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Bad Doberan Lehrerausflug ins Ostrockmuseum
Mecklenburg Bad Doberan Lehrerausflug ins Ostrockmuseum
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17:28 24.06.2019
Lehrer der Rock- und Popschule Rostock besuchen Ostrockmuseum in Kröpelin. Quelle: Rolf Barkhorn
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Kröpelin

 Schon mit der Wahl ihres Transportmittels, mit dem die Besucher aus der Hansestadt am Freitag nach Kröpelin anreisten, zeigten sie, dass ihr Ausflug etwas Besonderes ist.

Lehrer reisen mit dem Schulbus an

Lehrer und Dozenten der Rock- und Popschule Rostock ließen sich von einem auffallend gelb lackierten amerikanischen Schulbus in die Schusterstadt kutschieren. „Dass Lehrer für ihren jährlichen Ausflug einen Schulbus nehmen, finde ich schon mal sehr originell“, meinte dann auch Thomas Lehner. Der Musiker, Kröpeliner Stadtvertreter (CDU) und das Mitglied im Kuratorium des Ostrockmuseums erwartete die Gruppe, um sie durch das in Deutschland einzigartige Museum zu führen. Natürlich war es kein echter Schulbus, sondern das Fahrzeug eines Rostocker Reiseveranstalters, mit dem Fahrer Eckhard, selbst Schüler der Rock- und Popschule, seine Lehrer nach Kröpelin brachte.

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Lehner versammelte seine Gäste draußen vor dem Aufgang zum Museum, dass über den Räumen der Stadtbibliothek und des Stadt- und Heimatmusuems untergebracht ist, und erzählte ihnen, wie es zur Gründung des Ostrockmuseums kam. Er berichtete, dass ein Musiker aus Kröpelin die Idee zu diesem Projekt hatte, weil im Ortsteil Schmadebeck alljährlich der Dorfrock, ein Musikfestival vornehmlich gestaltet von Ostrockbands, stattfindet. Auchg erfuhren die Gäste aus Rostock, wie die Sammlung rasant anwuchs und schließlich Wismarer Studenten die Ausstellung professionell gestalteten.

Beim Rundgang mit der 15-köpfigen Gruppe aus der Hansestadt in den Auzsstellungsräumen des Ostrockmuseums wurde es mitunter dann recht eng. „Viel mehr hätten es nicht sein dürfen, dann hätten wir die Gruppe teilen müssen“, meinte Lehner. Großer Andrang herrschte dann am Schallplattenstand, der jenen Tresen baulich nachempfunden wurde, wie sie in den 80er Jahren in den Läden des VEB Deutsche Schallplatte in der DDR anzutreffen waren. Für Aufmerksamkeit bei den Musikdozenten sorgten hier nicht nur die zweiteiligen Handkopfhörer zum Anhören von Schallplattenmusik sondern auch die auf dem Tresen ausgelegten Exemplare der Zeitschrift „Melodie & Rhythmus“, die seit 1957 erschien, in den Kiosken der DDR laut Lehner aber zur sogenannten „Bückware“ zählte, weil sie von den Verkäufern meistens nur an gute Bekannte ausgegeben worden war.

Defekte Kabel gehörten zum Musikeralltag

Begeisterung löste bei den Besuchern dann auch die illustre Zusammenstellung von Musikinstrumenten auf der kleinen Bühne aus. Vom Vermona-Keybord über Gitarren aus tschechischer Produktion bis hin zum Plastikmikrofon wird gezeigt, mit welchen Instrumenten und Geräten die Musiker im Osten auskommen mussten, wenn sie kein Westgeld oder Beziehungen zur Beschaffung von teuren Westimporten hatten. Vor allem Christian Hänsel, der Inhaber der Rock- und Popschule, war entzückt. Entdeckte er doch links in der Ecke einen Gitarrenverstärker Regent 300 K. Den wollte er dann unbedingt testen und ließ sich von Thomas Lehner eine Gitarre geben. Letztlich aber scheiterte das Experiment. Das Anschlusskabel war defekt. „Wie im richtigen Leben“, feixte Hänsel. Denn der Rostocker ist selbst ein waschechter Ostrockmusiker, spielte in den frühen 1980er Jahren als junger Gitarrist in der Rostocker Band „Rosa Rock“. Defekte Kabel, so wusste er, konnten für Musiker zum Problem werden, wenn man keinen guten Techniker dabei hatte. „Wir hatten zum Glück einen guten Techniker in unserer Band. Ein wahres Basteltalent“, erinnerte sich Christian Hänsel, der im Jahr 2000 zusammen mit Sven Zimmermann, ebenfalls ein Mitglied von „Rosa Rock“ die Rock- und Popschule in Rostock gründete. „Im nächsten Jahr feiern wir 20-jähriges Jubiläum“, kündigt der Musiklehrer an.

Von den Ostrockern lernen

Nach knapp eineinhalb Stunden war der Rundgang des Fachpublikums durch die Ausstellung beendet. Einer der jüngeren Besucher meinte: „Mich hat erstaunt, welchen Einfluss dann doch die Musik von Bands wie den Beatles oder Black Sabbath auf Musiker im Osten hatte.“ Christian Hänsel schätzte abschließend ein, dass Musiker auch heute von den Ostrockern vor allem eines lernen könnten. „Wer Musiker sein will, darf sich nicht unterkriegen lassen, egal welche Schwierigkeiten oder Hindernisse ihm in den Weg gelegt werden. Die Ostrocker haben gezeigt, dass es geht“, meinte Christian Hänsel und betonte, dass es zwar sein erster aber ganz gewiss nicht sein letzter Besuch im Ostrockmuseum in Kröpelin gewesen ist.

Rolf Barkhorn

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