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Bad Doberan Von Tradition und Wiederaufbau: Die Rennbahn Bad Doberan
Mecklenburg Bad Doberan Von Tradition und Wiederaufbau: Die Rennbahn Bad Doberan
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06:00 29.07.2019
1993 wurden die Rennen in Bad Doberan wieder aufgenommen. Quelle: Frank Sorge/galoppfoto.de
Bad Doberan

Es ist ein Tag im Frühherbst 1991. Eine Personengruppe zwängt sich durch einen Lagerplatz für Baumaterialien, den eine Firma auf dem Gelände der ehemaligen Bad Doberaner Rennbahn angelegt hat. Als diese Barriere überwunden ist, steht sie vor einem großen Feld, bestanden mit dichten Reihen von Zuckerrüben. „Dass sich hier einst die erste Galopprennbahn auf dem europäischen Festland befand, war selbst mit großer Fantasie nicht mehr vorstellbar“, erinnert sich Berno Grzech, seinerzeit Bürgermeister der Münsterstadt und zudem Vorsitzender des 1991 neu gebildeten Doberaner Rennvereins von 1822.

„Zu meinen Mitstreitern, die den Rennverein wieder ins Leben gerufen hatten und mit denen ich am Feldrand stand, gehörten unter anderem der damalige Landrat Diethelm Hinz, der inzwischen verstorbene Rechtsanwalt Achim Stracke, die Fördervereinsvorsitzende Almuth Meyer, der Stülower Pferdewirtschaftsmeister Rüdiger Tremp und der damalige Leiter der OZ-Lokalredaktion Werner Geske“, erinnert sich Grzech. Er unterstreicht, dass es damals, kurz nach der Wende, schon einer gehörigen Portion Mut und Zuversicht bedurfte, um sich vorzustellen, dass dort, wo noch Rüben wuchsen, bald wieder Pferderennen gestartet würden.

Renntage 2019

Am 2. und 3. August finden insgesamt 21 Rennen auf der Rennbahn zwischen Bad Doberan und Heiligendamm statt. Beginn ist Freitag 12.10 Uhr und Sonnabend 11 Uhr.

Parkplätze befinden sich direkt an der Rennbahn. Der Eintritt kostet pro Tag zehn Euro. Besucher können auf die Pferde wetten, Kinder können einen Wissensparcours rund ums Pferd absolvieren.

Gut 12 000 Zuschauer bei Wiederaufnahme der Rennen 1993

So wurde wahr, was selbst Optimisten nicht für möglich gehalten hatten: Am 25. August 1992 schlug Berno Grzech den ersten Pflock in den regennassen Boden – Baubeginn für die Rennbahn. Und keine zwölf Monate später, am 7. August 1993 erlebte die Rennbahn in Anwesenheit von Altbundespräsident Walter Scheel ihre Wiedergeburt.

Im Sommer 1993 hat der Wiederaufbau der ersten deutschen Pferderennbahn zwischen Bad Doberan und Heiligendamm begonnen. Am 7. August 1993 finden die ersten Galopprennen statt. Letzte Kontrolle der Bahn. Quelle: Hartmut Klonowski

Viele der gut 12 000 Zuschauern trugen an diesem Tag Gummistiefel, hatte der heftiger Regen der vergangenen Tage doch dafür gesorgt, dass der Zuschauerbereich im Gegensatz zum Geläuf nicht gerade in bestem Zustand war. Doch als der erste Startschuss fiel, war er von Sonnenschein begleitet. Die Sonne schien besonders für Brigitta Werning aus Dortmund, die das erste Rennen auf dem siebenjährigen Hengst „Sinio“ gewann. Ein neues Kapitel Doberaner Renngeschichte war aufgeschlagen.

1822: Rennen zu Ehren Alexandrine

Fast 200 Jahre muss der Chronist zurückgehen, um zu den Anfängen der Rennbahn zu gelangen. Dabei stößt er auf ein besonderes Ereignis im Jahre 1822. Zu Beginn des Julis stand Doberan nämlich ganz im Zeichen einer prunkvoll gefeierten Hochzeit. Erbgroßherzog Paul von Mecklenburg-Schwerin hatte die schöne Alexandrine, Tochter des Preußenkönigs Wilhelm III. und der Neustrelitzer Prinzessin Luise, geheiratet. Das junge Paar hielt am 8. Juli feierlich Einzug in Doberan.

Ihm zu Ehren gab es die verschiedensten Veranstaltungen. Gutsbesitzer Gottlieb von Biel, dem die Güter in Weitendorf und Neu-Jassewitz gehörten, zudem ein Liebhaber der englischen Vollblüter, sah darin auch die Chance, ein Pferderennen in Doberan zu veranstalten. Um sich höchster Zustimmung zu versichern, erklärte er, dass das Rennen zu Ehren Alexandrines stattfinde. Diese, dadurch geschmeichelt, stellte dem Sieger dazu einen silbernen Becher als Preis zur Verfügung.

Fast 200 Jahre Galopprennen in Bad Doberan

Auf der Rennbahn zwischen Bad Doberan und Heiligendamm finden seit 1822 mit Unterbrechungen Pferderennen statt.

Vermutlich am 10. August, drei Tage bevor sich der Rennverein unter dem Namen „Committee zur Entwerfung der Gesetze und zur Leitung der Geschäfte“ konstituierte, startete auf der Feldmark bei Doberan das erste Rennen. Als umjubelter Sieger ging daraus Wilhelm von Biel auf seiner Stute Pamina hervor. Zunächst als Proberennen deklariert, wurde es später in den Rang eines Alexandrinen-Rennens erhoben. Dennoch wurden die Rennen, die ein Jahr später stattfanden, als die ersten in Doberan gewertet.

Das hatte seine Ursache darin, dass Großherzog Friedrich Franz I. am 10. Februar 1823 die vom „Committee“ für Mecklenburg verabschiedeten Renngesetze bestätigte. Auf ihrer Grundlage wurde damit begonnen, eine feste Rennbahn samt Holztribüne zu schaffen. An dieser Stelle befindet sich die Anlage auch heute noch. Allerdings fehlen bis auf den heutigen Tag die Tribünen.

50-Jähriges groß gefeiert

1872, ein Jahr nach Gründung des Deutschen Reiches, machten sich Doberan und sein Rennverein daran, das 50. Jubiläum der Rennbahn würdig zu begehen. Vom 30. Juli bis 2. August wurde ein Sportereignis ausgerichtet, wie es Doberan lange nicht mehr gesehen hatte. Zu einem Höhepunkt wurde die Preisverleihung durch die nun hochbetagte Großherzogin Alexandrine, deren Anwesenheit diesen Jubiläums­renntagen besonderen Glanz verlieh.

Baulich waren die Rennanlage durch eine Trainierbahn und die Tribüne durch Garderobenräume erweitert worden. Zu einem weiteren Meilenstein in der Entwicklung der Rennbahn wurde das Jahr 1890. Es entstand eine neue aus Stein und Eisen errichtete Tribüne. Das Gelände davor wurde aufgeschüttet, um den Zuschauern eine bessere Sicht zu gewährleisten. Zudem wurden die bislang scharfen Kurven der Bahn abgerundet.

In diese Zeit fällt auch die Pflanzung der noch heute vorhandenen Eingangsallee. Und nachdem 1886 der Molli von Doberan nach Heiligendamm dampfte, dauerte es auch nicht mehr lange, bis die Rennbahn einen eigenen Haltepunkt erhielt.

Schließung wegen Weltkrieg

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 war es allerdings mit der ganzen Herrlichkeit vorbei. Die Rennbahn wurde geschlossen, auf dem Geläuf machten sich Unkraut und Buschwerk breit. Daran änderte sich auch nach Ende des Krieges zunächst nichts. Erst 1921, als Doberan sein 75. Stadtjubiläum feierte, entstand der Gedanke, die Anlage wieder in Betrieb zu nehmen.

Die 100-Jahrfeier der Rennbahn im folgenden Jahr war willkommener Anlass dafür. Zwar fehlte der Rennveranstaltung der Glanz früherer Tage, doch war der Grundstein dafür gelegt, dass Doberan wieder seinen Platz im deutschen Galopprennsport einnehmen konnte. Trotz Rückschlägen – 1923 fiel das Rennen wegen der Inflation aus – ging es nun aufwärts.

1926 erstes Damenrennen

Einen besonderen Höhepunkt bescherte das Jahr 1926. Erstmals fand ein Damenrennen statt. Eine Neuerung, nicht nur für Doberan, sondern für ganz Deutschland. Ein Jahr später erhielten die Renntage besonderen Glanz. Reichspräsident Paul von Hindenburg kam und wurde von Zehntausenden Zuschauern bejubelt. Ihm zu Ehren wurde auch ein Jagdrennen veranstaltet.

Viele Zuschauer zog es auf die Rennbahn als Reichskanzler Hindenburg 1927 zu Besuch war, um die Pferderennen zu sehen. Quelle: Archiv

Die Anlage selbst wartete aus diesem Anlass mit einer Neuerung auf: Die deutschlandweit fünfte 1000-Meter-Gerade wurde in Betrieb genommen. 1928 gab es erneut einen Paukenschlag: Günther von Hünefeld und Hans Köhl, die am ersten Ost-West-Flug über den Atlantik teilgenommen hatten, setzten, vom Publikum frenetisch bejubelt, mit ihrem Flugzeug auf der Rennbahn auf.

Die Rennbahn Bad Doberan 1936. Quelle: Archiv Stadt- und Bädermuseum Bad Doberan

Doch nach diesen Jubel­jahren wurde es ruhiger um die Rennbahn, wenngleich die Renn­tage weiter­hin veranstaltet wurden. Das änderte sich auch mit der Machtübernahme durch die Nazis 1933 nicht, die es jedoch bei nur einem Renntag beließen und außerdem den Ausbau einer neuen Rennbahn in Rostock forcierten. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde der Rennplatz als Ausweichflugplatz als kriegswichtig deklariert; allerdings landete dort nie ein Flugzeug.

Letzte Rennen 1962

Anfang Mai 1945 nahm die Rote Armee Bad Doberan ein. In ihrem Gefolge waren auch viele Pferde. Die Russen, denen die reitsportliche Geschichte der Stadt bekannt war, veranstalteten, wohl um sich bei der Bevölkerung einen guten Namen zu machen, bereits am 3. Juni 1945 ein Pferderennen auf der traditionsreichen Bahn. In kurzer Zeit wurde die erneut verwilderte Anlage wieder hergerichtet. Noch gab es auch die alten Tribünen. Insgesamt elf Rennen wurden an diesem Nachmittag gestartet.

Einen Tag später übergab die Rote Armee die gesamte Rennbahnanlage an die Stadt. Doch zu einer Fortsetzung der Rennen kam es in den nächsten Jahren nicht. Vielmehr wurden die hölzernen Tribünen im Winter 1945/46 von der unter eisiger Kälte leidenden Bevölkerung abgebaut und verheizt.

Nachdem um 1950 Motorräder die Bahn zerpflügt hatten, lag sie wieder im Dornröschenschlaf. Erst 1954 schlug der Bad Doberaner Architekt Lutz Elbrecht vor, eine neue Rennbahn „in zeitgemäßer Weise“ zu schaffen. Dazu schwebte ihm nicht nur eine Rennbahn, sondern eine Sport-, Ausbildungs- und Erholungsstätte vor.

Eine Anregung, die sportinteressierte SED- und Staatsfunktionäre zumindest dazu veranlasste, am 8. Juli 1956 wieder Rennen zu veranstalten. Vor etwa 12 000 Zuschauern wurden insgesamt sechs Rennen gestartet. Auch in den kommenden Jahren zog es die Pferdefreunde wieder vor die Tore der Stadt, letztmalig am 11. Juni 1962. Danach senkte sich der Vorhang über diese einzigartige Sportstätte für mehr als 30 Jahre.

Werner Geske

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