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Grevesmühlen Wie wird Grevesmühlen eigentlich zur Smart City?
Mecklenburg Grevesmühlen Wie wird Grevesmühlen eigentlich zur Smart City?
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09:22 11.07.2019
Die Rohre für die Glasfaserleitungen sind in Diedrichshagen bei Grevesmühlen bereits verlegt worden. Quelle: Michael Prochnow
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Grevesmühlen

Ein schneller Internetanschluss ist in etwa wie eine nagelneue Autobahn, schön anzusehen, aber ohne die entsprechenden Anschlüsse und Fahrzeuge hat niemand etwas davon. Und so geht es Grevesmühlen mit dem Breitband. Bis Ende kommenden Jahres will die Wemacom die überwiegende Anzahl der Haushalte mit Glasfaserleitungen ausstatten. Gigantische Übertragungsraten sind dann möglich. Aber wofür brauchen die Grevesmühlener die überhaupt? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu dem Thema und zu den 675 000 Euro Fördermittel, die die Stadt für das Modellprojekt „Smart Cities“ erhält.

Wie weit ist Grevesmühlen in Sachen W-LAN?

Vor zwei Jahren hat die Stadt eine Arbeitsgruppe gegründet, in der IT-Experten mit Unternehmern und Lokalpolitikern Ideen entwickeln, wie Grevesmühlen sich künftig aufstellt in Sachen Internet. Ein erstes Ergebnis ist das von den Stadtwerken umgesetzte kostenfreie W-LAN, das rund um den Marktplatz, in Teilen der Wismarschen und August-Bebel-Straße empfangbar ist. Ziel ist es, dieses kostenfreie Netz über das gesamte Stadtgebiet zu legen. Für alle, die ihren Internetanschluss zuhause kündigen wollen: Das W-LAN der Stadtwerke lässt kein Dauersurfen zu, nach etwa einer Stunde müssen sich die Nutzer neu einwählen.

Was ist die Plattform „Grevesmühlen erleben“?

Wer das kostenfreie W-LAN nutzt, bekommt die Plattform/Internetseite „Grevesmühlen erleben“ angezeigt. Dort sollen die Nutzer in den kommenden Jahren alle wichtigen Infos angezeigt bekommen. Je nach Standort können das aktuellen Angebote der Einzelhändler sein, die Öffnungszeiten und Angebote des Museums, der Service aus dem Rathaus oder die neuesten Nachrichten der OZ sowie Konzerttermine, Vereinsangabote und vieles andere mehr. Die Plattform befindet sich im Aufbau.

So kaufen Jugendliche heute ein

Moritz Kötzing ist 17 Jahre alt und Schüler am Gymnasium in Grevesmühlen. Wir haben ihn gefragt, wie seine Generation einkauft.

Wo kaufe ich die Sachen, die ich mir kaufen möchte ein und warum?

Das geschieht im Internet, weil es in meinen Augen einfach bequemer ist. Heutzutage ist das einfach angenehmer, weil man eine unendliche Auswahl hat und sich in Ruhe im Internet informieren kann. Außerdem muss man in Geschäften immer auf die Öffnungszeiten achten. Manchmal hat man einfach Zeiten, wo es zeitlich durch viele Termine nicht anders geht und man sich aber trotzdessen an die Öffnungszeiten der Läden halten muss. Wenn man zu Hause ist, hat man in Ruhe Zeit sich um den Kauf zu kümmern und man findet auch schnell einen direkten Vergleich zu einem anderen Produkt, denn der ist immer nur eine Website entfernt.

Wieso gehe ich in keinen Laden um mich zum Beispiel über ein Produkt zu informieren?

Weil der Laden immer mit einem Weg dorthin verbunden ist und den viele Jugendliche heute nicht gehen wollen, weil ihnen dies zu lang ist. Es ist immer ein Aufwand an Zeit. Im Internet hat man eine sehr vielfältige Auswahl an Produkten und vor allem auch an Informationen. Außerdem kann man auch Screenshots von der Website, wo man das Produkt gefunden hat machen und sie verschicken. Das ist viel einfacher, als in einen Laden zu gehen und sich von dort aus Informationen zu beschaffen, oder auch Bilder zu machen. Wenn Freunde einen einfach per Whatsapp ein Screenshot über das Produkt schicken, das man bekommen möchte, dann ist das sehr viel unkomplizierter, da man sich ja auch nur noch mit ihnen schreiben und sich nicht mehr mit ihnen treffen muss um etwas zu besprechen.

Wieso ändere ich nichts an meinem Kaufverhalten?

Hier liegt es einfach an der Bequemlichkeit, an die man heutzutage schon angepasst ist, weil man es einfach nicht anders kennt. Wenn man mit etwas zufrieden ist, (in diesem Fall die Einfachheit des Onlinekaufs) denn ändert man auch in der Regel nichts daran, denn wieso Veränderungen, wenn doch alles gut läuft (so das Denken bei den Jugendlichen heute)? Man ist schon so sehr an die jetzige Situation gewöhnt, sodass man sich eine ohne das Internet gar nicht mehr richtig vorstellen kann. Man ist einfach von dem,was man tut, überzeugt.

Möchte ich mich auch auf Alternativen beim Kauf von Produkten überhaupt einlassen?

Nein, weil ich mit der jetzigen Situation zufrieden bin und es über den Online-Versandhandel schneller geht. Außerdem hat man die Möglichkeit sich während seiner Kaufphase mit seinen Verwandten oder Freunden über das Produkt auszutauschen und sich noch während des Kaufs Ratschläge, eben nicht nur von den jeweiligen Verkäufern oder Verkäuferinnen anhören zu lassen. Zu Hause sind viele andere Jugendliche genauso wie ich auch in der eigenen Komfortzone, die man im Zeitalter von Computern wirklich ungerne verlässt. Deshalb kaufe ich persönlich lieber über das Internet ein.

Kann ich mein Kaufverhalten auch so ausrichten, dass ich das digitale und analoge Einkaufen von Produkten kombinieren kann?

Ja, dass könnte ich machen, weil es sicherlich nicht nur Vorteile beinhaltet im Internet einzukaufen. Im Geschäft ist vieles persönlicher als online, aber die Auswahl an Produkten ist in einem fachspezifischen Laden begrenzt, da man ja nur die eine Marke im Laden hat, die man kaufen will. Wenn man noch nach anderen Sachen Ausschau halten will, dann muss ich den Laden wechseln. Allerdings ist das Fachwissen der Mitarbeiter sicherlich umfangreicher als in einer Onlinebeschreibung eines Produktes. Das Interagieren mit anderen Menschen würde mich persönlich schon mehr ansprechen, als sich einfach nur stundenlang Beschreibungen durchzulesen. Da finde ich das Konzept aus der Stadtapotheke in Grevesmühlen gut, dass man etwas zwar online kauft, aber denn in den Laden gehen muss, um sich das Produkt denn abzuholen. So gibt es die bequeme Art, im Internet etwas zu kaufen, zum anderen aber auch die persönliche Kundenberatung.

Und was bedeutet „Smart Cities“ für die Grevesmühlener?

Aktuell nicht viel, allerdings hat sich die Stadtverwaltung mit ihrem Partner, den Stadtwerken, sowie der Arbeitsgruppe auf die Fahne geschrieben, intelligente Lösungen zu finden, um das Leben und Arbeiten in der Stadt attraktiver zu machen. Das können Dienstleistungen der Mediziner sein, die online angeboten werden, Angebote der Händler, Treffen von Vereinen und mehr. Bürgermeister Lars Prahler betont in diesem Zusammenhang allerdings auch, dass niemand befürchten müsse, dass Kommunikation in Grevesmühlen nur noch digital stattfinden würde. „Worum es geht, ist, dass wir alle Möglichkeiten nutzen wollen, um die Stadt attraktiver zu machen. Und zwar für alle Generationen. Grevesmühlen wird immer mehr digital, bleibt aber analog.“

Was ist die große Herausforderung bei der Digitalisierung?

Auszug aus dem Masterplan der Stadt Grevesmühlen: Rein digitale Dienstleistungen werden das Gros der heimischen Unternehmen nicht leisten können. Das Ziel für die Unternehmen muss sein, die analogen Dienstleistungen im Einzelhandel oder im Handwerk sowie bei größeren Unternehmen digital abzubilden, um für sie zu werben. Es gilt aber auch, die Vorteile der Ortsansässigkeit und des konkreten Produkts des Unternehmens durch digitale Lösungen heraus zu streichen. „Click & Buy“, „digitales Wartezimmer“, logistische Modelle, „Busauskunft online“ sind zum Beispiel Lösungen, die nur von Unternehmen vor Ort zu leisten sind und Mehrwerte erzeugen. Hauptzweck der aktiven Steuerung dieses Prozesses ist, konkrete Mehrwerte für Kunden und Unternehmen zu erzeugen. Und es gilt durch die breite und ganzheitliche Herangehensweise Standortvorteile für die Stadt zu generieren. Eine digital gut aufgestellte Stadt wird auch analog erfolgreich sein.

Wer arbeitet an dem Konzept „digitale Stadt“ mit?

Seit Dezember 2018 gibt es einen Digitalbeauftragten bei den Stadtwerken Grevesmühlen, das ist IT-Experte Steffen Weihe, der unter anderem als Ansprechpartner für die Firmen fungiert. Die Stadtwerke nehme eine führende Rolle bei der Ideenentwicklung und -sammlung ein. Der Prozess soll durch eine Kooperation mit dem Lehrstuhl Business Information Systems & Enterprise Models an der Hochschule Wismar begleitet werden. Wesentlicher Baustein hierbei ist die Vergabe von Projektaufträgen, Masterarbeiten und wissenschaftlich begleiteten Modellprojekten.

Wie lauten die Ziele für das Modellprojekt?

So könnte zum Beispiel das städtische Museum digitalisiert werden, so dass die Ausstellungen online zu sehen sind. Ein Rundweg, abrufbar über das Smartphone durch die Stadt und die Umgebung könnte Touristen nicht nur anlocken, sondern für Grevesmühlen begeistern. Eine Apotheken-App für Grevesmühlen ist ebenso im Gespräch wie Online-Terminvergaben bei Ärzten und anderen Dienstleistern. Digitales Marketing der Grevesmühlener Einzelhändler ist ebenfalls ein erklärtes Ziel. Ebenso sollen die Restaurants eingebunden werden.

Michael Prochnow und Moritz Kötzing

Von den rund 100 Händlern und Unternehmern in Grevesmühlens Innenstadt ist nur ein Bruchteil online aktiv unterwegs. Das soll sich ändern, so lautet die Zielsetzung der Stadt und der Stadtwerke.

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