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Bad Doberan Töpferlehrling wurde in Glashagen zum Ton
Mecklenburg Bad Doberan Töpferlehrling wurde in Glashagen zum Ton
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19:00 30.09.2019
Drei Jahre lang lernte Emmeli Hammer (Mitte) in der Töpferei Jung in Glashagen. Traditionell wird der Lehrling am Ende der Ausbildung mit Ton getauft. Quelle: Sabine Hügelland
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Glashagen

Mit nackten Füßen drehte Emmeli Hammer die Töpferscheibe. „Normalerweise benutzen die Lehrlinge eine elektrisch betriebene“, sagte Vivian Jung, die im Garten der Töpferei Jung die Lehrlingstaufe fotografisch begleitete. Ihr Mann, Töpfermeister Joachim Jung, schaute genau hin, wie sich sein 20-jähriger Lehrling anstellte.

In Glashagen erlebte Lehrling Emmeli Hammer die gleiche Behandlung wie ihr Material.

„Drei Gefäße werden heute gedreht und jeder Ballen wird um 500 Gramm schwerer sein als der vorherige“, sagte er. Es regnete immer stärker und Frida Jung hielt einen Schirm über Emmeli, denn die Trampelscheibe auf der sich die Füße bewegten, durfte nicht allzu nass werden, ebenso wenig der zu formende Ton. Immer besser beherrschte der Lehrling die ursprüngliche Arbeitsweise an der fußbetriebenen Töpferscheibe. Am Ende und mit einer kleinen Hilfe des Meisters entstand eine vasenähnliche Form. An die 15 Gäste sahen ihr dabei zu.

„Das ist schon ein Erlebnis, das man nicht vergisst“, sagte die Urlauberin Lydia Schatt aus Baden-Württemberg. „Ein toller Brauch. Ich habe richtig Lust bekommen, hier einen Kurs zu belegen.“ Aus Satow kam Karin Taugerbeck: „Das sieht ganz schön schwer aus“, sagte sie. Den zweiten Tonballen übernahm der Meister selbst. „Ich arbeite damit auch auf Märkten und bin es von daher gewohnt“, sagte Joachim Jung. Ein hohes Gefäß entstand unter seinen Händen mit einer kompliziert herzustellenden Öffnung.

Gesellin wird symbolisch gebrannt

Danach galt es für Emmeli Hammer, den größten Klumpen Ton zu formen. Und während sie arbeitete, landeten ohne Vorwarnung eimerweise Tonschlicker auf ihrem Körper und dem Gesicht – zur Freude der Zuschauer, die auch einige Spritzer abbekamen. Joachim Jung griff sich einen Tonstrang und formte daraus einen Henkel, den er Emmeli Hammer auf Hals und Rücken platzierte. Anschließend bemalte er sie. So wurde aus dem Lehrling ein Gefäß, das durch die Wärme am Lagerfeuer einem symbolischen Brand erhielt.

Die traditionelle Gesellentaufe in der Töpferei Jung bildet den Abschluss der dreijährigen Ausbildung. „Damit er die Materie wirklich versteht, soll ihm bei der Taufe die gleiche Behandlung zuteilwerden wie dem Ton. Der Lehrling wird also selbst zum Ton, geknetet, gedreht, bekommt Henkel, wird bemalt und gebrannt. Auch muss er im Verkaufsraum auf den Käufer warten“, so der Töpfermeister. Es war wohl eine der letzten Töpfertaufen dort. „Möchte man als Keramiker nicht ein Leben mit Zweiteinkommen fristen, bedarf es spezieller Kenntnisse und Fähigkeiten, denn das Herstellen von Geschenkartikeln ernährt seinen Hersteller nicht“, sagte er. „Geschirr sollte alltagstauglich sein und funktionelle Eigenschaften besitzen, die denen von ähnlich gearteten Industrieprodukten qualitativ weit überlegen sind. Und das eben nicht nur, weil die Keramik schön aussieht oder handgemacht ist, sondern weil sie besondere Funktionen besitzt.“

Mindestlohn bremst Ausbildung aus

Vor dem Zweiten Weltkrieg dauerte die Töpferlehre sieben Jahre. „Das bedeutet nicht, dass die Auszubildenden heute gelehriger oder intelligenter sind“, sagte er. Gute Motivation und Durchhaltevermögen sind vonnöten. „Da für zufriedenstellende Ergebnisse jahrelanges Üben notwendig ist. Das ist unumgänglich, soll ein Lehrling gut ausgebildet werden und als Geselle hohen handwerklichen Ansprüchen genügen können“, so Jung. Während der Lehre kann er jedoch kaum etwas zur Produktion beitragen. „Die beschlossene Mindestentlohnung von Lehrlingen, die 2020 in Deutschland in Kraft tritt, zeugt von lebensfremder und wirtschaftlich inkompetenter Denkweise der Gesetzgeber“, gibt er zu bedenken. „Kleine, vor allem solche Handwerksbetriebe wie Keramikwerkstätten, werden keine Lehrlinge mehr ausbilden können, was dazu führt, dass das Wissen nicht weitergegeben wird, Berufe und ganze Branchen ausgerottet werden.“

Von Sabine Hügelland

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