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Bad Doberan Wenn alles andere egal wird
Mecklenburg Bad Doberan Wenn alles andere egal wird
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20:09 28.02.2019
Mathias Marquardt (v.l.), Anja Trautmann und Jenny Trompler betreuen die Suchtberatungsstellen in Bad Doberan und Kühlungsborn. Quelle: Moritz Naumann
Bad Doberan

Seit 2001 gibt es in Bad Doberan und Kühlungsborn die evangelischen Suchtberatungsstellen. Mathias Marquardt, Anja Trautmann und Jenny Trompler begleiten hier Menschen, die es aufgrund einer Abhängigkeit schwer haben, freie Willensentscheidungen zu treffen und sich eine wesentliche Veränderung im Leben wünschen.

„Arbeitssucht, Eifersucht, Sexsucht: Sucht ist vielfältig“, sagt Anja Trautmann. Nach ihrer Erfahrung sei Sucht etwas Unkontrollierbares, etwas, was man schwer aus eigener Kraft bewältigen kann: „Sobald man wichtige Dinge wie soziale Kontakte, die Hobbys oder die Karriere für ein Suchtmittel vernachlässigt, wenn alles andere egal wird, ist es bedenklich.“ Die Rostockerin arbeitet seit 2013 in der Beratungsstelle in Bad Doberan. Nach einem Studium der Erziehungswissenschaft, Praktika in Suchtkliniken und einer Ausbildung zur Suchttherapeutin hilft sie Menschen in der Umgebung, die sich aus eigener Kraft nicht mehr helfen können.

Ein Ventil für den gesellschaftlichen Druck

Laut Trautmann und ihrer Kollegen sei ein steigender gesellschaftlicher Druck ein Auslöser, warum die Menschen häufig zu Suchtmitteln greifen. Gut zu beobachten sei dies in Kühlungsborn. „Vom Tellerwäscher bis zum Hoteldirektor: Die Leute kommen aus allen Hierarchien zu uns“, sagt Mathias Marquardt. Der 46-Jährige ist seit 2016 bei der evangelischen Suchtberatung in Kühlungsborn tätig. In dem Ostseebad seien es vor allem die Anforderungen im Hotelwesen, die die Menschen überfordern: „Es geht um Leistungsfähigkeit. Viele nehmen Tabletten und Aufputschmittel, um da zu bestehen.“

Im Schnitt seien die Betroffenen im Landkreis zwischen 35 und 55 Jahre alt. Etwa 180 Klienten werden in Bad Doberan, rund 100 in Kühlungsborn begleitet. Darüber hinaus nutzen auch viele Angehörige das Angebot der Beratungsstelle. „Sie sind ein wichtiger Bezugspunkt, bekommen Wesensveränderungen in der Regel als erstes mit und sind nicht selten der Grund, warum die Klienten bei uns landen“, sagt Trautmann. Ab 1. April bekommen Angehörige zudem einen besonderen Platz: „Wir bieten dann an jedem ersten Montag im Monat eine Angehörigensitzung an. Hier können sich Betroffene austauschen.“

Hauptproblem: Alkohol

Alkohol sei nach nach wie vor die häufigste Ursache dafür, dass Menschen die Suchtberatung aufsuchen. Quelle: dpa

Der häufigste Grund für den Beratungsbedarf? „75 Prozent der Leute kommen wegen Alkohol zu uns“, erklärt er. Danach folge Cannabis. „Gerade in Zeiten, wo über die Legalisierung der bewusstseinserweiternden Pflanze debattiert wird, scheint das Suchtmittel an Beliebtheit zu gewinnen. Es wird verharmlost.“ Darüber hinaus spielen aber auch Thematiken wie Mediensucht, Kaufsucht oder Spielsucht eine Rolle in der Arbeit der drei Berater.

Das Angebot der Beratungsstelle ist kostenlos und anonym. „Wenn Menschen verunsichert sind und eine Einordnung brauchen, können sie jederzeit zu uns kommen“, macht Mathias Marquardt deutlich. Das gehe über drei Wege: Persönlich, telefonisch, aber auch online. Möchte jemand das Angebot in Anspruch nehmen, folgt in der Regel ein Erstgespräch. „Dort erörtern wir das Problem: Wie oft und in welcher Menge werden etwa Alkohol, Cannabis oder Aufputschmittel konsumiert? Was möchte der Klient?“, erklärt Anja Trautmann. Ob man wirklich süchtig sei, könne man dann an sechs Kriterien prüfen: Toleranzsteigerung, Entzugserscheinungen, Verlangen, Kontrollverlust, Konsum trotz schädlicher Auswirkungen oder Vernachlässigung von Interessen: „Treffen drei der sechs Kriterien zu, spricht man von einer Suchtproblematik.“

Ambulante und stationäre Begleitung

Die Beratungsstelle bietet eine ambulante Therapie an. Diese beinhaltet ein wöchentliches Treffen mit einer Therapiegruppe und alle zwei Wochen ein Einzelgespräch: „Das sind insgesamt 40 Sitzungen in sechs bis neun Monaten.“ Doch die Beratungsstelle hilft nicht nur ambulant, sondern steht den Betroffenen auch zur Seite, wenn man einen stationären Therapieplatz benötigt. „Wir begleiten die Klienten von der Antragsstellung bis Therapiestart. Danach optional in ambulanter Nachsorge“, sagt Mathias Marquardt. In jedem Fall plädieren die drei dafür, sich mit dem Problem nicht einzumauern: „Viele sind erstmal entlastet, wenn sie sich hergetraut haben“, sagt Anja Trautmann. „Wenn der erste Schritt gegangen ist, wird es leichter.“

Die evangelischen Suchtberatungsstellen im Landkreis

Die evangelische Suchtberatungsstelle in Bad Doberan befindet sich im Haus der Horizonte in der Seestraße 13. Außer am Mittwoch sind die Berater werktägig per Mail oder Telefon zu erreichen. Termine können nach Absprache vereinbart werden. Tel.: 038203 - 77455 /www.suchthilfe-rostock.de/suchtber_doberan

Die evangelische Suchtberatungsstelle in Kühlungsborn befindet sich in der Dünenstraße 9. Dienstags und Donnerstags ist die Stelle besetzt. Termine außerhalb der Öffnungszeit sind nach Vereinbarung möglich. Tel.: 038293 - 7683 / www.suchthilfe-rostock.de/suchtber_kuehlungsborn

Moritz Naumann

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