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Bad Doberan Übung im Münster: Doberaner Feuerwehr überprüft Brandschutz
Mecklenburg Bad Doberan Übung im Münster: Doberaner Feuerwehr überprüft Brandschutz
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18:40 26.07.2019
Die Freiwillige Feuerwehr Bad Doberan schaut sich den Dachboden des Bad Doberaner Münsters an. Wo sind im Brandfall sichere Wege, was passiert, wenn der Turm wie bei der Pariser Kathedrale einstürzt? Quelle: Anja Levien
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Bad Doberan

Die Bilder der brennenden Notre-Dame in Paris sind noch im Kopf von Martin Heider. Sie sind der Grund, warum der Münster-Kustos und die Freiwillige Feuerwehr Bad Doberan jetzt noch mal genauer auf den Brandschutz am Münster Bad Doberan schauen und Konzepte für den Notfall erarbeiten. Damit die Ehrenamtler im und am Münster orientiert sind, haben 20 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bad Doberan sich das Gotteshaus jüngst genau angeschaut.

Der Brandschutz habe zwar in den vergangenen Jahren immer eine Rolle gespielt: „In den 80er Jahren sind Steigleitungen installiert worden, mit denen Wasser in den Dachbereich gepumpt werden kann“, sagt Martin Heider. „Aber gerade in Hinsicht auf die Bilder von Paris denkt man anders.“

Im April dieses Jahr stand die französische Kathedrale in Flammen. Der überwiegend hölzerne Dachstuhl aus dem 13. Jahrhundert brannte, der Turm stürzte ein. Das Münster in Bad Doberan ist nach dem Grundriss der Notre-Dame gebaut.

Brand der Notre-Dame

Am Abend des 15. Aprils 2019bricht das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame in Paris aus. Der Vierungsturm der Kirche stürzte ein. Einen großen Teil des Daches und das Balkengewölbe haben die Flammen aufgefressen. Die Zwillingstürme und die weltberühmten Figurenportale hielten stand. Die Bilder und Videos gingen um die Welt.

Das Dach der gotischen Kathedrale wurde gerade restauriert, als das Feuer ausbrach. Als wahrscheinlichste Ursachen nannte die Pariser Staatsanwaltschaft Ende Juni eine weggeworfene Zigarette, einen Kurzschluss oder eine Störung des elektrischen Warnsystems. Hinweise auf Brandstiftung gebe es nicht.

Mittlerweile wurde eine Liste der Schätze erstellt, die verloren gingen, und jenen, die gerettet wurden. Dazu gehören die drei Rosettenfenster, wertvolle Reliquien wie die heilige Dornenkrone, ein Splitter und ein Nagel des Kreuzes Christi, die Tunika Saint-Louis sowie die weltberühmte Orgel. Zerstört wurde hingegen das große Uhrwerk, das sich unter dem Vierungsturm befand.

Dachboden der hochgotischen Kirche aufgeräumt

So sei in einem ersten Schritt bereits der Dachraum mit ehrenamtlichen Helfern aufgeräumt worden, erzählt Heider. Hier fanden sich noch viele Basteleien von Kindern, die sie zur Glockenweihe 2012 angefertigt hatten. Für die täglichen Führungen waren diese immer noch im Dachgeschoss belassen worden. „Die haben wir jetzt rausgenommen. Die Arbeiten aus Papier und Styropor waren auch schon sehr trocken.“ Weiteres Vorhaben: Bevor es in den kommenden Jahren an die Gewölbesanierung geht, soll dieses gründlich abgesaugt werden, um leicht entzündbares Material wie Sägespäne oder Reste von vorherigen Bauarbeiten gründlich zu entfernen.

Im Dachgeschoss schauen sich auch die Doberaner Feuerwehr­leute um. Sie gehen vom schlimmsten Szenario aus: Einem Dachstuhlbrand. Wo können sich die Feuerwehrleute in dem Fall aufhalten, wo sind die besten Wege, wo kommen die Steigleitungen an, durch die Wasser hochgepumpt wird.

Gewölbe zum Teil nur 14 Zentimeter dick

Auch unten im Münster gucken sich die Ehrenamtler um. Wo sind die Zugänge, welche Türen lassen sich wie öffnen, wie weit nach oben führen die Wendeltreppen? „Im Brandfall sind seitlich des Mittelschiffs die besten Wege“, erläutert Martin Heider. Denn an höchster Stelle sei das Gewölbe nur 14 Zentimeter dick. Stürzt im Katastrophenfall das Dach darauf, könne es auch zum Einsturz des Gewölbes kommen.

Doch nicht nur das Löschen eines Brandes wird besprochen. Martin Heider ist auch ein Konzept wichtig, wie im Brandfall mit den Kunst- und Kulturschätzen im Münster umgegangen wird. „Was muss im Brandfall zuerst rausgeholt werden, wenn es überhaupt geht“, sagt Heider. Was kann überhaupt in der Hektik bewegt und abmontiert werden und was kann man nicht rausholen?

Konzept für Rettung der Kulturgüter

Im Doberaner Münster findet sich die reichste Innenausstattung der Zisterzienserklöster europaweit. Der Hochaltar als ältester Flügel­altar der Kunstgeschichte stammt aus den Jahren um 1300, der Kelchschrank aus den Jahren um 1310. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht daher auch der Hochaltar, gefolgt von der Grabplastik der Königin Margarete von Dänemark.

Auch die Nebenaltäre, die in den Chorgängen stehen, finden sich auf der Liste. „Die sind in fast allen Zisterzienserkirchen verloren gegangen“, sagt Martin Heider. Heilsbronn habe noch Bestände aus dem 15. Jahrhundert, in Bad Doberan sind jedoch die ältesten aus dem 14. Jahrhundert.

Mit dem Rostocker Restaurator Georg von Knorre möchte Martin Heider die Liste mit den mehr als 120 Ausstattungsstücken durchgehen, 34 davon haben oberste Priorität. Der Restaurator soll dann mittels Skizzen und Fotos kenntlich machen, wie diese aus dem Münster geschafft werden können.

Die Feuerwehr begrüßt so ein Dokument. „Die Kulturgutrettung hat in Paris funktioniert, da müssen wir hin“, sagt Wehrführer Olaf Schulz.

Todeszone vor dem Westgiebel

Stopp draußen am Westgiebel. „Die Wendeltreppe im Inneren geht bis ins Dachgeschoss, da kommt man an der Steigleitung vorbei“, erläutert Christian Gläser, Zugführer bei der Doberaner Wehr, den Kameraden. Von außen ist das braune Rohr der Leitung am Münster zu erkennen. Direkt vorm Giebel sei jedoch auch die Todeszone. Das heißt: Kommt es zum Einsturz, stürzt der Giebel auf diese Fläche.

Bilder von der Besichtigung und Übung

Feuerwehr Bad Doberan: Bilder von der Besichtigung und Übung am Münster Bad Doberan

Die Feuerwehrautos werden daher nahe der Ecke positioniert. Zur Übung bauen die Männer und Frauen eine Leitung auf und pumpen einmal Wasser durch die Steigleitung ins Dachgeschoss. Da sitzen Mathias Bathke und Patrick Krumrey, die einen Schlauch an die Steigleitung gekoppelt haben und diesen jetzt aus dem Fenster halten. Wasser marsch. Es funktioniert.

Mathias Bathke (l.) und Patrick Krumrey auf dem Dachboden des Doberaner Münsters. Die Steigleitung fürs Löschwasser funktioniert. Quelle: Anja Levien

Schlauch und Tragkraftspritze müssen die Brandschützer die schmale Wendeltreppe hinauftragen. „Wir wollen an einer Lösung arbeiten, die Schläuche im Dachstuhl zu lagern, ohne dass sie durch Temperaturschwankungen Schaden nehmen“, sagt Martin Heider.

Eine Steigleitung reicht bis in die Turmspitze, hier kann direkt Wasser reingepumpt werden, ohne dass etwas angeschlossen werden muss.

6000 Liter Wasser in Fahrzeugen der Doberaner Wehr

Erste Erkenntnis bei der Wasser­beschaffung: Der Stülower Bach führt wenig Wasser, müsste angestaut werden. Doch für einen Erstangriff hat die Doberaner Feuerwehr in ihren Fahrzeugen 6000 Liter Wasser. Und sollte es wirklich zum Katastrophenfall kommen und das Münster brennen, werden sofort weitere Wehren alarmiert.

Die Freiwillige Feuerwehr Bad Doberan trainiert am Bad Doberaner Münster. Quelle: Anja Levien

Am Boden testen die Kameraden noch, wie hoch sie das Wasser mit dem Monitor auf dem Fahrzeug, ein festgemachtes Strahlrohr, bekommen. Passt. Der Wasserstrahl erreicht Giebelhöhe.

Mit den Übungen und den Be­gehungen wird ein objektbezogener Einsatzplan für das Münster erstellt, erläutert Christian Gläser. „Den gab es in diesem Umfang noch nicht.“ Die Notwendigkeit dafür sei da. „Das Münster ist ein heraus­ragendes Bauwerk, da müssen wir bestmöglich vorbereitet sein“, sagt er.

Anja Levien

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