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Grevesmühlen 15 Millionen Euro aus Brüssel für 140 Vorhaben in Nordwestmecklenburg
Mecklenburg Grevesmühlen

15 Millionen Euro aus Brüssel für 140 Vorhaben in Nordwestmecklenburg

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17:56 23.01.2020
Das Gemeindezentrum Blowatz wurde im Herbst 2017 eingeweiht. Quelle: Heiko Hoffmann
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Wismar

„Leader ist ein Segen für den ländlichen Raum“, sagt Erich Reppenhagen. Der EU-Beauftragte in Nordwestmecklenburg meint das Förderprogramm der Europäischen Union. „Es tangiert durch die enorme Vielfalt der Projekte nahezu jeden Lebensbereich der ländlichen Bevölkerung.“ 1995 ins Leben gerufen, wurden seitdem in der Leader-Region Westmecklenburgische Ostseeküste etwa 140 Vorhaben durch 15 Millionen europäische Gelder mitfinanziert. In diesem Jahr endet die vierte Förderperiode. „Brüssel wird aber weiterhin Geld zur Entwicklung des ländlichen Raums geben“, informiert Reppenhagen.

66 Projekte von 2014 bis 2020 gefördert

In der Förderperiode von 2014 bis 2020 flossen sechs Millionen Euro EU-Geld in die Regionalentwicklung. „Es war nicht ausreichend, um alle Wünsche der Antragsteller zu erfüllen. Aber das Wichtigste konnten wir umsetzen“, zieht der Vorsitzende der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Bilanz. 66 Projekte in allen Teilen der Region wurden gefördert. Die höchsten Summen erhielten Blowatz für sein Gemeindezentrum (rund 400 000 Euro), die evangelische Kirchengemeinde Dorf Mecklenburg zur Sanierung der Pfarrscheune (295 445 Euro), Boltenhagen für den Schulhof (fast 277 000 Euro) und die evangelische Kirchengemeinde Hornstorf für die Sanierung des Kirchturms (rund 270 000 Euro).

Auch kleine und private Initiativen bedacht

Aber auch kleine Projekte wurden bedacht, etwa der Rosengarten-Verein in Dassow (13 927 Euro), die Bartel & Thoma GbR für die Grevesmühlener Mühle (12 097 Euro) oder Silke und Uwe Becker in Schönberg für die Sanierung der alten Apotheke im Baudenkmal (11 932 Euro). „Nicht nur Kommunen und Vereine können Projekte zur Förderung einreichen, sondern auch Privatpersonen“, informiert Erich Reppenhagen. Allerdings werden sie mit einem niedrigeren Prozentsatz gefördert. „Leader unterstützt auch Projektträger, die nie eine staatliche Förderung bekommen würden“, verweist der Regionalmanager auf eine Besonderheit und denkt unter anderem an die Gemeinschaft Olgashof. Zudem gehe der Trend inzwischen dahin, kleinen Initiativen zu helfen.

In diesem Jahr Geld für drei Vorhaben

In diesem Jahr reicht das Fördergeld laut Reppenhagen noch für drei Projekte. Der Dassower Duathlon-Verein erhält für einen Trimm-Dich-Pfad 12 147 Euro, der Verein Winkelleu.de in Grevenstein 90 831 Euro, um einen Netzwerktreffpunkt zu schaffen, und der Storchenhof von Familie Sauer in Reinstorf 18 025 Euro für den Ausbau seiner Hofschlachterei. Die übrigen sechs Projekte in der Prioritätenliste sollen in der nächsten Förderperiode von 2021 bis 2027 berücksichtigt werden, versichert der Regionalmanager. Dann wird allerdings weniger Geld zur Verfügung stehen. „Angekündigt ist, dass Brüssel die Fördersumme um etwa 20 Prozent senkt.“

Aktionsgruppe entscheidet über Verteilung

„Unsere Lokale Aktionsgruppe hat jedes Jahr die Gelder ausgegeben, die uns zur Verfügung standen. Damit sind wir Spitze im Land“, sagt Reppenhagen nicht ohne Stolz. 14 Mitglieder unterschiedlicher Interessengruppen in der LAG, wie die Bauern, Tourismusvertreter, die Landfrauen und der Naturbund, sorgen für „eine ziemlich homogene Verteilung“. Hin und wieder sehe sich die LAG mit dem Vorwurf konfrontiert, die Mitglieder würden nur ihre Freunde fördern. „Das stimmt nicht. Die Mitglieder bewerten jedes eingereichte Projekt mit Punkten. Da kann die Gruppe gar nicht schummeln. Außerdem sitzt das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt mit am Tisch“, erläutert Reppenhagen das Verfahren. „Es ist relativ objektiv.“

Ärger über überzogene Forderungen vom Land

Ziemlich geärgert habe ihn, dass die drei Wismarer Vereine, die das Baumhaus im Alten Hafen zu einem Maritimen Traditionszentrum umgestaltet haben, ohne Fördermittel auskommen mussten. „Wir hatten mehr als 200 000 Euro aus dem EU-Meeres- und Fischereifonds befürwortet. Doch das Fischereireferat im Landwirtschaftsministerium hat immer wieder neue Nachforderungen gestellt, so dass die Vereine letztlich auf die Förderung verzichtet haben.“ Für Erich Reppenhagen war dieser Umgang mit den Projektträgern unter anderem ein Grund, nach Brüssel zu fahren und Problemlagen zu erörtern. „Mecklenburg-Vorpommern legt den geforderten Fischereibezug für beantragte Projekte zu eng aus, wurde uns gesagt. Die Forderungen waren überzogen. Das Land betreibe Prinzipienreiterei, hieß es.“

Neue Ideen bis Jahresmitte einreichen

Bis zum 30. Juni sammelt die Lokale Aktionsgruppe neue Projektideen für die nächste Förderperiode, informiert Erich Reppenhagen. „Das kann alles sein, was die Lebensqualität der hier lebenden Menschen und der Gäste verbessern hilft“, sagt der 61-Jährige und nennt Beispiele: „Von typisch dörflichen Gemeindezentren, Spiel- und Erlebnisplätzen, kreativen Kinder- und Jugendprojekten bis hin zu Rad- und Wanderwegen, der Sanierung denkmalgeschützter Bausubstanz sowie Kunst-, Kultur- und Naturprojekten.

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