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Bad Doberan Tal der Ahnungslosen: Doberaner haben acht Wochen keinen Fernseh-Empfang
Mecklenburg Bad Doberan Tal der Ahnungslosen: Doberaner haben acht Wochen keinen Fernseh-Empfang
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06:00 12.10.2019
Darum geht's: Anwohner Frank Löhnert zeigt das frisch reparierte Fernsehkabel, das jetzt lose und freigelegt am Mast hängt. Quelle: Lennart Plottke
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Bad Doberan

Frank Löhnert sitzt im Wohnzimmer und programmiert seinen Fernseher. „Ist ganz schön nervig“, sagt der Doberaner. „Aber immerhin geht das jetzt wieder – in den vergangenen acht Wochen hatten wir hier an der Nienhäger Chaussee überhaupt keinen TV-Empfang.“ Denn bei Bauarbeiten am benachbarten neuen Netto-Markt war offenbar das Fernseh-Kabel im Boden beschädigt worden. „Das war am 16. August“, sagt Löhnert und schüttelt den Kopf. „Seitdem war die Mattscheibe dunkel, niemand hat sich zuständig gefühlt – das muss man sich in der heutigen Zeit mal vorstellen.“

Dabei gehe es ihm in erster Linie gar nicht um sich, macht der 56-Jährige deutlich: „Ich bin aufgrund meines Jobs bei der Lufthansa oft unterwegs und nur sporadisch zu Hause – aber hier im Haus wohnen auch viele ältere Leute, die in ihrer Mobilität eingeschränkt und deshalb auf den Fernseher angewiesen sind.“ Auch seine Frau habe sich mehr schlecht als recht zu helfen gewusst, sagt Frank Löhnert: „Klar, es gibt den Computer, die Mediathek oder Youtube – aber irgendwann will man doch auch mal wieder normal fernsehen.“

Fernsehunternehmen stellt sich quer

Was ihn fast noch mehr ärgert: „Wir haben in unserer Not selbst nach Lösungen gesucht und wollten etwa in Eigenregie eine Satellitenschüssel anbringen“, erklärt Löhnert. „Dazu hatten sich sieben Mietparteien zusammengeschlossen – blöd nur, dass wir dazu an den Haupt-Kasten im Keller mussten.“ Denn dieser Kasten war verschlossen – „und auf Nachfrage wurde uns vom Fernsehunternehmen Pÿur auch kein Schlüssel zur Verfügung gestellt“.

Selbsthilfe: Einige Mieter haben sich mittlerweile ihre eigenen Satellitenschüsseln angebaut. Quelle: Lennart Plottke

Auch die Ankündigung, den Kasten notfalls aufzubrechen, habe keine Wirkung gezeigt, so Löhnert: „Im Gegenteil – uns wurde mit einer Anzeige gedroht.“ Einige Mieter hätten daraufhin die Nerven verloren und sich auf ihren Balkonen eigene Satellitenschüsseln angebaut. „Aber wie sieht das denn jetzt aus?“, fragt Frank Löhnert und zeigt auf die Hausfassade. „Ist ja fast so wie in den 1980ern, als wir alle West-Fernsehen gucken wollten.“

Sorge vor Vandalismus

Doch nach Wochen und Monaten vergeblicher Nachfragen und jeder Menge Frust ging jetzt plötzlich alles ganz schnell: „Eine Nachbarin hat beobachtet, wie die Baufirma Anfang dieser Woche mit einem Bagger angerückt ist, an der betreffenden Stelle gebuddelt und das Kabel offenbar wieder repariert hat“, sagt Frank Löhnert. Das Problem: „Ein Kabel-ende hängt jetzt ganz freigelegt am Mast. An dieser Stelle kann jeder vorbeigehen – das geht gar nicht.“ Denn in diesem Zustand sei möglichen Vandalen Tür und Tor geöffnet: „Da muss nur mal einer mit dem Bolzenschneider ran – und der ganze Ärger fängt von vorn an.“

Und auch, wenn er jetzt endlich wieder störungsfrei fernsehen könne – damit sei es aus seiner Sicht längst nicht getan: „Dass wir für die vergangenen zwei Monate keine Gebühren bezahlen, ist sowieso klar – aber ich würde schon erwarten, dass sich das Fernsehunternehmen in irgendeiner Form bei uns meldet.“ Dabei verlange er gar keine hochtrabenden Entschuldigungen oder gar Entschädigungen, stellt Frank Löhnert klar: „Aber so eine kleine Geste der Wiedergutmachung – das wäre doch das Mindeste.“

Das Fernsehunternehmen Pÿur war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Von Lennart Plottke

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