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Bad Doberan Unter dem Hammer: Mutter und Tochter versteigern Tausende Antiquitäten pro Jahr
Mecklenburg Bad Doberan Unter dem Hammer: Mutter und Tochter versteigern Tausende Antiquitäten pro Jahr
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11:00 27.03.2019
Mutter und Tochter schwingen den Auktionshammer: Anne und Ingrid Bauer vom Aktionshaus in Satow blicken auf eine bewegende Geschichte zurück. Quelle: Fotos: Moritz Naumann
Satow

Das Auktionshaus in Satow bringt seit 1995 Antiquitäten und Kunstschätze unter den Hammer und so zu neuen Besitzern. Skulpturen, Gemälde, Möbel oder Porzellan: Etwa 5000 Produkte lagern in den Satower Auktionsräumen. Dass das Geschäft heute noch besteht ist nicht selbstverständlich, denn mit dem Tod des Unternehmensgründers Klaus Bauer stand seine Familie 2016 vor einer entscheidenden Frage: Soll es und wenn ja, wie soll es weitergehen?

„Bei euch in Dunkeldeutschland gibt es doch noch keine Auktionshäuser. Macht doch sowas“, sagte ein Lieferant aus dem Westen damals zu Klaus und Anne Bauer. Zu diesem Zeitpunkt führte das Ehepaar Antiquitätengeschäfte in Warnemünde, Rostock und Güstrow. Mehr als zwanzig Jahre später erzählt Anne Bauer, dass die Äußerung des Lieferanten der Impuls für die Gründung eines der ersten Auktionshäuser in Mecklenburg-Vorpommern gewesen ist.

70 bis 75 Prozent über den Online-Handel

Als man die Idee umsetzen wollte und auf der Suche nach Räumlichkeiten in näherer Umgebung war, ist man in Satow fündig geworden. „Damals gab es die A20 noch nicht und alle die aus dem Westen in den Osten wollten, mussten durch den Ort.“ Klaus Bauer kauft hier eine örtliche Landgaststätte und im Dezember 1995 findet die erste Auktion statt. Gerade am Anfang profitieren Bauers von der politischen Entwicklung. „Die ganzen Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern wurden nach der DDR-Zeit wieder zurückgegeben oder privatisiert und da wollten viele die leeren Gebäude wieder entsprechend ausstatten. Antiquitäten waren da sehr gefragt“, sagt Ingrid Bauer.

Mit den Jahren erweitern Bauers das Portfolio. Schon Ende der 90er-Jahre entdeckt die Familie das Potenzial des Online-Handels und wird Teil einer der ersten Online-Auktions-Plattformen: lot-tissimo.com. „70 bis 75 Prozent unseres Geschäftes läuft heute über das Netz. Wir erreichen damit internationale Kunden in Japan, China, den USA oder auch Russland“, sagt Ingrid Bauer.

Doch auch mit dem stationären Handel muss etwas passieren: Durch die Fertigstellung der Autobahn 20 ist Satow deutlich weniger frequentiert und um einen größeren Kundenstamm bedienen zu können, eröffnen Bauers im Jahr 2010 ein weiteres Auktionsgeschäft in Kühlungsborn.

Von der Protokollantin zurAuktionatorin

Damals schon immer dabei: Anne Bauer, Tochter von Ingrid Bauer. „Ich bin in den Betrieb hineingewachsen. Als Kind habe ich mich noch um Kaffee und Kuchen auf den Auktionen gekümmert und seit meinem 18. Lebensjahr stehe ich auch auf der Bühne“, sagt die heute 34-Jährige. Von der Protokollantin zur Auktionatorin: Mit zunehmenden Alter übernahm sie immer größere Aufgaben, auch bedingt durch einen schweren familiären Verlust.

Denn die treibende Kraft des Unternehmens war immer Familienoberhaupt Klaus Bauer. Die Absprachen mit den Lieferanten und Kunden, die Koordination des Geschäftes und die Pflege der Antiquitäten waren sein Steckenpferd. Bis zum Jahr 2016. Ausgerechnet während einer Auktion klagte das Familienoberhaupt über Bauchschmerzen und zog sich daher in die Wohnung über den Geschäftsräumen zurück.

Mitarbeiter stärken der Familie den Rücken

Die Auktion wurde abgebrochen und Klaus Bauer kam ins Doberaner Krankenhaus. „Die haben ihn dann aber wieder nach Hause geschickt“, sagt Ingrid Bauer. Nachdem ihr Ehemann sich – zurück im Eigenheim – ins Bett legte und einschlief, wachte er nicht wieder auf. Nun standen Ingrid und Anne Bauer vor der Herausforderung einerseits den schweren Verlust zu verkraften und andererseits zu entscheiden, wie es mit dem Auktionshaus weitergeht.

„Wir haben großes Glück mit unseren Mitarbeitern“, sagt Ingrid Bauer. Einen Tag nach dem Tod ihres Mannes kommt die Belegschaft des Unternehmens zusammen und stärkt Mutter und Tochter Bauer den Rücken: „Wir stehen hinter euch“, heißt es. Während sich in der Folge die Aufgaben von Ingrid Bauer nicht groß veränderten – sie ist heute wie damals für die Buchhaltung und den Verkauf zuständig – übernimmt Tochter Anne den Großteil der Verantwortung. „Ich koordiniere die Arbeit mit den Zulieferern, verwalte das Netzangebot, erstelle den Katalog und fahre durch Deutschland, um für den Nachschub der Antiquitäten zu sorgen“, sagt sie. Darüber hinaus ist sie die Auktionatorin, die für die etwa 900 Produkte pro Auktion neue Besitzer findet.

Von Bietern undHöchstgeboten

In der Regel kämen 120 bis 130 Bieter pro Auktion. Sie lassen sich vor Auktionsbeginn registrieren und bekommen eine Bieterkarte, mit der sie während einer Versteigerung ein Gebot signalisieren. Innerhalb von sechs bis sieben Stunden gehen dann bis zu 900 Produkte über den digitalen und realen Auktionstisch von Anne Bauer. Das Durchschnittsalter der Bieter sei Ü50. „Der Jugend fehlt einfach etwas Traditionsbewusstsein“, sagt Anne Bauer. Die höchste bisher ersteigerte Summe? „Das waren 30 000 Euro für ein Gemälde von Rudolf Bartels, Vertreter der Schwaaner Malerkolonie.“

Auktionstermine 2019

Für das Auktionshaus Satow stehen 2019 noch sieben Auktionen in Satow und Kühlungsborn an.

Die Termine: Im Auktionshaus Satow, Sonnenstraße 8: 4. Mai, 15. Juni, 7. September, 19. Oktober, 23. November.

Im Auktionshaus Kühlungsborn, Dünenstraße 11: 27. Juli und 30. Dezember.

Moritz Naumann

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