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Grevesmühlen 200 Gäste, kiloweise Essen und mahnende Worte beim Neujahrsempfang Boltenhagen
Mecklenburg Grevesmühlen

200 Gäste, kiloweise Essen und mahnende Worte beim Neujahrsempfang Boltenhagen

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13:53 21.01.2020
Stoßen auf einen gelungenen Abend an: (v. l.) Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss, Edzard-Andres Plath (Geschäftsführer der Weißen Wiek), Kurdirektorin Claudia Hörl, Boltenhagens Bürgermeister Raphael Wardecki und Hoteldirektorin Miriam Meurer. Quelle: Jana Franke
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Boltenhagen

Dass es mal knirscht und knarrt, davon kann sich wohl kaum eine Stadt oder eine Gemeinde freisprechen. Und dennoch ist Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) in diesem Punkt irgendwie schon seit längerer Zeit eine kleine Besonderheit. Anfeindungen, Respektlosigkeit, Argumentieren unter der Gürtellinie, Unsachlichkeit, Neid, Missgunst – öffentlich oder hinter vorgehaltener Hand. So wundert es nicht, dass zum wiederholten Male der Neujahrsempfang genutzt wird, um politische Grabenkämpfe zu thematisieren.

Wenn die Vorsitzende des Seniorenbeirats aus dem Ort wegzieht, weil ihr der Rückhalt der Gemeinde fehlt, und dem Bürgermeister die Reifen zerstochen werden, „dann geht das entschieden zu weit“, mahnt Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss (SPD) in ihrer Ansprache. Vor allem in den sozialen Medien sei der Ton rauer geworden.

Durchziehen statt durchhalten

Das Ehrenamt müsse geschützt werden und die Kreisverwaltung stehe gern als Ansprechpartner zur Verfügung. Sie wünscht sich für Boltenhagen vor allem Respekt und einen vernünftigen Umgang miteinander – und dem neuen, jungen Bürgermeister, Raphael Wardecki, Durchhaltevermögen.

Der 28-Jährige will allerdings nicht durchhalten, sondern es durchziehen, wie er sagt. Auf die Grabenkämpfe geht er in seiner weitestgehend freien Rede nicht ein. Er will allen – sowohl Touristen als auch Einwohnern mit oder ohne politischer Funktion – auf Augenhöhe begegnen und sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Der Umgang hat sich geändert

Vor allem das Thema Verkehr liegt dem Gemeindeoberhaupt am Herzen. „In der Ostseeallee sehen, hören und riechen wir die Autos. Auf dem Bürgersteig kommt es zu Rempeleien zwischen Radfahrern und Fußgängern. Im Sommer ist Chaos“, verdeutlicht er. Wie schön wäre es für ihn, wenn er vor der Kurverwaltung stehen und stattdessen das Meer riechen und rauschen hören würde. Der Verkehr im Ortskern müsse in naher Zukunft deutlich verringert werden.

So manchem Kritiker und Zweifler hat er anscheinend mit seinem sonnigen Gemüt den Wind aus den Segeln genommen. „Heute Abend ist der eine oder andere auf mich zugekommen und hat mir Mut gemacht“, freut er sich. Das gibt Kraft fürs Durchziehen.

Viele Gäste an vielen Tischen: Etwa 200 Personen aus Politik, Wirtschaft und Ehrenamt folgten der Einladung der Kurverwaltung und der Gemeinde. Quelle: Jana Franke

Auf eine gute Zeit mit dem neuen Bürgermeister freut sich auch Kurdirektorin Claudia Hörl. Auch hier ist deutlich zu spüren: Der Umgang ist ein anderer, als es seit ihrer Tätigkeit als Kurdirektorin im Jahr 2012 war. „Das ist wichtig für den Ort, um ihn weiterzuentwickeln“, meint sie. „Ich hoffe, dass die Grabenkämpfe nachlassen und das neue Jahr harmonisch wird.“

Blick hinter die Kulissen des Empfangs

In den Mittelpunkt rückte sie den Begriff „Dankbarkeit“. Anlass für die OZ, einmal hinter die Kulissen des Neujahrsempfangs in der Festscheune an der Weißen Wiek zu schauen. Denn für Gemütlichkeit sorgten neben Hoteldirektorin Miriam Meurer allen voran die Kollegen im Servicebereich.

War für das reichhaltige Büfett zuständig: Postenchef Pascal Beirow (l.). Quelle: Jana Franke

Essen – zugegeben, immer ein wichtiger Punkt auf Empfängen. Dem nahmen sich Postenchef Pascal Beirow und seine Kollegen an. Gefüllter Rippenbraten auf Wirsing, Dorschfilet, Maishähnchen, Schwenkkartoffeln, Gnocchis, Gemüse, Salate, Suppe, Käse und natürlich Desserts. Vier Tage habe die Produktionsvorbereitung gedauert, beziffert er. 30 Kilogramm Fleisch, 30 Kilogramm Fisch, 30 Kilogramm Kartoffeln und 10 Kilogramm Nudeln sind beispielsweise verarbeitet worden.

600 Teller waren im Einsatz

Für Gemütlichkeit am Tisch sorgten Natalie Jaquemotte und ihre Kollegen. Gekonnt wuchtete sie trotz Verband am linken Handgelenk bis zu sechs schwere Teller vom Saal in einen Nebenraum. Von dort aus ist das Geschirr direkt zum Abwasch ins Nebengebäude transportiert worden. 600 Teller waren im Einsatz und ebenso viele Gläser.

Hatte mit ihren Kollegen viel zu tun: Natalie Jaquemotte vom Iberotel. Quelle: Jana Franke

Was sich die Kurverwaltung und die Gemeinde den Neujahrsempfang kosten ließ, war weder aus Claudia Hörl noch aus Raphael Wardecki herauszubekommen. „Es ist zumindest so viel, dass wir uns diesen nur noch alle zwei Jahre leisten“, sagt der Bürgermeister schmunzelnd.

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Von Jana Franke

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