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Bad Doberan „Wir müssen uns nicht beleidigen lassen“
Mecklenburg Bad Doberan „Wir müssen uns nicht beleidigen lassen“
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06:00 27.02.2019
Will die Vorwürfe gegen das Amt Bad Doberan-Land so nicht stehenlassen: der Personalratsvorsitzende Rico Jakobeit. Quelle: Lennart Plottke
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Bad Doberan

Seit Monaten treiben die Gemeinden Admannshagen-Bargeshagen, Ostseebad Nienhagen und Elmenhorst/Lichtenhagen eine Fusion voran. Dabei wird vor allem auch die Arbeit im Amt Bad-Doberan-Land scharf kritisiert. Im OZ-Gespräch nimmt Rico Jakobeit, Vorsitzender des Personalrates, zu den Vorwürfen Stellung.

Herr Jakobeit, im Zuge der geplanten Fusion der Gemeinden Admannshagen-Bargeshagen, Ostseebad Nienhagen und Elmenhorst/Lichtenhagen sieht sich das Amt Bad Doberan-Land immer wieder harschen Angriffen ausgesetzt. Sind diese öffentlichen Vorwürfe aus Ihrer Sicht berechtigt?

Rico Jakobeit (32): Wir hören und lesen seit längerer Zeit Geschichten über die Arbeitsweise im Amt – seit das Fusions-Thema auf dem Tisch ist, haben sich die Abstände deutlich verkürzt. Da wird viel Polemik betrieben – es geht mir als Sprachrohr des Personalrates vor allem darum, diese zum Teil schlimmen Äußerungen geradezurücken.

Was meinen Sie konkret?

Wenn etwa der Bürgermeister von Admannshagen-Bargeshagen mehrfach öffentlich behauptet, dass die Mitarbeiter im Amt „nur Mist bauen“, ist doch jegliches Maß an sachlicher Kritik verloren gegangen. Das zehrt an den Leuten, viele sind einfach nur noch genervt und sauer – manchen Mitarbeitern geht das auch echt nahe. Und ich wage zu behaupten, dass die Kollegen im Amt Warnow-West ähnlich verunsichert sind.

Wie erklären Sie sich diese Attacken?

Federführend sind hier die Gemeinden Admannshagen-Bargeshagen und Nienhagen. Bürgermeister Eduardo Catalán bemängelt etwa, dass das Amt zu langsam arbeitet – dabei verkompliziert er selbst die Verwaltungsabläufe massiv. Es darf zum Beispiel keine Rechnung mehr gestellt werden, die er nicht vorher gesehen hat. Da ist das Vertrauen in eine vernünftige Zusammenarbeit offenbar gar nicht mehr da – warum auch immer. Vor Kurzem gab es in unserem Haus eine Organisationsprüfung – dabei wurde dem Amt überwiegend gute Arbeit bescheinigt. Und die Bürgermeister Catalán und Kahl waren bei der Auswertung mit dabei. Das heißt nicht, dass wir nicht auch Fehler machen – es gibt sicher noch Verbesserungspotenzial.

Wie ist denn aus Ihrer Sicht das Amt aufgestellt?

Alle Mitarbeiter sind top ausgebildet und qualifiziert. Aber die Arbeitsbelastung steigt – gerade mit der Einführung der doppelten Buchführung oder der elektronischen Akte. Dazu gibt es immer mehr Vorgaben von der Landes- und Bundespolitik – wir haben aber nicht mehr Kollegen, die das umsetzen können.

Wie wollen Sie diesem Dilemma entgegenwirken?

Es ist wie überall nicht so einfach, entsprechend ausgebildetes Fachpersonal zu bekommen. Erst recht nicht, wenn es in der öffentlichen Wahrnehmung so rüberkommt, dass im Amt nur Idioten arbeiten. Die Leute können von mir aus Pläne schmieden, wie sie wollen – da will ich mich gar nicht politisch einmischen. Denn ich habe Respekt vor dem Ehrenamt – die Gemeindevertreter wurden gewählt, um Entscheidungen zu treffen. Beleidigen lassen müssen wir uns aber nicht. Darüber hinaus gibt aber auch ganz faktische Falschaussagen.

Nämlich?

Der stellvertretende Bürgermeister von Börgerende-Rethwisch behauptet, dass im Zuge einer Gemeindefusion möglicherweise die Amtsschule wegfallen würde – das ist schon ein starkes Stück. Klaus Bergmann ist auch Schulausschuss-Vorsitzender – da ist diese Äußerung fast schon ein Offenbarungseid.

Wie begründen Sie das?

Der Schuleinzugsbereich ist per Satzung vom Landkreis Rostock festgelegt – der würde sich auch nach einer Fusion nicht ändern. Das müsste Bergmann eigentlich wissen – da haben wir uns schon gewundert.

Was bemängeln Sie noch?

Es ist die Rede davon, dass Börgerende-Rethwisch als kleine Insel zwischen der künftigen Großgemeinde und Bad Doberan untergehen würde – das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Denn die Gemeinde entwickelt sich seit Jahren prächtig, hält am meisten für den Tourismus vor. Mit Blick auf Restaurants und Hotels hängt sie auch Nienhagen ab. Und diese Aussagen sind umso rätselhafter, weil die Kommune ja auch den Status eines Ostseebades erlangen möchte – das sieht nach meinen Informationen ganz gut aus.

Bergmann befürchtet zudem, dass bei einem Zusammenschluss das Vereinsleben in Börgerende-Rethwisch zum Erliegen kommt.

Auch das erschließt sich mir nicht – warum sollten Leute, die in ihrem aktuellen Verein zufrieden sind, nach einer Fusion plötzlich wechseln wollen und nicht weiterhin die zwei Kilometer zu ihrem Lieblingsverein fahren?

Befürworter heben immer wieder mögliche Synergie-Effekte hervor . . .

Aber diese Argumente sind doch nicht neu. Seit Jahren schlägt die Verwaltung vor, etwa bei den Bauhöfen oder der Feuerwehr die Kräfte zu bündeln. Im Übrigen haben wir einen Amts-Bauhof, in dem zwei Gemeinden aktiv sind – da können alle anderen auch mitmachen. Darüber hinaus wäre natürlich auch eine Amts-Wehr denkbar.

Bekommen Sie auch ganz persönlich Gegenwind zu spüren?

Ich bin nicht sicher, ob sich die Personen im Klaren darüber sind, welchen Schaden sie anrichten. Ich arbeite im Ordnungsamt und muss gelegentlich auch Anordnungen durchsetzen. Wenn ich dann zu hören bekomme, dass ich doch eh nichts drauf habe, ist das schon verheerend. Egal, wer in drei Monaten abtritt oder sich wieder zur Wahl stellt: Dieses negative Bild ist bei den Menschen in den Köpfen – und das Echo wird noch lange nachhallen.

Lennart Plottke

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