sie, dass es gut weitergeht. Nur mit der Umgestaltung des Alexandrinenplatzes sei sie überhaupt nicht einverstanden, spricht von Zementbauten. „Sehr schön hat sich der Klosterbereich entwickelt.“

Eva Hagemeister ist mit 90 Jahren wohl eine der ältesten Wählerinnen in Bad Doberan. „Es ist wichtig, wählen zu gehen. Dadurch können wir ein bisschen mitbestimmen“, sagt sie. Quelle: Anja Levien

Isabell Rotzoll wünscht sich, „dass unsere Interessen durchgesetzt werden und wir bei den Stadtvertretern Gehör finden“, sagt die 29-Jährige. Die Bad Doberanerin wünscht sich die weitere Modernisierung der Spielplätze und eine Hundewiese.

Wahlleiter in Alt Karin erwartet mehr Wähler am Nachmittag

Im Alt Kariner Gemeindehaus hatten bis 14 Uhr von 220 Wahlberechtigten erst 63 ihr Votum abgegeben, wie der örtliche Wahlleiter Thomas Schmidt sagte. Aber die Wahlhelferinnen erwarten, dass bis zum Abend noch weitere Bürgerinnen und Bürger von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.

Obwohl in Kirch Mulsow weder Bürgermeister- noch Gemeindevertreterwahlen stattfinden, ist der Wahlraum im ehemaligen Lokal „Pendlereck“ relativ gut besucht – es geht um den Kreistag und das Europaparlament. Nach Angaben der Wahlhelfer vor Ort haben hier bis 15 Uhr inklusive der Briefwähler rund 50 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Dazu zählen die Garvensdorfer Yvonne König und Frank Schult.

Für beide ist es selbstverständlich an Wahlen teilzunehmen. „Ich will doch meine Stimme nicht verschenken. Wählen ist wichtig“, betont der Mann, Jahrgang 1972. Auch Europa habe doch Auswirkungen auf alles, sagt der Elektriker. Yvonne König, ein Jahr jünger als Frank Schult, pflichtet ihm bei.

Blick in den Wahlraum von Alt Karin. Quelle: Thomas Hoppe

Für sie ist ihr Wahlgang aber auch ein Ergebnis der Erziehung durch ihre Eltern: „Wir sind schon als Kinder immer mit ihnen wählen gegangen. Das ist wie ein Ritual gewesen, deshalb ist es heute selbstverständlich, dass wir wählen gehen, auch wenn meist nicht unsere Kandidaten gewinnen.“

Im Neubukower Bürgerhaus am Brink geben sich auch am späten Nachmittag die Wähler noch die Klinke in die Hand. Hier hatten um 14 Uhr von 1178 Wahlberechtigten 324 Bürgerinnen und Bürger ihre Stimme abgegeben.

In Russow war es gegen 17 Uhr schon ruhig geworden. „Wir hatten einen hohen Andrang am Vormittag“, erzählt Wahlhelferin Tanja Schmuggler. Da sei es auch zu Wartezeiten gekommen. 268 Männer und Frauen konnten im Wahllokal im Kirchengemeindehaus ihre Stimme abgeben.

Heinz Scheidler ist der letzte Wähler im Wahllokal im Schulzentrum Kühlungsborn. Er nimmt die Stimmzettel von Irmhild Fehlandt entgegen. Quelle: Anja Levien

Letzter Wähler im Schulzentrum Kühlungsborn war Heinz Scheidler um kurz vor 18 Uhr. Hier konnte das Wahllokal pünktlich geschlossen werden und die sechs Wahlhelfer mit der Auszählung beginnen.

Thomas Hoppe, Lennart Plottke, Anja Levien

In vielen Gemeinden geben mehr Wähler ihre Stimmen ab als vor fünf Jahren. In Kühlungsborn liegt die Beteiligung bereits bei über 50 Prozent.

26.05.2019

93 Bewerber gibt es für die 25 Sitze in Bad Doberan. Der erste Sitz ist in der Regel mit zwei Prozent der Stimmen sicher, jeder weitere benötigt vier Prozent. Etwa 10 400 Doberaner sind aufgerufen, ihre drei Stimmen für das Stadtparlament zu vergeben.

26.05.2019

In den Wahllokalen zwischen Kühlungsborn, Satow und Bad Doberan werden ab 18 Uhr erst die Europawahlen, dann der Kreistag gefolgt von den Gemeindevertretungen ausgezählt. Als Letztes folgt die Wahl des Bürgermeisters. Einige Ämter stellen die Ergebnisse online.

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