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Bad Doberan Wildschweine wüten auf Wittenbecker Campingplatz
Mecklenburg Bad Doberan Wildschweine wüten auf Wittenbecker Campingplatz
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06:00 30.10.2019
Nicht nur auf der Wiese, sondern auch neben den Toiletten des Campingplatzes an der Steilküste findet Betreiber Magnus von Brandenstein jeden Morgen Stellen, an denen die Wildschweine gewühlt haben. Quelle: Cora Meyer
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Wittenbeck

Sie kommen meistens in den frühen Morgenstunden: Eine Rotte Wildschweine sucht regelmäßig den Campingplatz an der Steilküste in Wittenbeck heim. Mit dabei sind auch Frischlinge. „Es sind etwa 30 Tiere, die den Boden umwühlen“, sagt Betreiber Magnus von Brandenstein.

Ihre Spuren hinterlassen die Tiere auf der Wiese, neben den Toiletten und auf dem angrenzenden Radweg an der Steilküste. In den vergangenen Jahren sei so etwas nicht vorgekommen, sagt Magnus von Brandenstein. „Das nimmt überhand.“

Auf dem Campingplatz darf nicht geschossen werden

Dass die Zahl der Tiere stark zunimmt, bestätigt auch die untere Jagdbehörde des Landkreises. Nach Angaben von Anwohnern sollen sie auch in Nienhagen gesehen worden sein. Der Bestand an Schwarzwild, sagt Kreissprecher Michael Fengler, verdopple oder verdreifache sich „wildbiologisch“ ohnehin in jedem Jahr. „Dieser Zuwachs ist durch klimatische Veränderungen, wie milde Winter ohne starke Verluste bei den Frischlingen, und starke Mast seit Jahren zusätzlich erhöht“, sagt der Landkreissprecher.

Deshalb würden sie viel gejagt: In den Jagdbezirken des Landkreises Rostock wurden in den Jahren 2017/2018 und 2018/2019 über 10 000 Wildschweine erlegt beziehungsweise kamen durch Unfall oder altersbedingt zu Tode. In befriedeten Gebieten wie dem Campingplatz ist eine Jagd allerdings nicht möglich, da er „gewöhnlich dem Aufenthalt von Menschen dient“, sagt der Kreissprecher. Hinzu kommt, dass auch führende Muttertiere nicht gejagt werden dürfen, die mit ihren Frischlingen auf Nahrungssuche umherstreifen.

Tiere suchen nach Nahrung

„Das Auftreten von Wild auf dem Campingplatz in Wittenbeck ist teils auch dadurch zu begründen, dass Wald- und Ackerflächen angrenzen.“ Im Wald könne sich das Schwarzwild zurückziehen und fände Nahrung. Angelockt werden die Wildschweine ähnlich wie Füchse oder Waschbären vom „Angebot“ des Menschen: Katzenfutter im Garten oder Fallobst ziehen sie an. Schmackhaft für die Tiere sind auch Raupen, Puppen und Engerlinge, die sie im liegengelassenen Rasenschnitt auf Garten- oder Grünflächen finden.

„Was die hier wollen, weiß ich nicht“, sagt Magnus von Brandenstein, „auf der Wiese finden sie doch höchstens mal einen Regenwurm.“ Trotzdem kommen die Wildschweine immer wieder. Die Tiere haben, nach Angaben des Landkreissprechers, einen überaus gut ausgeprägten Geruchs- und Geschmackssinn. Und ein gutes Gedächtnis. „Dadurch werden auch Futterstellen später wieder erneut aufgesucht.“

Schutzmaßnahmen sind schwierig

Grundstücksbesitzer müssten deshalb ausreichende Maßnahmen ergreifen, um Wild fernzuhalten beziehungsweise zu vergrämen. Dazu gehört zunächst, dass Lebensmittel oder Reste für Wildtiere nicht zugänglich sein sollten. „Müllbehälter müssen kontrolliert und regelmäßig geleert werden“, sagt Michael Fengler. Auf dem Campingplatz in Wittenbeck ist das der Fall. Die Urlauber entsorgten ihren Müll in Container, die ordnungsgemäß von der Müllabfuhr entleert würden, sagt Magnus von Brandenstein.

Der Kreissprecher rät außerdem, dass Wild durch sichere Zäune abgehalten würde. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten oder der Größe vieler Grundstücke sei es nicht immer möglich, sie vollständig einzuzäunen. Das ist auch in Wittenbeck der Fall. „Wir haben hier sechs Hektar Land“, sagt Magnus von Brandenstein. „Zäune zu ziehen geht da nicht“, ergänzt sein Sohn Christoph.

Um Wild fernzuhalten, könnten Grundstücksbesitzer im Handel Vergrämungsmittel kaufen und einsetzen, empfiehlt der Kreissprecher. Aber auch das komme für die Campingplatzbetreiber nicht in Frage, sagt Christoph von Brandenstein. „Diese Mittel riechen sehr unangenehm, die kann man nicht dort ausbringen, wo Menschen in der Nähe sind.“

Begegnungen mit Spaziergängern blieben friedlich

Für die Gäste des Campingplatzes in Wittenbeck sind die tierischen Besucher nicht unbemerkt geblieben: „Es hat schon so einige Begegnungen mit Spaziergängern mit Hund gegeben“, sagt der Betreiber. Eine gefährliche Situation, sagt auch Michael Fengler: „Grundsätzlich ist Schwarzwild scheu und ergreift die Flucht, jedoch ist es lernfähig und hat den Umgang mit Spaziergängern und auch Waldbesuchern ,erlernt’, da von diesen Menschen in der Regel keine Gefahren ausgehen.“

Das Führen eines Hundes stelle allerdings immer eine andere Situation für ein wildes Tier dar. „In solchen Fällen kann es dazu kommen, dass es den Hund angreift“, sagt der Kreissprecher. Vor allem eine Bache, die ihre Frischlinge in Gefahr wähne, könne ein für Menschen und Hunde lebensgefährlicher Gegner werden.

„Bisher haben wir noch nicht erlebt, dass die Tiere aggressiv sind“, sagt Christoph von Brandenstein. Sollte es doch dazu kommen, rät Kreissprecher Michael Fengler: „Jeder Betroffene sollte sich zurückziehen, um eine gefährliche Situation zu vermeiden.“

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