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Bad Doberan Trotz 0:8: Doberaner FC feiert großes Fußballfest
Mecklenburg Bad Doberan Trotz 0:8: Doberaner FC feiert großes Fußballfest
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20:41 06.09.2019
Hansa-Stürmer Pascal Breier, der hier zum 0:2 trifft, erzielte in der ersten Halbzeit vier Tore. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Bad Doberan

Gut 2500 Fans, kleine Steh-Tribünen, abgesperrte Straßen – so einen „Ausnahmezustand“ hat der Doberaner FC noch nie erlebt. „Kein Wunder“, sagt Steffen Broich und lässt seinen Blick über den proppenvollen Sportplatz am Busbahnhof schweifen. „Ist für uns ja auch das ,Spiel des Jahrhunderts'.“ Denn in der zweiten Runde des Fußball-Landespokals MV bekommen es die Münsterstädter an diesem Freitagabend mit dem „großen“ FC Hansa Rostock zu tun. Wobei: „So groß sind die nun auch nicht mehr“, meint Broich, der aus dem Ostseebad Nienhagen angereist ist, und lacht. „Die Bundesliga-Zeiten sind doch längst vorbei.“

„So groß ist Hansa nun auch nicht mehr – die Bundesliga-Zeiten sind doch längst vorbei.“ Steffen Broich, Ostseebad Nienhagen Quelle: Lennart Plottke

Dennoch: Wenn ein Siebtligist gegen einen Drittligisten antritt, sind die Rollen eigentlich klar verteilt. „Ich hoffe, dass wir die erste Viertelstunde ohne Gegentor überstehen“, sagt Doberans Bürgermeister Jochen Arenz vor dem Anpfiff. „Und die Jungs sollten wenigstens ein Tor schießen – mein Tipp: 1:6.“ Beide Wünsche gehen letztlich nicht in Erfüllung: Denn der haushohe Favorit siegt standesgemäß mit 8:0.

Erstes Tor fällt schon nach zwei Minuten

Dabei platzt der Matchplan, den sich der Landesligist zurecht gelegt hatte, bereits nach zwei Minuten. Pedersen hat beim 0:1 keine Mühe, nachdem Korbinian Vollmann den Doberaner Torhüter Sven Scheibner abgeschüttelt und dem 22-jährigen Dänen den Ball zugeschoben hatte.

Eigentlich wollen die Amateure aus der Münsterstadt, die allesamt einen Arbeitstag hinter sich haben, die Profis mehr stören, mehr ärgern, gern auch ein Tor erzielen. Ihre Hoffnung, Heim- und Platzvorteil zu nutzen, geht nicht auf. Im ersten Pflichtspiel, das die Rostocker in ihrer langen Vereinsgeschichte auf Kunstrasen bestreiten, bleibt eine Überraschung aus.

Volles Haus: Gut 2500 Zuschauer wollten die Landespokal-Partie auf dem Sportplatz am Busbahnhof sehen. Quelle: Dietmar Lilienthal

Die Sympathien der Zuschauer liegen von Beginn an klar auf der Seite des krassen Außenseiters, der normalerweise vier Ligen unterhalb von Hansa gegen Teams aus Bentwisch, Carlow, Plate oder Graal-Müritz auf Punktejagd geht. Jeder gelungene Pass, jeder gewonnene Zweikampf wird von den Besuchern und den DFC-Betreuern mit Applaus bedacht. Nicht auszudenken, was los gewesen wäre, wenn der Fernschuss von Felix Engert in der 14. Minute im Kasten der Hanseaten eingeschlagen hätte.

Emotionaler Höhepunkt kurz vor Schluss

Nach einem Hattrick von Pascal Breier ist bereits nach einer halben Stunde die frühe Vorentscheidung gefallen. Spannend wird es im Anschluss nicht mehr – dafür emotional. Unmittelbar vor Spielende schick DFC-Trainer Ronny Susa Tino Capito aufs Feld. Eigentlich ist der 40-Jährige, viele Jahre Kapitän der Münsterstädter, nicht einsatzfähig – Kreuzbandriss. „So bitter, dass ich mich vor diesem grandiosen Spiel verletzt habe“, hadert Capito, der seit seiner Kindheit das Trikot der Doberaner trägt.

Einen großen Auftritt hatten auch die D- und E-Junioren, die mit den Mannschaften einlaufen durften. Quelle: Dietmar Lilienthal

Bei seiner Einwechslung hat er Tränen in den Augen. Seine Mannschaftskameraden nehmen ihn in den Arm, die Zuschauer sind gerührt – Gänsehaut-Atmosphäre. „Ich wollte ihm dieses besondere Karriereende unbedingt ermöglichen. Er hat es sich so sehr verdient“, meint Trainer Susa.

Mammutaufgabe für freiwillige Helfer

Für den Doberaner FC ist die Partie gegen den FC Hansa nicht nur deshalb ein Festtag. „Die Anspannung ist immer noch da“, gibt Clubchef Andreas Jahncke unmittelbar nach Spielende zu. Denn Vorfreude und Aufwand waren enorm. „Etwa 40 fleißige Helfer haben sich darum gekümmert, dass die Fans das Spiel und das Drumherum genießen können“, macht Jahncke deutlich. „Alles freiwillig und ehrenamtlich – genauso wie bei unseren anderen großen Veranstaltungen, dem Budenzauber im Winter oder den Sommerturnieren für die Kinder.“

„Hier spielen Drittliga-Profis gegen Leute, die Freitagnachmittag von der Schicht gekommen sind.“ Andreas Jahncke, Vorsitzender Doberaner FC Quelle: Dana Frohbös

Zudem hat der DFC in den vergangenen Jahren viel in die Infrastruktur investiert. Der Kunstrasen wurde saniert, der erste Teil des Vereinsheims steht, der zweite wird gerade gebaut. Und das nächste Projekt wird bereits geplant: die Flutlicht-Umrüstung auf LED-Technik. Bei allen Maßnahmen haben die Vereinsmitglieder tatkräftig mit angepackt.

Etwa eine viertel Stunde nach dem Schlusspfiff ist auch Andreas Jahncke schon ein bisschen entspannter. „Hat doch alles geklappt“, sagt der DFC-Chef erleichtert. Auch das Ergebnis gehe letztlich in Ordnung: „Hier hat ein Drittligist mit Profifußballern gegen Leute gespielt, die Freitagnachmittag von der Schicht gekommen sind – wenn man da keinen großen Unterschied gesehen hätte, wär’s schon komisch gewesen.“

Doberaner FC: ScheibnerHarting (56. Koslowski), Baor, Dowe, Garske (75. Wähnke) – Reinisch, Wiencke, Eulner, LauensteinEngert (89. Capito), Grenz.

FC Hansa Rostock: Sebald – Ahlschwede, Sonnenberg, Reinthaler, Neidhart – Öztürk, Hildebrandt – Omladic, Vollmann (46. Verhoek), Pedersen (70. Ramaj) – Breier (46. Königs).

Tore: 0:1 Pedersen (2.), 0:2, 0:3, 0:4, 0:5 Breier (11., 20., 27., 37.), 0:6, 0:7 Verhoek (48., 60.), 0:8 Reinthaler (76.). Zuschauer: 2570 (ausverkauft).

Von Lennart Plottke und Christian Lüsch

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