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Bad Doberan Tarnow-Enkelin lobt Kröpeliner Bühne
Mecklenburg Bad Doberan Tarnow-Enkelin lobt Kröpeliner Bühne
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18:46 29.04.2019
Tarnow-Enkelin Thea Krauß-Tarnow am Lehrertisch von Köster Klinckermann alias Hans-Peter Hahn (r.) mit Musiker Peter Körner (l.). Quelle: Thomas Hoppe
Kröpelin

„Mötst di nich argern, is Unrecht di dahn. Haug mal up'n Disch un gliek is't vergahn. Kort is dien Läben, un lang büst du dod. Minsch, blot nich argern, ne, lachen deiht gaud!“*

Mit diesen Zeilen aus einem bekannten Gedicht des mecklenburgischen Schriftstellers Rudolf Tarnow (1867 -1933) beendeten Hans-Peter Hahn und Peter Körner am vergangenen Sonntag vor der Zugabe ihr Kröpeliner Köster-Klickermann-Programm. Da lagen hinter dem Publikum im Kulturbahnhof an den Gleisen der Regionalbahn von Tessin nach Wismar zwei unterhaltsame und vor allem zwei lustige Stunden. Unter den Gästen weilte auch die Dichter-Enkelin Thea Krauß-Tarnow aus Travemünde.

Tarnow-Enkelin sprichtnicht viel Plattdeutsch

„Ich habe sehr genossen, dass ich hier sein durfte“, sagte sie vor den rund 40 Gästen des kurzweiligen Nachmittags. Die Tochter von Rudolf Tarnow – nach Walter und Elsbeth das dritte Kind vom in Parchim geborenen niederdeutschen Autor gleichen Vornamens – hatte die beiden Bühnenkünstler vor anderthalb Jahren gemeinsam mit ihrer Tochter, ihrem Sohn und Schwiegersohn bei einem Auftritt in Rostock-Lichtenhagen erstmals erlebt. „Danach sah ich mir etliche Programme an, auch bereits einmal die Kästner-Tucholsky-Aufführung hier in Kröpelin“, erinnerte sich die heute 75-Jährige: „Ich bin Fan von Hans-Peter Hahn und den Körners geworden.“

Tarnow-Nachmittag in Kröpelins Kulturbahnhof mit Hans-Peter Hahn und Peter Körner. Quelle: Thomas Hoppe

Doch nicht nur die Gattin von Peter Körner Ingrid wunderte sich, dass die Enkelin des mecklenburgischen Heimatdichters Rudolf Tarnow kein Plattdeutsch spricht: „Ja, ich muss sagen, dass ich leider nicht viel Plattdeutsch sprechen kann. Mein Vater hatte damals eine Frau aus Magdeburg geheiratet, wo ich auch aufwuchs. Zwar wollte meine Oma, dass ich für ein Jahr nach Schwerin komme, um Platt zu lernen, aber das hatte meine Mutter dann verboten. Vater war im Krieg gefallen“, erzählte Thea Krauß-Tarnow der OZ. Aber mittlerweile habe sie sich ins Mecklenburger Platt hineingehört – das Holsteiner verstehe sie dagegen gar nicht, wie sie betonte.

„Mein Großvater war ein Kind seiner Zeit“

Als 25-Jährige hatte die Magdeburger Medizinisch-Technisch-Assistentin in den Westen Deutschlands geheiratet, wohnte lange Zeit in Eutin, wo sie auch schon einmal Besuch von Arnold Hückstädt bekam, dem langjährigen Direktor des Fritz-Reuter-Literaturmuseums Stavenhagen. Opa Rudolfs Gedicht „Ein Randewuh im Rathaus zu Stavenhagen“ war immerhin anlässlich der Grundsteinlegung des Reuterdenkmals in Stavenhagen 1910 im Fundament vermauert worden.

Mittlerweile hat sich Thea Krauß-Tarnow immer mehr mit den Büchern ihres Großvaters beschäftigt, auch kritisch: „Er hat ja in ,Burrkäwers’ (sechs Bände, 1911-18) sehr viele Verherrlichungen des Krieges geschrieben. Das finde ich nicht gut. Aber mein Großvater, wie mein Vater auch, sind Kinder ihrer Zeit gewesen.“ Die Enkelin fand in den Erstausgaben der Bücher ihres Opas zudem zahlreiche „unschöne Anmerkungen“ des Autoren. Tarnow hätte damit manchmal noch einen auf seine Kriegsverherrlichungen draufgesetzt, deutete sie an.

Ursula Rockstroh: „Ich lebe das Plattdeutsche! Für mich ist das heut ein großer Tag.“ Quelle: Thomas Hoppe

Doch im Kröpeliner Programm ging es vor allem um die humorvollen, aus dem Leben gegriffenen Geschichten, mit denen Rudolf Tarnow die kleinen und großen Schwächen seiner Mitmenschen auf die Schippe nahm. „Köster Klickermann“ war 1921 erstmals erschienen.

So eine Bühne, wie hier im Kröpeliner Bahnhof, wo der Verein „De Drom“ seit Jahren zu den verschiedensten Kunst- und Kultur-Events einlädt, finde sie natürlich gut, unterstreicht sie gegenüber der OZ: „Ich finde diese Idee, hier der Kultur eine Bühne zu geben, wunderbar! Ich würde mir auch wünschen, dass es dafür mehr Unterstützer gibt, damit es hier weiter vorangeht. Obwohl dieser Veranstaltungsraum schon einen besonderen Charme hat.“

„Dat ich datt noch erläben kann! Ich habe Tarnow viele Jahre gelesen und lebe diese Mundart“, freute sich Ursula Rockstroh (85) aus Bad Doberan in Kröpelin: „Neben Hans-Peter und Körner nun noch die Enkelin von Rudolf Tarnow! Für mich ist heut ein großer Tag.“

* „Musst dich nicht ärgern, ist Unrecht dir getan worden. Hau mal auf den Tisch und gleich ist es vergangen. Kurz ist dein Leben, und lang ist dein Tod. Mensch, bloß nicht ärgern, nein, lachen tut gut!“ (Rudolf Tarnow)

Thomas Hoppe

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