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Bad Doberan Zweckverband Kühlung legt zwei Kläranlagen still
Mecklenburg Bad Doberan

Zweckverband legt Kläranlagen still

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06:00 06.01.2020
Die Kläranlage in Moitin ist stillgelegt und wird zurückgebaut. ZVK-Chef Frank Lehmann (l.) und Mitarbeiter Roy Wisoschinski schauen sich die alte Anlage an. Quelle: Anja Levien
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Ravensberg

Der Zweckverband Kühlung (ZVK) hat seit Kurzem zwei Kläranlagen weniger. Das Schmutzwasser aus Moitin, Ravensberg und Krempin wird jetzt bis nach Neubukow geleitet und dort im Klärwerk aufbereitet. Die alten Anlagen waren marode, eine Sanierung nicht wirtschaftlich. Damit das Abwasser am Ziel ankommt, wurde eine neue Leitung verlegt und Pumpwerke gebaut.

Das alte Klärwerk in Krempin befindet sich in einem Holzhaus. Hier war zuletzt die Welle gebrochen, eine Reparatur sehr aufwendig. Quelle: Anja Levien

„Wir haben festgestellt, dass die Anlagen abgängig und erneuerungsbedürftig sind“, erläutert ZVK-Geschäftsführer Frank Lehmann. In Moitin sei der Zustand der Anlage grenzwertig, die Sicherheit bei den Tritten nicht mehr gegeben, zudem seien immer wieder Probleme mit Wühlmäusen aufgetreten. Die Anlage stamme von Anfang der 90er-Jahre, sei 2002/2003 erweitert worden. „Wir haben uns gefragt, ob wir eine neue Anlage bauen oder ob es Alternativen gibt, denn die Unterhaltung einer Kläranlage ist aufwendig.“

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ZVK-Mitarbeiter Roy Wisoschinski ergänzt: „Wir haben eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gemacht.“ Investitionskosten und Kosten für den Betrieb über die Dauer von 30 Jahren wurden unter anderem berücksichtigt. „Eine Überlandleitung ist unterm Strich das Wirtschaftlichste.“ Denn auch der Wartungsaufwand falle bei einem Pumpwerk geringer aus.

Bessere Steuerung auf größerer Anlage

Und: „Aus einer größeren Kläranlage bekommen wir ein besseres Ergebnis“, sagt Frank Lehmann in Bezug auf die Wasserqualität und die Ökobilanz. Denn das gereinigte Wasser wird in Neubukow in den Hellbach geleitet.

Klärwerk in Neubukow Quelle: Anja Levien

„Auf der Kläranlage in Neubukow können wir besser steuern, welche Stoffe wir für die Reinigung hinzugeben“, erläutert der ZVK-Chef, weist aber ausdrücklich darauf hin, dass das Abwasser aus den Kläranlagen in Krempin und Moitin qualitativ in Ordnung war. In Neubukow erreiche der Zweckverband aber eine bessere Ökobilanz, weil es aufgrund der Größe der Anlage mehr Stellschrauben gebe. „In der großen Anlage kann der Ammoniak-Nitrat-Abbau gesondert reguliert werden“, nennt Roy Wisoschinski ein Beispiel.

Zwei Kläranlagen für 1000 Einwohner

Die Kläranlage in Moitin war für die etwa 650 Einwohner in Kamin, Moitin und Ravensberg ausgelegt, die in Krempin für 350 Einwohner.

Blick in das neue Pumpwerk in Moitin. Quelle: Anja Levien

Damit das Schmutzwasser nach Neubukow gelangt, wurden in Moitin und Krempin Pumpwerke gebaut sowie das vorhandene in Ravensberg umgebaut. Zudem wurde von Ravensberg nach Neubukow eine neue Druckrohrleitung verlegt. Die Bauarbeiten dauerten von August 2018 bis September 2019. Insgesamt wurden 1,3 Millionen Euro investiert.

In Moitin sowie Krempin wurde das Pumpwerk neben die Anlage gebaut. In Krempin gibt es zudem eine Eisensalz-Dosierstation. Grund: Wenn das Schmutzwasser länger als zwei Stunden unterwegs ist, fängt es an, zu faulen, wird zu Schwefelwasserstoff. Das Eisensalz bindet den Schwefel.

Im Schnitt sei das Abwasser 12 bis 16 Stunden unterwegs, erläutert Roy Wisoschinski. Es fließe mit einer Geschwindigkeit von 0,7 bis 1 Meter in der Sekunde, wird in den Pumpwerken angestaut, bis eine bestimmte Höhe erreicht ist und dann weitergepumpt.

Touristengebiet ohne Klärwerk

19 Kläranlagen sind im Verbandsgebiet, das von Rerik bis nach Schwaan reicht. Die größten stehen in Bad Doberan, Neubukow, Kröpelin, Satow und Schwaan. In Kühlungsborn und Rerik gebe es keine Kläranlage. „Wir sind ein touristisch geprägtes Gebiet und wollen keine Kläranlage am Salzhaff, um den Konflikt aus dem Weg zu gehen“, sagt Frank Lehmann in Bezug auf mögliche Geruchsbelästigungen. Wäre nicht so viel in die Anlagen investiert worden, würde es auch keine blaue Flaggen an den Stränden geben, ist sich der Verbandschef sicher. Diese erhalten Gemeinden und Städte, die besonders saubere Strände mit guter Wasserqualität vorhalten.

Die Kläranlagen seien im Moment gut ausgelastet. „Wir haben sie über Jahre optimiert und dem Bedarf angepasst“, sagt Frank Lehmann. Dennoch würde die Kapazität ständig überprüft. Denn Städte und Gemeinden wachsen.

Das alte Klärwerk in Krempin. Quelle: Anja Levien

Die Kläranlage in Moitin werde 2020 zurückgebaut, ebenso in Krempin. Für das Holzhaus dort gebe es schon einen Interessenten, der es weiternutzen möchte.

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Über die Autorin

Von Anja Levien

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