Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Treffen mit Doberaner Senioren: Arenz spricht Klartext
Mecklenburg Bad Doberan Treffen mit Doberaner Senioren: Arenz spricht Klartext
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 13.09.2019
Freuten sich über die angeregte Gesprächsrunde im Doberaner Rathaus: Bürgermeister Jochen Arenz und Marianne Böcken­hauer, Vorsitzende des Seniorenbeirates. Quelle: Lennart Plottke
Anzeige
Bad Doberan

Es ist schon zur guten Tradition geworden, die Seniorenfesttage in Bad Doberan mit einer gemeinsamen Gesprächsrunde im Rathaus ausklingen zu lassen. Bürgermeister Jochen Arenz hatte in den großen Ratssaal eingeladen – und rund 50 interessierte Einwohner waren gekommen, um sich zu Themen aus der Stadtpolitik auf den neuesten Stand bringen zu lassen. Dabei nahm Arenz von Beginn an kein Blatt vor den Mund. „Die Situation rund um das alte Moorbad ist unsäglich“, meinte das Stadtoberhaupt. „Seit Jahren verfallen die Gebäude und das Gelände immer mehr – und Investor David Corleis kommt hier einfach nicht aus den Puschen.“

Ob altersgerechte Wohnungen, Hotel oder Schwimmbad – „bislang wurde davon nichts realisiert“, so Arenz. Dabei habe es immer mal wieder Interessenten gegeben, die das Areal tatsächlich wiederbeleben wollten: „Erst kürzlich wollte hier jemand eine Klinik bauen – aber es wurden Preise aufgerufen, die keine wirtschaftliche Entwicklung möglich machen.“

Altes Moorbad: Stadt setzt Frist bis Jahresende

Immerhin habe Corleis jetzt ein Büro mit der Vermarktung des Grundstücks beauftragt, sagte Arenz und stellte klar: „Die Stadt hat dem Investor bis Ende des Jahres Zeit gegeben, endlich ein tragfähiges Konzept vorzulegen, wie mit dem Moorbad weiterverfahren werden kann – wenn sich dann wieder nichts getan hat, werden wir eine härtere Gangart einlegen.“

In diesem Zusammenhang wiesen die Gesprächsteilnehmer auf zwei weitere „Ruinen“ in der Stadt hin. „Das marode Haus am Maxim-Gorki-Platz wurde vor etwa acht Wochen an einen Investor aus Rostock verkauft“, freute sich Arenz. „Da dürfte die Sanierung bald losgehen.“ Bei einer anderen Dauerbaustelle sehe es ein wenig anders aus: „Ich weiß, das ‚Loch‘ an der Marktstraße bewegt die Gemüter – aber Kinder, da müsst ihr einfach mit leben.“

Seit gut 20 Jahren gibt es die große Baugrube mitten in der Innenstadt. Bäume und Gras wachsen darin. Nicht ganz fertige Mauern, aus denen Rohre ragen, zeigen, wo einst ein Haus geplant war. Doch das Loch gilt immer noch als Baustelle – weil regelmäßig ein kleines Stück Mauer hinzufügt wird. „Wenn der Eigentümer auch nur einen neuen Stein auf den anderen setzt, hat er nach dem Gesetz weitergebaut“, erklärte Jochen Arenz. „Da kann die Stadt nichts machen.“

Bauruine an der Marktstraße bleibt Ärgernis

Sein Vorschlag, das verfallene Gemäuer als „Unikum“ und mit Humor zu nehmen, kam bei Doberans Senioren weniger gut an. Deshalb versprach Arenz, sich beim Eigentümer persönlich vorzustellen und bei einem Kaffee das Gespräch zu suchen.

„Ein großer Segen für die Innenstadt“ sei hingegen der geplante Baumwipfelpfad nordöstlich der Landesstraße 12 im Bereich Großer Wohld, sagte Doberans Bürgermeister: „Das bringt uns jährlich 150 000 bis 180 000 Besucher – wenn die Stadtvertretung zustimmt, könnte der Bau mit ganz viel Glück schon im kommenden Jahr losgehen.“

Nicht ganz so glücklich sind die älteren Doberaner mit der Taktung des Citybusses im Kammerhof – lediglich einmal morgens und abends wird das Wohngebiet aktuell angefahren. „Der Citybus ist defizitär“, machte Jochen Arenz deutlich. „AWG, Wig und Stadt geben jährlich schon jeweils 4000 Euro dazu, damit Rebus nicht zu viel Minus mit der Linie 124 macht.“ Dennoch: Der Seniorenbeirat werde Rebus-Geschäftsführer Thomas Nienkerk möglichst noch in diesem Jahr einladen, um über Verbesserungsmöglichkeiten bei der Fahrplangestaltung zu sprechen, versprach die Vorsitzende Marianne Böcken­hauer.

Großer „Hochwasser-Gipfel“ am 28. September

Apropos einladen: „Am 28. September wird es im Festsaal der Kreisverwaltung einen großen ‚Hochwasser-Gipfel‘ geben“, kündigte Jochen Arenz an. „Bei dieser Einwohnerversammlung soll ab 10 Uhr das neu entwickelte Hochwasser-Konzept für Bad Doberan vorgestellt werden.“ Darüber hinaus ist auf dem Kamp eine Messe mit Versicherungen, Firmen, dem Technischen Hilfswerk und der Feuerwehr geplant.

Ein Dauerbrennpunkt nicht nur für Doberans Senioren ist auch die unbefriedigende Radwegsituation in der Stadt. „Im kommenden Jahr ist die Sanierung und die Beleuchtung des Fahrradweges an der Dammchaussee geplant, der dann bis zur Alleeapotheke verlängert werden soll“, hatte Arenz hier gute Nachrichten im Gepäck.

Weniger gut sehe es aktuell bei der vorgesehenen Versetzung des Ortsausgangsschildes auf der Dammchaussee Richtung Umgehungsstraße aus: „Dieses Vorhaben hat der Landkreis erst mal abgelehnt – aber da werden wir in Widerspruch gehen.“ Denn in der Folge würde in diesem Bereich Tempo 50 wie auf einer innerörtlichen Straße gelten, so Arenz: „Das wäre für die Anwohner nicht nur ruhiger, die Fahrradquerung wäre auch viel sicherer.“

Beirat bekommt Rederecht in der Stadtvertretung

Eines wurde bei der Gesprächsrunde im Rathaus deutlich: Bei diesen und vielen weiteren Themen wollen die Senioren in der Münsterstadt mehr mitreden. Dass ein Mitspracherecht nicht nur bloße Theorie ist, solle künftig auch wieder öffentlich besser sichtbar werden, betonte Doberans Bürgermeister: „Genau wie unserem Kinder- und Jugendbeirat möchte ich auch dem Seniorenbeirat in der Versammlung der Stadtvertreter ein Rederecht einräumen – die Mitglieder bekommen dazu sämtliche Beschlussvorlagen, können ihr Votum abgeben und werden so viel stärker mit einbezogen.“

Elf Mitglieder sind im Seniorenbeirat Bad Doberan aktiv. Das Gremium kümmert sich um die Belange der älteren Menschen in der Münsterstadt, organisiert Veranstaltungen und hält den Kontakt zur Stadtverwaltung.

Höhepunkt in jedem Jahr sind die Seniorenfesttage, bei denen innerhalb von zwei Wochen mehrere Veranstaltungen angeboten werden.

Einmal im Monat trifft sich der Beirat mit der Stadtverwaltung, um aktuelle Vorhaben abzusprechen. So werden monatlich das Seniorenfrühstück und ein Spielenachmittag organisiert, findet die Plattsnacker-Runde statt.

Um darüber hinaus auch weiterhin Geld für Geburtstags-Blumen sowie die Organisation der Weihnachtsfeier zur Verfügung zu haben, hat die Stadt den Etat für den Seniorenbeirat im kommenden Jahr auf 4000 Euro verdoppelt.

Lesen Sie auch:

Beirat in Bad Doberan engagiert sich für Menschen mit Handicap

Von Lennart Plottke

Von der Ostsee an die Nordsee: Seit Mittwoch ist eine Lok der Mecklenburgischen Bäderbahn Molli GmbH in Borkum. Am Sonnabend, 14. September, wird sie erstmals offiziell zwischen Bahnhof und Hafen fahren. Am Donnerstag gab es schon mal eine Probefahrt, um Bremswege und Strecke kennenzulernen.

12.09.2019

Vor der ersten offiziellen Fahrt am Sonnabend auf Borkum ging es für die Dampflok der Mecklenburgischen Bäderbahn Molli schon mal vom Bahnhof zum Hafen und zurück. Dabei wurde unter anderem auf Bremsweg und Haltepunkte geachtet. Eigentlich fährt die Lok zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn.

12.09.2019

Vom 14. bis 22. September fährt die Molli-Lok auf der Nordseeinsel Borkum. Am Donnerstag wurde die Dampflok vom Tieflader aufs Gleis gebracht. Dafür musste extra eine Rampe gebaut werden.

12.09.2019