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Bad Doberan Mehr Aufmerksamkeit für Stadtgrün in Kühlungsborn gefordert
Mecklenburg Bad Doberan Mehr Aufmerksamkeit für Stadtgrün in Kühlungsborn gefordert
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15:06 29.08.2019
Einige der Bäume entlang der Strandstraße werfen bereits ihre Blätter ab. Quelle: Cora Meyer
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Kühlungsborn

Die Stadt Kühlungsborn tut nicht genug für ihre Bäume. Das sagt zumindest der Stadtvertreter Uwe Wiek (Grüne). „Man müsste mehr darauf achten, dass Bäume mehr Platz haben.“ Momentan seien die Begrenzungen für die Bäume, die beispielsweise die Strandstraße säumen, zu eng. „Die sind ja wie Topfpflanzen“, sagt der Stadtvertreter. „Der Wurzelbereich der Bäume umfasst die Ausdehnung der Baumkrone plus 1,5 Meter“, sagt Joachim Schneider vom Naturschutzbund (Nabu) Mittleres Mecklenburg. „Daher wäre es ideal, wenn dieser Bereich offen und unbelastet bliebe.“ Das werde in Städten allerdings häufig nicht beachtet beziehungsweise sei überhaupt nicht möglich.

Satzung zum Gehölzschutz und zur Baumpflege fehlt

Das Problem sei, so Uwe Wiek, dass es momentan in Kühlungsborn keine Gehölzschutzsatzung gebe, die genau festlege, was erlaubt ist und was nicht. „In der Satzung könnte beispielsweise drinstehen, wie oft und wie viel gewässert wird, wie viel Abstand beispielsweise zu Leitungen eingehalten werden muss und inwiefern Bäume gegen das Anmähen geschützt werden müssen. Darin könnte man auch präzisieren, in welchem Zeitraum und in welchem Ausmaß Bäume zurückgeschnitten werden dürfen“, sagt Uwe Wiek. Es habe bereits einen Entwurf für eine solche Satzung gegeben, die die Gemeindevertretung jedoch abgelehnt habe. „Sie müsste ja nicht mal besonders streng sein“, sagt der Stadtvertreter. „Wichtig ist, dass es überhaupt eine gibt.“

Die Stadt sollte die Pflege der Bäume mehr ernst nehmen. „Wir brauchen mehr Eigenverantwortung.“ Deshalb schlägt Uwe Wiek vor, dass es in der Verwaltung jemanden geben sollte, der sich hauptamtlich darum kümmert und auf die Pflege achtet. Bislang ist dafür das Bauamt zuständig. Dort ist man eigenen Angaben zufolge aber oft zeitlich nicht in der Lage, diese Aufgabe vollständig zu übernehmen. Zusätzlich zu den anderen Aufgaben müssten die Mitarbeiter die Einhaltung von Vorschriften kontrollieren, die Bäume vor Ort besichtigen, Schriftverkehr dazu führen, Bescheide schreiben, Gebühren erheben und Kontrolle über Ersatzpflanzungen ausüben.

„Wir sollten den Anspruch haben, dass Kühlungsborn noch blühender wird. Das würde den Insekten und den Augen der Urlauber Gutes tun.“ Uwe Wiek, Stadtvertreter (Grüne) Quelle: Rolf Barkhorn

Statt in einer Satzung werden die Vorschriften für Grünflächen in Kühlungsborn in der Regel in den Bebauungsplänen festgehalten. „Ein Drittel davon, gerade die Älteren, enthält jedoch keine Verpflichtungen für Ersatzpflanzungen“, sagt Marika Wieck, Mitarbeiterin im Bauamt. Es ist also nicht festgeschrieben, wie viele neue Bäume für einen gefällten gepflanzt werden müssen. „Wie viele Bäume gepflanzt wurden, können wir derzeit nicht beurteilen“, sagt sie. Gefällt wurden ihrer Kenntnis nach im vergangenen Jahr 27 Großbäume mit der Auflage, 33 Ersatzbäume zu pflanzen.

Zu wenig Ersatz und zu wenig Wasser

Davon betroffen seien oft Hotels, sagt Uwe Wiek. Um die Parkflächen zu vergrößern, würden von einigen Betreibern alte Bäume abgenommen und nur unzureichend ersetzt. „Die Hoteliers sollten einen Blick dafür bekommen, dass vernünftiges Grün auch den Gästen gefällt. Die Bäume und Hecken prägen das Stadtbild. Die Menschen kommen ja schließlich her wegen der Natur.“

Ein weiteres Problem ist laut Uwe Wiek, dass die Bäume stellenweise nicht ausreichend gegossen würden. „Dafür sind das Bauamt beziehungsweise der Bauhof zuständig“, sagt Rüdiger Kozian. Wie viel Wasser ein Baum braucht – dazu gibt es nach Angaben von Joachim Springer vom Nabu auch in der Wissenschaft unterschiedliche Ansichten. Das sei je nach Art und Größe unterschiedlich. „Die Empfehlungen zum Gießen von Bäumen sind bis zu 100 Liter Wasser pro Woche je Baum in Trockenperioden.“ Für Straßenbäume komme in solchen Zeiten erschwerend hinzu, dass bei Regenfällen aufgrund der Versiegelung ringsum nicht so schnell Wasser von oben nachkommen kann.

Kranke Bäume mussten gefällt werden

Eine Bedrohung für die Kastanien im Ort ist darüber hinaus die Viruskrankheit Pseudomonas. „Betroffen sind zurzeit 26 Kastanien im Stadtgebiet“, sagt Marika Wieck. „Diese müssten schnellstens gefällt werden, damit sich die Krankheit nicht weiter verbreitet. Bereits entfernt wurden etwa 70 Fichten im Stadtwald, die vom Borkenkäfer befallen waren.“

Generell wünscht sich Uwe Wiek: „Es wäre zu überlegen, ob man nicht mehr blühende Flächen in der Stadt haben will.“ Die Gestaltung des Rathaus-Vorplatzes sei dafür ein gutes Beispiel. „Wir sollten den Anspruch haben, dass Kühlungsborn noch blühender wird. Das würde den Insekten und den Augen der Urlauber Gutes tun.“

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Von Cora Meyer

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