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Bad Doberan Stammtisch offenbart Gesprächsbedarf
Mecklenburg Bad Doberan Stammtisch offenbart Gesprächsbedarf
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05:48 30.01.2019
Blick auf die Kröpeliner Mühle. Hier fand die Stammtischrunde statt. Quelle: Thomas Hoppe
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Kröpelin

Veikko Hackendahl, der dem CDU-Gemeindeverband Kröpelin vorsitzt, freute sich, dass mehr Leute gekommen sind, als er erwartet hatte, auch wenn es weniger waren, als er erhoffte – wie er den dann folgenden rund zwei Stunden am Montag in der Mühle vorausschickte. „An diesem Abend wollen wir neben aktuellen kommunalpolitischen Themen auch über die bevorstehenden Kommunalwahlen sprechen“, hatte der Anwalt, der in seiner Freizeit auch Stadtvertretervorsteher ist, das Thema für die Teilnehmer des sogenannten kommunalpolitischen Stammtisches bereits in der öffentlichen Einladung vorgegeben.

16 Frauen und Männer – auch von anderen politischen Seiten – hatten sich schließlich an einem der beiden langen gedeckten Tische eingefunden. Auch wenn sie auf das Angebot der Gastgeber verzichteten, Bier, Wasser oder Saft zu trinken, wurde es keine trockene Zusammenkunft.

Schon der Blick auf die anstehenden „kommunalen Ziele“, den Hackendahl und Karin Reichler einleitend gaben – auch sie gehört dem derzeit sechsköpfigen CDU-Gemeindeverband an und sitzt zudem als ehrenamtliche Bauausschussvorsitzende in der Stadtvertretung –, hatte es in sich. Auch wenn die großen Vorhaben sicher schon vorher bekannt waren, doch jetzt konnten dazu solche Fragen beantwortet werden, wie sie Veikko Hackendahl zunächst in den Raum stellte: „Was macht Ihr da eigentlich jetzt? Warum macht Ihr das so, das macht doch gar keinen Sinn?“ So etwas wäre im Rahmen einer Bürgerfragestunde zur Stadtvertretersitzung – morgen findet übrigens die nächste statt – schwierig zu beantworten, „da diese Fragestunde nicht dafür gedacht ist, Dialoge zu führen und Einzelprobleme zu klären“.

Regionalschule ist nicht unmöglich

Die „Diskussionsgrundlage“ am Stammtisch spannte sich von der Wiederbelebung und dem Ausbau der Bahnhofstraße für insgesamt 1,2 Millionen Euro (dabei konnten schon drei Ampelanlagen und eine Stützwand eingespart werden), über den Abbau des Investitionsrückstaus auf dem Areal der Straße des Friedens, die Erstellung eines Flächennutzungsplans für bis hin zu der These, dass Kröpelin erneut Standort einer Schule bis Klasse 10 werden könne: „Es wird sich da nichts in den nächsten zwei, drei, vier Jahren etwas ändern, aber nachhaltig schon. Uns fehlen nicht allzu viele Kinder, um im Schulentwicklungsplan wieder eine Rolle spielen zu können“, meinte Veikko Hackendahl.

Karin Reichler: „Im November 2017 hatte die CDU beantragt, einen Flächennutzungsplan zu erarbeiten.“ Foto: OZ-Archiv

Auf Anhieb geriet der neue Flächennutzungsplan, für dessen Erarbeitung knapp 170 000 Euro vorgesehen sind, in den Fokus des Gepräches. „Wird uns das alles von außen von Stadtplanern vorgegeben?“ Es werde auch eine Bürgerbeteiligung geben und die Fachgremien seien beteiligt, bevor die Stadtvertreter vielleicht in zwei Jahren letztlich entscheiden, hieß es. „Müssen die vielen Garagenstellplätze von der Stadt vorgehalten werden, können die lange schon verlassenen Gartengrundstücke nicht Naherholungsfläche werden?“, hießen weitere Fragen.

Es kam der Hinweis, dass auf der Kröpelin-Seite im Internet immer noch stehe, das im Gewerbegebiet sechs Hektar Fläche frei seien, obwohl gerade gesagt worden war, dass fast alles belegt ist: „Auch solche Seiten müssten im Laufe der Jahre mal überarbeitet werden“.

„Mit Rumgeeiere wird das nichts!“

„Bereits 2017 hieß es, dass hier ein Flächennutzungsplan aufgesetzt wird. Seit September 2018 bin ich bei allen öffentlichen Sitzungen dabei und habe nicht den Eindruck, dass hier der Wille besteht, da was zu ändern. Kröpelin braucht endlich mal eine Vision, wo es hingehen soll. Mit diesem Rumgeeiere wird das hier nichts“, machte sich Ärger breit und spitzte sich zu: „Es gibt es keine Geschäfte mehr, keine Regionalschule, man kann nicht mal abends auf einen Absacker oder so irgendwo hingehen“.

„Künftig erhoffe ich mir von der Stadtvertretung, auch vom Stadtvertretervorsteher, klarere Ansagen“, lautete eine Bürgerbitte: „Es heißt immer, ,Wir kümmern uns’, ,Ja, wir machen, wir gucken mal’. Das ist nicht die richtige Art und Weise mit der Stadt umzugehen. Zahlen, Daten Fakten, Fristen und Termine, sonst kommen wir hier überhaupt nicht aus dem Quark.“ Das Abrechenbare fehle. Dazu gab es einen deutlichen Einspruch des Stadtvertretervorstehers: „Viele Maßnahmen sind doch im Haushalt verankert“.

Veikko Hackendahl: „Wir haben vor, zu diesem Stammtisch regelmäßig einzuladen.“ Quelle: Werner Lutz

Das Gesprächsangebot der Gastgeber wurde gut angenommen: „Beim Gemeindehaus in Diedrichshagen passiert seit April 2018 nichts“, „Ist die Verwaltung denn unterbesetzt?“, „Wo muss man sich da denn mal hinwenden?“, „An den Bürgermeister!“, „Warum werden bei Ausschreibungen nicht grundsätzlich auch die Firmen aus der Stadt und den Ortsteilen angeschrieben?“, „Die Kamp-Anlagen sind ja wirklich eine schöne Sache und seit 40 Jahren wurden endlich mal die Linden angefasst. Die Rampe ist ein vielleicht ein bisschen eng“, „Von der Hauptstraße 70 bis hoch zum Netto brauchen wir auf der Südseite einen Fahrradweg“, „Ich bin gegen Tempo 30, weil das den 1,6-fachen Abgasausstoß von Tempo 50 bedeutet“. Der jüngste Stammtischler griff derweil zu seiner mitgebrachten Redbull-Cola.

Andere Teilnehmer wurden auch so von den Themen beflügelt: „Können wir auch im Ausschuss etwas zum Thema sagen?“, „Können unsere Transportunternehmen nicht die Umgehungsstraße nutzen?“, „Gibt es für besondere Geburtstagsjubiläen keine Stadtpräsente mehr?“, „Ab wann brauchen wir keine Straßenausbaubeiträge mehr zahlen?“.

„Wir haben vor, zu diesem Stammtisch regelmäßig einzuladen“, betonte Veikko Hackendahl.

Thomas Hoppe

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