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Bad Doberan Angst um Aslan: Warum erst ein Londoner Tierarzt dem Hund aus Wittenbeck helfen konnte
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Wittenbeck: Londoner Tierarzt rettet Hund

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13:42 13.10.2020
Roland und Petra Kern mit Rhodesian-Ridgeback-Rüde Aslan (l.) und Hündin Nala. Quelle: Rolf Barkhorn
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Wittenbeck

Aslan geht es gut! Aber noch vor vier Monaten bangten seine Besitzer, Roland und Petra Kern (beide 56), um das Leben ihres Hundes, bis dieser im Juni in einer Londoner Tierklinik erfolgreich operiert werden konnte. Da lag bereits eine Odyssee hinter dem Vierbeiner und seinen Besitzern.

Der zweineinhalb Jahre alte Rüde der Rasse Rhodesian Ridgeback hatte vor knapp eineinhalb Jahren bei dem Gastwirtsehepaar ein neues Zuhause gefunden. Die Betreiber des Gasthofes „Zur Nassen Ecke“ in Wittenbeck hatten den Rüden schnell in ihr Herz geschlossen und in ihrer Freizeit viel mit ihm unternommen.

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Rostocker und Berliner Tierärzte konnten nicht helfen

Im Januar wurde die Freude der Kerns über ihr neues Familienmitglied jedoch getrübt, beide spürten, dass es dem Hund nicht gut ging. „Er roch übel aus dem Maul, ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt“, berichtet Roland Kern. Der Tierarzt fand schnell die Ursache – eine entzündliche Wucherung im Rachenraum, die er mit einem chirurgischen Eingriff entfernen konnte. Ein paar Wochen später war jedoch ein neues Geschwür gewachsen. Für die Kerns und ihren Hund Aslan begann eine Odyssee.

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In der Tierklinik in Rostock erreichten sie nichts und wurden an eine Berliner Veterinärklinik verwiesen. Die Onkologin dort sah selbst keine Möglichkeit, zu helfen. Das Ehepaar wurde weiter geschickt nach Hofheim am Taunus (Hessen). Die dortige Klinik verfügt ebenfalls über eine Tier-Onkologie. „Man sagte, dass sie Aslan operieren könnten. Also brachten wir ihn dorthin“, berichtet Roland Kern von einem Moment voller Hoffnung.

Hofheimer Klinik bot an, den Hund einzuschläfern

Die jedoch mit einem Anruf aus Hofheim bitter zerbrach. „Man erklärte uns, dass eine Operation von Aslan wenig Sinn hätte, weil sich der Krebs bereits in seinem hinteren Rachenraum ausbreiten würde.“ Stattdessen bot man uns an, das Tier vor Ort einzuschläfern. „Wir wurden gefragt, ob die Klinik ihn danach entsorgen solle oder wir den Kadaver abholen wollten.“

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Für das Ehepaar Kern war beides keine Option. Die vier bis zwölf Wochen, die der Hund nach Prognose der Hofheimer Tierärzte noch zu leben hatte, sollte er in Würde zu Hause verbringen. „Schlimmstenfalls hätten wir dann unseren Tierarzt in Kühlungsborn gebeten, Aslan einzuschläfern“, sagt Roland Kern.

Neue Hoffnung: Der englische Super Doc

Das bedeutete jedoch nicht, dass die Kerns schon aufgegeben hätten. Vor allem Petra Kern ließ es keine Ruhe. „Wir wollten und konnten ihn nicht einfach so aufgeben. Er gehört mit zur Familie!“, sagt sie. Dann bekam sie den Tipp, dass Professor Noel Fitzpatrick in England schon in schwersten Fällen Tiere erfolgreich behandelt hatte. Der gebürtige Ire betreibt in London eine Tierklinik und ist als „Super Doc“ eine TV-Berühmtheit auf den britischen Inseln.

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Schnell wollten die Wittenbecker einen Kontakt zum Professor nach London herstellen. „Allerdings sind wir beide in der englischen Sprache nicht so fit“, räumt Roland Kern ein. So wurde Neffe Stefan Kern kontaktiert. Der ehemalige Kühlungsborner lebt seit einigen Jahren in den USA. Er stellte zügig den Kontakt zur Londoner Klinik her und übersetzte für das Ehepaar, wann immer es nötig war. Ein Problem dabei waren die Zeitunterschiede zwischen Wittenbeck, London und Florida.

Diagnose nach erfolgreicher OP: Kein Krebs

Dann die gute Nachricht: „Wir erhielten eines Tages gegen 16 Uhr den Anruf, dass wir Aslan am nächsten Vormittag nach London zur Operation bringen könnten“, erzählt Kern. Das Ehepaar zögerte keinen Moment, packte die Sachen und fuhr mit dem Auto los, über die Niederlande und Belgien bis nach Coquelles nahe Calais in Frankreich. Mit dem Autozug ging es durch den Eurotunnel nach Folkstone in England und von dort dann bei Linksverkehr in die Hauptstadt des Königreiches. In die Klinik durften sie selbst nicht rein.

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„Vor der Kliniktür haben wir per Videoschalte mit dem Professor gesprochen, Stefan war aus den USA zugeschaltet und hat übersetzt“, setzt Roland Kern seinen Bericht fort. Zeit, sich London anzusehen, nahmen sich die Kerns nicht. Sie fuhren noch am selben Tag zurück. Mit der Klinik hielten sie telefonischen Kontakt. So erfuhren sie zeitnah, dass Aslan erfolgreich operiert worden war, dass sich die Krebsdiagnose nicht bestätigte und es dem Tier täglich besser ging. „Zehn Tage später konnten wir ihn wieder abholen“.

Zweite Operation in London verlief auch gut

Für eine zweite Operation, bei der noch ein Loch im Rachen des Hundes zu schließen war, ging es zwei Wochen später noch einmal per Auto nach London. Aber da durfte Aslan am selben Tag die Klinik wieder verlassen.

Das Ehepaar Kern will mit seinen Hunden – inzwischen ist noch die 18-wöchige Hündin Nala dazugekommen – wieder nach England reisen. „Wenn Corona überstanden ist, wollen wir nach London fahren und uns bei Professor Fitzpatrick und seinem Team bedanken und dann sehen wir uns die Metropole richtig an“, sagt abschließend ein glücklicher Hundehalter Roland Kern.

Von Rolf Barkhorn