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Bad Doberan Sieben Mal in die Wellen springen
Mecklenburg Bad Doberan Sieben Mal in die Wellen springen
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15:32 21.12.2018
Sind schnell gute Freundinnen geworden: Annelene Gouveia Voss Boaventura (l.) und ihre Gastschwester Lilly Krüger. Quelle: Lutz Werner
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Kühlungsborn

 Eine weiße Weihnacht wird Annelene Gouveia Voss Boaventura nun doch nicht erleben – obwohl sie sich das sehr gewünscht hatte. Die 17-Jährige ist für ein halbes Jahr Austauschschülerin am Schulzentrum Kühlungsborn. Sie kommt aus Brasilien – aus Salvador, der Hauptstadt des Bundesstaates Bahia. Gelegen direkt an der Küste des Südatlantik. Dort ist jetzt Frühsommer mit Tagestemperaturen um 28/29 Grad. Und selbst im brasilianischen „Winter“ wird es dort nicht kühler als 21/22 Grad.

„Für mich ist der Winter hier in Deutschland – obgleich noch ohne Eis und Schnee – doch schon ganz schön kalt. T-Shirt, ein dicker Pullover, noch ein Pullover und dann Schal und Jacke – das ist für mich eigentlich immer noch gewöhnungsbedürftig“, sagt sie und muss dabei lachen. Annelene kommt aus einer deutschstämmigen Familie, die Urgroßeltern wanderten vor dem Zweiten Weltkrieg nach Brasilien aus. „Die deutsche Sprache ist in unserer Familie noch immer lebendig. Daher habe ich mich für einen Auslandsaufenthalt in Deutschland entschieden.“ Als sie im September kam, hatte sie immerhin schon fünf Jahre Deutsch in der Schule gelernt. Nach vier Monaten Deutsch im Alltag spricht sie inzwischen die für sie nicht eben einfache Sprache fließend und fast akzentfrei und auch schwierige Redewendungen sind kein Hindernis mehr.

Weihnachten ist auch bei uns ein ganz wichtiges Fest. Allerdings sind – in den meisten Familien jedenfalls – die Geschenke nicht so groß und teuer“, sagt sie. Und es geht alles viel schneller: „Am 24. Dezember wird bis Mittag gearbeitet, der 25. Dezember ist ein Feiertag und dann kehrt wieder der Alltag ein.“

Ein ganz großer Unterschied zwischen Deutschland und Brasilien: „Die vorweihnachtliche Adventszeit mit Weihnachtsmärkten, weihnachtlichen Konzerten und anderen Aktivitäten gibt es bei uns nicht“, sagt die Brasilianerin. Als ihre Gast-Eltern Anfang Dezember mit ihr eine Weihnachtsmarkt-Tour durch den Harz und das Harz-Vorland machten, „habe ich das sehr genossen“. Die hölzernen Verkaufshütten, die Weihnachtsdekorationen, Pyramiden, Schwibb-Bögen und geschnitzte Figuren, die Leckereien – „das war wie aus einer anderen Welt“.

Annelene ist zu Gast bei Familie Krüger in Bastorf, Gastschwester Lilly (11) wurde schnell zur guten Freundin. „Ich fühle mich sehr wohl bei Familie Krüger und am Schulzentrum. Krügers sind liebenswerte und aufmerksame Gastgeber. An der Schule herrscht eine offene und sehr freundliche Atmosphäre – das ist fast schon familiär“, sagt die 17-Jährige. Aber „die Ruhe, die wenigen Menschen hier in einer Kleinstadt und auf einem Dorf im Herbst und Winter“ seien fast „ein Kulturschock“ gewesen.

Annelene kommt aus einer 2,6 Millionen-Einwohner Metropole – einem Wirtschaftszentrum mit großem Hafen, das auch Universitätsstadt ist. Einer Stadt, in der immer quirliges Leben ist – mit einem hohen Anteil von Schwarzafrikanern, deren Kultur und Essen. Es sind Nachfahren ehemaliger Sklaven. Es gibt die große Kluft von arm und reich und eine hohe Kriminalität. „Du musst auf manchen Straßen vorsichtig sein“, deutet sie das an.

Die Essgewohnheiten der Brasilianer und Deutschen seien sehr unterschiedlich. „Die Deutschen essen unheimlich viel Fleisch“, hat sie beobachtet. Bei ihr zu Hause kämen sehr viel mehr Fisch und Meeresfrüchte auf den Tisch. „Aber die sind hier sehr teuer.“ Die vielen Sorten an Brot und Brötchen – „das ist einfach sensationell“. Mit dem Obstangebot ist sie nicht ganz zufrieden. „Bei euch kann man auch fast alles kaufen. Aber durch den langen Transport von oft nur halbreifen Früchten fehlen einfach die Süße und die Sonnenreife“, sagt sie.

Silvester sei in Brasilien und in ihrer Heimatstadt Salvador „eine ganz große Sache“. Zur Open-Air-Party am Hafen käme „wenigstens die halbe Stadt“. Auf einem Schiff in der Mitte der Hafen-Bucht werde ein Riesen-Feuerwerk abgebrannt. Und es gibt einen traditionellen Brauch: „Du musst ins Wasser gehen, sieben Mal in die Wellen springen und dir etwas für das neue Jahr wünschen.“ Auf diesen Brauch – da ist sie ganz sicher – wird sie allerdings am kommenden Silvester an Mecklenburgs kühler Ostseeküste verzichten.

Lutz Werner

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