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Mecklenburg Dritter Frühling für die Feuerwehr-Oldies
Mecklenburg Dritter Frühling für die Feuerwehr-Oldies
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16:39 24.04.2019
Hat neben Feuerwehr-Modellen auch 19 Oldtimer in seiner Sammlung: Wolfgang Scheil vom Feuerwehrverein Bad Doberan. Quelle: Andreas Meyer
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Bentwisch/Mönchhagen

Werkstatt statt Schrottplatz: Die Mitglieder der Feuerwehren aus Bentwisch und Mönchhagen werkeln an ihren Oldtimern aus DDR-Zeiten lieber herum, statt sie verschrotten zu lassen. Sie werden repariert, gewartet und poliert – und könnten sogar noch Einsätze fahren. In den Räumen der Bentwischer Feuerwehr steht ein 35 Jahre alter Trabant in glänzend roter Farbe. Auf dem Dach zwei blaue Rundum-Leuchten und eine Vorrichtung für Saugschläuche, im Kofferraum eine Tragkraftspritze – so, wie viele Leute das Fahrzeug aus Zeiten vor dem Mauerfall noch kennen. Nur die Farbanordnung mit weißer Motorhaube und weißen Türen ist optisch leicht verändert.

Sein letzter Einsatz liegt zwar schon Jahre zurück – aufs Abstellgleis wird der Trabi dennoch nicht verbannt. „In viel Eigenleistung werkeln wir in unserer Freizeit an diesem Fahrzeug“, sagt Feuerwehrmann Sven Rothe. „Er soll uns schließlich noch viele Jahre erhalten bleiben.“ Vor knapp 20 Jahren kam das Kultfahrzeug der DDR aus privaten Händen zur Wehr. Auch wenn es einen Ernstfall gab, konnten die Bentwischer Feuerwehrmänner auf den Trabant zurückgreifen. Jeder einzelne Einsatz wurde dokumentiert. „Neun Mal hatten wir ihn dabei“, sagt Sven Rothe beim Blick ins Fahrtenbuch. „Etwa, wenn ein Keller ausgepumpt werden musste.“ Seine letzte große Tour hatte er im Sommer 2011, als das Jahrhunderthochwasser sämtliche Feuerwehren aus Rostock und Umgebung wochenlang beschäftigte: „Wir haben damals jedes einzelne Einsatzfahrzeug benötigt.“

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Auch im benachbarten Mönchhagen legt man viel Wert auf Tradition. Dazu gehört zweifelsohne der Barkas B 1000, den sich die Feuerwehr 1975 zugelegt hat. „25 Jahre lang war er im Einsatz. Im Schnitt ist er neun Mal im Jahr ausgerückt“, sagt Feuerwehrmann Martin Krack. Der B 1000 war als Kleinlöschfahrzeug KLF-TS 8 das Standardfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehren in der ehemaligen DDR. Zur Ausstattung gehörten drei Druckluftatmer, ein 80 Meter langer Druckschlauch sowie eine Tragkraftspritze.

„Lange wurde überlegt, ob das Fahrzeug verschrottet werden soll. Wir bereuen es bis heute nicht, dass wir es nicht getan haben“, so Krack. Acht Jahre lang stand der Barkas in einer Scheune, wurde anschließend in mühseliger Arbeit wieder instand gesetzt: „Nach Feierabend haben wir das Fahrzeug mit dem Sandstrahler bearbeitet, die Bleche neu lackiert und viel geschraubt.“ Zwei Jahre hat es gedauert. Fahrzeugteile wurden sogar auf dem jährlich stattfindenden Ostblock-Fahrzeugtreffen in Pütnitz getauscht. Einige Teile sind noch als Original erhalten geblieben – etwa die Holzvorrichtung für die Saugschläuche auf dem Dach oder die Pumpe.

Die 25 Mitglieder des Feuerwehrvereins Bad Doberan schrauben und tüfteln ebenfalls an 19 verschiedenen historischen Fahrzeugen. „Wir reparieren alles selbst“, sagt der Vorsitzende Wolfgang Scheil. In der Fahrzeughalle am Thünenhof stehen die Oldtimer dicht an dicht. „Wir dürften uns mit unserer Sammlung auch Feuerwehrmuseum nennen“, meint Scheil.

Heute präsentieren die Feuerwehren ihre historischen Fahrzeuge vor allem auf Dorffesten: „Das Interesse an diesen Fahrzeugen ist immer noch groß“, sagt Sven Rothe. „Die Leute stehen auch am Straßenrand und winken, wenn wir vorbeifahren – es macht schon Spaß, damit durch die Gegend zu fahren.“

Lennart Plottke