Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Bad Doberan Wichmannsdorf feiert seine 800 Jahre
Mecklenburg Bad Doberan Wichmannsdorf feiert seine 800 Jahre
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:02 27.08.2019
Marlis und Peter Kühn - der 78-Jährige ist der Autor einer 288-seitigen Chronik von Wichmannsdorf Quelle: Thomas Hoppe
Anzeige
Kröpelin/Rostock

Am Anfang dieser Geschichte steht der Kapitän des Volksmarine-Hochseeversorgers MS „Kühlung“, Peter Kühn. Der zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem aktiven Militärdienst entlassene Fregattenkapitän suchte und fand 1984 in Kröpelin den Vorsitzenden der LPG „Kühlung“, Karl Becker, und brachte mit ihm einen Patenschaftsvertrag auf den Weg.

„Ich hatte ihm angeboten, dass die Bauern uns auf dem Schiff besuchen könnten, ihre Lehrlinge, die GST oder mit dem Schützenverein – wir würden kommen und helfen, wenn die Ernte ist“ , erinnert sich Peter Kühn. Das habe dann alles „wunderbar geklappt“, auch mit Dia-Vorträgen über die Seetouren. Bevor die „Kühlung“ in See stach, kamen so auch „Kühlung“-Kartoffeln an Bord.

Damit war für den gebürtigen Riesaer auch privat dieses Rostocker Umland mehr in den Fokus geraten. Erst legte die Frau des Kapitäns den Kurs „Lauben-Grundstück in Wichmannsdorf“ an, dann verholte das Paar 1997 von Rostock-Schmarl hierher und ging bis 2010 im Dorf vor Anker.

Da im Jahr 2003 Peter Kühns Rentnerleben begann, widmete er sich – nach einem Tipp Gerhard Laus vom Warnemünder Leuchtturmverein – der Dorfchronik seines Wohnortes. Die damalige Bürgermeisterin Silke Brzoska stimmte zu, legte aber Wert darauf, dass es die Gemeinde nichts kosten dürfe.

„Ich wusste gar nicht, was damit auf mich zukam. Das waren ja Fahrten ins Landeshaupt- , ins Kirchen- und Kreisarchiv, viele Gespräche mit Leuten. Etwa fünf Jahre hat es gedauert, bis ich alles so zusammen hatte“, erzählt der Autor.

Beim Landeshauptarchiv hatte er um diverse Dokumente über „Wichmannsdorf“ gebeten und sollte sie nach 14 Tagen entgegennehmen. „Da kam die Frau mit so einem Bücherberg“, sagt Peter Kühn und kreist ausladend mir beiden Armen. „Es gibt ja noch das Wichmannsdorf bei Boltenhagen!“

Das alte Herrenhaus von Wichmannsdorf am Dorfteich. Seine Ruine wurde 1968 abgerissen. Quelle: Archiv Kühn

Schließlich holte er aus diesem Archiv ans Licht, dass Fürst Borwin von Mecklenburg bei der Gründung und Widmung des Klosters Sonnenkamp auf dem Landgut Cuszin (heute Neukloster) im Jahr 1219 von einem Teich nahe „Wichmannesdorp“ schreibt, der diesem Klosterbereich zugehörig sei. Wie übrigens auch das Landgut Parcowe (heute Parchow), „wo zuerst ein Kloster gelegen war“, und das Gut „Malbodendorf“ (heute Malpendorf).

„Den Brief übersetzte mir eine Professorin aus der Universität Rostock“, ergänzt der Hobbyhistoriker und durchblättert sein umfangreiches Werk, das eine Menge historischer Bilder, Dokumente, Statistiken und vor allem Personenlisten enthält. Ihm sei es ja stets wichtig gewesen, die Leute zu zeigen, die hier gelebt und gearbeitet hätten, betont Peter Kühn.

Besonders freut er sich in diesem Zusammenhang, dass der Leiter des Reriker Heimatmuseums Thomas Köhler ihm „das Klassenbuch von Wichmannsdorf“ aus den Jahren 1917 bis Juli 1946 zeigte: „Der letzte Lehrer dieser Zeit oder ein Nachfahre war im Pflegeheim Rerik gestorben und so kam das Buch mit den Namen aller Schüler und Lehrer ins Museum.“ Dann in die Chronik.

Quasi nebenbei entdeckte Peter Kühn bei seinen umfangreichen Recherchen auch, dass in Wichmannsdorf bereits 1788 eine Brandversicherung existierte (höchstwahrscheinlich die damalige Berliner oder Hamburger), obwohl in Mecklenburg erst später, nach 1800, die Hannoversche galt. Die Vorreiterin in Sachen Vorsorge soll die damalige Gutsbesitzerin Ida von Moltke gewesen sein. Auch die folgenden adligen Eigentümer tauchen natürlich in der Kühn-Chronik auf und er ist froh, dass er auch in die Post an den Grafen von Wielamowitz-Moellendorf einsehen durfte. Darunter fand sich ein Schreiben der Luftwaffe Wustrow von 1938, „dass für die zu erbauende Bahnlinie Arendsee-Wustrow z.Zt. Vermessungsarbeiten“ auf des Grafen Eigentum stattfänden: „Die Bahnlinie verläuft vom Bahnhof Arendsee etwa 1800 Meter in genau westlicher Richtung und zweigt dann nach S.W. ab und führt auch durch Mechelsdorfer Gebiet.“

Erntefest im Wichmannsdorf der 1930er Jahre. Quelle: Archiv Kühn

Zur Geschichte des neueren Wichmannsdorf gehört ebenso, dass hier die erste LPG im Kreis Bad Doberan gegründet wurde. Dafür kam der damalige Ministerpräsident des Landes Mecklenburg, Bernhard Quandt (SED), am 22. Juli 1952 extra nach Wichmannsdorf, um das Statut der LPG „Friedlicher Aufbau“ zu bestätigen. Erst zwei Jahre zuvor hatten Lehrlinge einer Dresdner Elektrofirma wieder elektrischen Strom ins Dorf gebracht. Sie errichteten einen Lichtmast mit Trafostation. Die Überlandleitung kam von Horst in den Ort – dank der Kröpeliner Energieversorgung.

Und die Geschichten über das Dorf – heute Ortsteil von Kröpelin – werden nicht weniger. Auch darüber wollen die heutigen Bewohner und ihre Gäste am kommenden Samstag plaudern. Die Kühns aus Rostock sind zur großen 800-Jahr-Feier nach Wichmannsdorf eingeladen und fahren hin, wie sie sagen. Vorrätige Chroniken hat er nicht, aber wenn sie jemand wünscht, lasse er nachdrucken, erklärt der Autor. Mittlerweile, „weil immer mal wieder ergänzt und in Farbe“, kostet ein A4-großer, 288-seitiger Band 30 Euro.

Im Dorf wird nach umfangreicher Vorbereitung am Samstag, dem 31. August, um 14 Uhr ein Jubiläumsumzug starten, den Blasmusiker begleiten werden. Für den Nachmittag und den Abend wird ein buntes Programm geboten, wie die vor gut zehn Jahren gegründete „Initiative für Wichmannsdorf“ als Veranstalter mitteilt. „Kaffee, selbst gebackener Kuchen, Musik, Tanz, Spiel und Spaß im Festzelt gehören dazu.“

Zum Auftakt, um 16 Uhr, konnte der bekannte Jazz-Musiker Andreas Pasternack engagiert werden. Eine Kinderecke wird unter anderem Schminken und Riesen-Seifenblasen bieten. Nach einer Stärkung vom Grill oder vom Spanferkel kann ab 18 Uhr zur Musik von DJ Waldi getanzt werden. Zum Ausklang des Samstags gibt es ein Feuerwerk. Und am Sonntag zeigt ab 11 Uhr der Puppenspieler Ulli Schlott das Märchen „Rotkäppchen“. Auch ein Bierwagen wird zum Frühschoppen geöffnet sein.

Von Thomas Hoppe

Vor allem die Idee einer Tourismus-Abgabe für Firmen steht in der Kritik. Gewerbetreibende und Touristiker wollen offen diskutieren. Die Debatte hat Mecklenburg-Vorpommerns Finanzminister Reinhard Meyer ausgelöst.

27.08.2019

Tag der offenen Tür am 30. August: Kinder und Eltern können sich am Doberaner Kellerswald selbst ein Bild machen.

27.08.2019

Eltern sollen künftig zahlen, wenn Kinder nicht rechtzeitig vom Hort abgeholt werden oder wenn die Jungen und Mädchen länger betreut werden, als vertraglich vereinbart. Der Finanzausschuss gab sein Votum dafür.

27.08.2019