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Grevesmühlen Ärzte fordern mehr Prävention
Mecklenburg Grevesmühlen Ärzte fordern mehr Prävention
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00:00 21.04.2015
Die Experten beim OZ-Forum (v.l.): Dr. Uwe Füllkell, Chefchirurg im DRK-Krankenhaus Grevesmühlen, Hals-Nasen-Ohren-Ärztin Dr. Sylvia Schnitzer, Anke Weihs, die in Grevesmühlen ein Sportstudio betreibt, und Dr. Dieter Kreye von der Kassenärztlichen Vereinigung.
Die Experten beim OZ-Forum (v.l.): Dr. Uwe Füllkell, Chefchirurg im DRK-Krankenhaus Grevesmühlen, Hals-Nasen-Ohren-Ärztin Dr. Sylvia Schnitzer, Anke Weihs, die in Grevesmühlen ein Sportstudio betreibt, und Dr. Dieter Kreye von der Kassenärztlichen Vereinigung. Quelle: Karl-Ernst Schmidt
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Grevesmühlen

Die eigene Gesundheit, das dürfte allgemeiner Konsens sein, ist das höchste Gut eines jeden Menschen. Doch ist die Region ausreichend mit Ärzten versorgt, um Gesundheit zu gewährleisten? Wird es auch in Zukunft noch genug Fachpersonal geben, dass im Krankheitsfall für die Menschen da ist? Was kann jeder Mensch selbst tun, um einen Arztbesuch so lange wie möglich zu vermeiden? Um diese und noch viele Fragen mehr ging es gestern beim Forum der OSTSEE-ZEITUNG im Luise-Reuter-Saal des Grevesmühlener Vereinshauses, moderiert von Michael Prochnow, dem Leiter des Grevesmühlener Pressehauses.

Mit Dr. Dieter Kreye von der Kassenärztlichen Vereinigung, der Grevesmühlener Hals-Nasen-Ohren-Ärztin Dr. Sylvia Schnitzer, Dr. Uwe Füllkell, Chefchirurg im DRK-Krankenhaus Grevesmühlen, und Anke Weihs, die in der ehemaligen Kreisstadt ein Sportstudio betreibt, hatten vier Experten auf dem Podium Platz genommen. Und ohne zu viel vorwegzunehmen: Die medizinische Versorgung ist nach Ansicht der Experten ausreichend. In Grevesmühlen könnte es aber mehr Bewegungsangebote für die Prävention geben. Allein wie die Menschen zu mehr Bewegung motiviert werden können, ist die große Frage.

Zu viel Bürokratie

„Die medizinische Versorgung in Deutschland ist im internationalen Vergleich ausgesprochen gut“, sagte Dieter Kreye. Gerade Grevesmühlen sei mit dem DRK-Krankenhaus gut ausgestattet. Die Probleme, die dazu führen, dass die Menschen das Gefühl haben, es gebe zu wenige Ärzte, gerade in ländlichen Regionen, seien an anderer Stelle zu suchen. So sind laut Kreye die Ärzte einen Großteil der Arbeitszeit mit der Bürokratie beschäftigt.

Auch seien demografische Veränderungen in der sogenannten Bedarfsplanung, die festlegt, wie viele Ärzte es für eine bestimmte Bevölkerungsmenge geben soll, nicht berücksichtigt. „Menschen werden immer älter, haben einige Krankheiten auch länger. Außerdem werden viele Operationen, die früher stationär erfolgten, mittlerweile ambulant durchgeführt“, sagte Kreye. Das wirkt sich zulasten der niedergelassenen Mediziner aus.

Zugleich wird es künftig immer schwieriger, den medizinischen Nachwuchs zu sichern. „Gutes Personal steht nicht mehr ohne weiteres zur Verfügung“, sagte Uwe Füllkell. Noch problematischer wird es, wenn die angehenden Ärzte lieber Facharzt als Allgemeinmediziner werden wollen. „Es besteht ein ungünstiges Verhältnis zwischen Hausärzten und Fachärzten“, sagte Dieter Kreye. Sylvia Schnitzer forderte deshalb eine bessere Verzahnung zwischen Kliniken und Arztpraxen.

Zu früh und zu oft zum Arzt?

Die Podiumsgäste sparten jedoch auch nicht mit mahnenden Worten an die Patienten. „90 Prozent der Beschwerden sind nach einer Woche von alleine wieder weg“, behauptet Dieter Kreye. Es müsse nicht immer gleich der Arzt konsultiert werden. Die Menschen hätten außerdem die guten alten Hausmittel vergessen, wie Sylvia Schnitzer anmerkte. „Viele Jüngere haben kein Fieberthermometer, wissen nicht, wie man Wadenwickel macht.“

Um die Wartezimmer der Region noch weiter zu entlasten, sei eines vor allem angeraten: Prävention. „Den Menschen ist das Köpergefühl abhanden gekommen, vor allem mit der Koordination haben viele Probleme. Dabei kann man mit wenig Bewegung schon viel erreichen“, sagte Anke Weihs, die in ihrem Studio elf Sportgruppen, darunter nur eine reine Männergruppe, trainiert.

Ein Beispiel dafür, was man mit Bewegung erreichen könne, lieferte Zuhörer Bernhard Schmidt, Leiter einer Diabetes-Selbsthilfegruppe: „Man die Krankheit nicht heilen, aber mit Bewegung beherrschen.“

Kampf gegen den Schweinehund

Doch wie so oft ist der sogenannte Schweinehund das Problem. Denn abseits von Klagen über Computer spielende, übergewichtige Kinder und verantwortungslose Eltern stellt sich die Frage: Wie schafft man es, die Menschen heutzutage zu mehr Bewegung zu motivieren? Die öffentliche Hand sei dafür nur bedingt zuständig, so die überwiegende Meinung im Grevesmühlener Vereinshaus. „Jeder ist für sich selbst daran interessiert, gesund zu bleiben“, sagte Dieter Kreye. Weder die Krankenkassen noch die Verwaltung noch die Politik sei dafür heranzuziehen.

„Den Leuten muss aber gezeigt werden, was sie alles machen können“, sagte Dr. Elke Hartz, Zuhörerin und Ärztin in Grevesmühlen. Eine Idee ist, den Trimm-Dich-Pfad am Tannenberg umzusiedeln, die Bürgerwiese in eine Art Mehr-Generationen-Sportplatz zu verwandeln. Grevesmühlens Bauamtsleiter Lars Prahler, der gemeinsam mit Bürgermeister Jürgen Ditz das OZ-Forum verfolgte, versicherte, dass ein Konzept für die Neugestaltung der Bürgerwiese, auch mit Trimm-Dich-Geräten, in der Schublade liege. Allein am Geld haperte es bisher. „Wir hoffen auf eine Umsetzung in den nächsten zwei, drei Jahren“, sagte Prahler. Was die Menschen dann daraus machen, liegt an ihnen selbst.



Robert Niemeyer