Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Auf den Spuren deutscher Vorfahren
Mecklenburg Bad Doberan Auf den Spuren deutscher Vorfahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:06 20.06.2019
Pamela Yeager (mit Lupe) ist ergriffen. Bürgermeister Manfred Wodars (r.) übergab ihr die Kopie eines 200 Jahre alten Vermerks zur Taufe ihrer Ururur-Großmutter. V.l.: Thomas Menski, Ute Mehlhorn, Pamela sowie die Töchter Jennifer und Dierdre. Quelle: Thomas Hoppe
Anzeige
Alt Bukow

Pamela Yeager kommen die Tränen, als sie an diesem Donnerstagvormittag am Taufbecken der Alt Bukower Kirche steht und mit einer Lupe die Kopie eines 200 Jahre alten Kirchenbucheintrags betrachtet.

Der Ausdruck, den Bürgermeister Manfred Wodars aus Schwerin besorgt hat, belegt die Alt Bukower Taufe von Pamelas Ururur-Großmutter, Anna Caroline Christine Ahrens, die im August 1817 in Vogelsang geboren worden war. Er hätte auch gern Annas Hochzeit mit Johann Levtzow dokumentiert, sagt Manfred Wodars, aber solche Urkunden sollen erst ab dem Jahr 1876 archiviert worden sein.

Anzeige

„Es ist so wundervoll!“

„Es ist so wundervoll“, freut sich die heute 74-jährige Pamela Yeager und erklärt, dass es für sie ein Lebenstraum gewesen sei, sich auf die Spuren ihrer deutschen Vorfahren zu begeben. Bereits vor vier Jahren hätte sie extra eine Ausbildung in Sachen Familienforschung absolviert.

Sie hätte schon immer ihre deutsche Seite gefühlt und ihr Urgroßvater sprach sogar nur deutsch – was sie damals aber nicht verstanden hätte, übersetzt Ute Mehlhorn. Die Suhlerin dolmetscht für „The German American Connection“ bei privaten Touren in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie hatte Pamela und ihre Töchter Dierdre Finch (52) aus Toquerville (US-Bundesstaat Utah) und Jennifer Yeager (46) aus Roscoe (Illinois) vom Hamburger Flughafen abgeholt und begleitet sie nun, bis die drei Amerikanerinnen nach Paris weiterfliegen – dort gebe es aber keine familiären Wurzeln, ergänzen sie noch.

Wie Pamela Yeager zur OZ sagt, sei sie auch in Janesville, im Bundesstaat Wisconsin, gewesen. Dorthin war der zweite Sohn von Anna Ahrens im Jahr 1876 gemeinsam mit seiner Frau und drei Kindern ausgewandert.

Über diese Familiengeschichte finden sich im Internet sogar allerhand Zuarbeiten des Stäbelowers Sebastian Masch und vom Ex-Kühlungsborner Dirk Westendorf, der heute in Zossen als Archäologe beim Brandenburgischen Landesdenkmalamt arbeitet.

„Über zehn Ecken“ verwandt

Beide Männer sagen, dass sie „über zehn Ecken“ mit dieser Familie Levtzow/Ahrens verwandt seien. Die zehn A4-Seiten über die Vorfahren von Johann Levtzow und zwölf Seiten über dessen Nachkommen, die Dirk Westendorf zusammenstellte, haben jetzt auch Pamela Yeager und ihre Töchter im Reisegepäck. Dazu packt Alt Bukows Bürgermeister Manfred Wodars dann noch zwei Landkarten, eine aktuelle mit Vogelsang und Alt Bukow, sowie eine historische – „zur besseren Orientierung“ – , das 2004 erschienene Gernot-Knuth-Buch „Alt Bukow und seine Nachbardörfer“, große folierte Bilder sowie eine große Alt-Bukow-Fahne. Er finde es halt „eine tolle Sache“, dass Leute „um die halbe Welt reisen, um zu ihren Wurzeln zu kommen“.

„Das ist der freundlichste Platz, wo ich jemals war!“

„Das ist der freundlichste Platz, wo ich jemals im Leben war!“, antwortet Jennifer Yeager beeindruckt und bewertet auf eine entsprechende Frage auch ihr Quartier für vier Tage in der Münsterstadt, den „Doberaner Hof“: „I love it! Perfect.“

Da sitzt die kleine Runde bereits zufrieden im Alt Bukower Hotel Schmidt und prostet sich mit Sekt oder Wasser gemeinsam zu. Auch der Volksvertreter Thomas Menski ist dabei, der den Gästen über die Regionalgeschichte in perfektem Englisch berichtet – immerhin wohnte und arbeitete er sieben Jahre in London.

Falken auf dem Dach der Dorfkirche Quelle: Thomas Hoppe

Die Erinnerungsfotos schießt Gemeindearbeiter Dieter Probst. Er hatte zuvor die Familienforschergruppe auf die sechs Falken aufmerksam gemacht, die wie zur Begrüßung der Gäste aus Übersee auf dem Dach der Dorfkirche rasteten, ganz in der Nähe ihres Nestes.

In der europäischen Mythologie sollen diese Vögel ja auch als Vermittler zwischen dem Diesseits und dem Jenseits gelten.

Thomas Hoppe

23.06.2019
20.06.2019