Streik in Bad Doberan: Alle Busse fielen aus
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Bad Doberan So lief der Bus-Streik in Bad Doberan
Mecklenburg Bad Doberan

Streik in Bad Doberan: Alle Busse fielen aus

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16:16 23.01.2020
Im Personennahverkehr ging am Donnerstag in Bad Doberan nichts mehr. Quelle: Cora Meyer
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Bad Doberan

Diesmal ging wirklich gar nichts mehr: In Bad Doberan war beim Streik des Linienverkehrs im Landkreis, am Donnerstag, auch der gesamte Schülerverkehr betroffen. In der vergangenen Woche hatten die Busfahrer in Bad Doberan schon einmal gestreikt, allerdings dauerte er damals nur ein paar Stunden und einige Busse fuhren durchgehend. Nun hatte die Gewerkschaft Verdi zum ganztägigen Ausstand aufgerufen.

Viele Eltern aus den umliegenden Orten bildeten Fahrgemeinschaften und brachten ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. „Wir haben uns mit drei Familien zusammengeschlossen“, sagt Bernd Tietböhl aus Elmenhorst. „Ich fahre ohnehin nach Heiligendamm, da liegt Bad Doberan auf dem Weg.“ Der Großvater eines anderen Kindes übernähme die Rückfahrt der Schüler. „Ansonsten wäre das gar nicht möglich gewesen.“ Der Streik sei eine zusätzliche Belastung für die Eltern. „Bis zu einem gewissen Grad habe ich aber Verständnis“, sagt der Vater. „Ich kenne die genauen Forderungen nicht, kann mir aber vorstellen, worum es geht.“ Auch Caroline Tomm, die ihren Sohn am Zob abliefert, kann den Ausstand der Busfahrer nachvollziehen. Sie kommt aus Hansdorf und wäre sonst erst später zur Arbeit gefahren. „Ich finde es okay, dass man für seine Sache kämpft.“ Über den Streik habe sie von anderen Eltern erfahren. „Jemand hat es in eine Chatgruppe eingestellt.“ Beim Warnstreik vor einer Woche hätten sich Eltern über Facebook für Fahrgemeinschaften verabredet.

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Schüler waren entschuldigt

Diejenigen, für die das nicht möglich war, waren entschuldigt. „ Bei uns fehlten 15 Prozent der 400 Schüler“, sagt Andreas Gesicki, Leiter der Regionalen Schule „Am Kamp“. Die Eltern seien über die Internetseite der Schule informiert worden. „Der Streik kam so kurzfristig, dass es anders nicht möglich war.“ In der Regel seien die Schüler morgens abgemeldet worden. Es reiche aber aus, wenn sie am Freitag eine schriftliche Mitteilung der Eltern abgeben. Auch am Friderico-Francisceum fehlten Schüler. Genaue Zahlen hatte man dort aber nicht.

Einige warteten vergeblich

Einige Fahrgäste wurden vom Streik überrascht. Julian Szewczyk wartete umsonst an der Haltestelle Am Buchenberg auf den Bus. „Jetzt muss ich zum Bahnhof laufen“, sagt er. Dadurch verpasse er jedoch in Rostock seinen Anschluss – der ja ebenfalls nicht fuhr. „Ich schaffe es nicht pünktlich zur Arbeit“, sagt Julian Szewczyk. „Ich muss da sofort anrufen.“ Vom Warnstreik vor einer Woche hatte er rechtzeitig erfahren. „Das war mein erster Tag bei der Arbeit, da habe ich ein Taxi genommen.“ Das sei ihm jedoch zu teuer. Für den Weg nach Rostock wählten die meisten die Bahn als Alternative. Taxiunternehmer Andreas Neumann verzeichnete nicht mehr Aufträge als sonst.

Anstelle eines Taxi hatte Bettina Benjes ihre Kinder angerufen. Sie ist unterwegs nach Nienhagen und lässt sich am Gymnasium abholen. „Ich habe eine Monatskarte und fahre fast jeden Tag. Heute mussten wir das anders organisieren.“ Vom Streik habe sie über die App von Rebus erfahren. Auch Bettina Benjes hat Verständnis für die Busfahrer. „Es ist völlig in Ordnung, wenn man für mehr Lohn kämpft.“

Der Betriebsrat des regionalen Busunternehmens fuhr am Morgen zum Betriebshof nach Rostock, um die Kollegen dort zu unterstützen. Die Gewerkschaft fordert unter anderem 2,06 Euro pro Stunde mehr für die Bus- und Straßenbahnfahrer. Den Arbeitgebern ist das zu viel.

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Von Cora Meyer