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Grevesmühlen Alte Grenztürme in Nordwestmecklenburg: Relikte aus der Zeit vor dem Mauerfall
Mecklenburg Grevesmühlen Alte Grenztürme in Nordwestmecklenburg: Relikte aus der Zeit vor dem Mauerfall
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08:09 10.11.2019
Der Wald bei Pötenitz in Nordwestmecklenburg hat den alten Grenzturm erobert. Quelle: Annett Meinke
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Pötenitz

Wer die drei alten DDR-Grenztürme, die es in Nordwestmecklenburg noch gibt, nicht kennt und sich aufmacht, um auf eigene Faust nach ihnen zu suchen, wird in einem Fall zumindest leicht fündig. Einer dieser Überbleibsel alter DDR-Grenzanlagen Richtung Schleswig-Holstein befindet sich direkt neben der Bundesstraße 105, hinter der Stadt Dassow, Richtung Selmsdorf.

Betretbar ist der Turm, der sich in Privathand befindet und bisher nicht restauriert oder renoviert wurde, nicht. Als Fotomotiv, im Vorbeifahren oder Vorbeiwandern eignet er sich.

Alter Grenzturm an der Bundesstraße (B105) bei Dassow Quelle: Malte Behnk

Auf die Frage, wo sich der alte Grenzturm im Wald zwischen Pötenitz und der Lübecker Halbinsel Priwall befindet, reagieren die Männer, die an einer Baustelle an einer Nebenstraße in Pötenitz (Ortsteil von Dassow) stehen mit einem lapidaren Schulterzucken. „Gibt es da überhaupt noch einen?“, fragt einer von ihnen. Dann zeigt er auf einen Mann, der von einem Hof nebenan hinzukommt: „Wenn es einer weiß, dann er.“ Doch auch dieser Mann schüttelt nur mit dem Kopf. Von dem bei der B 105 hinter Dassow weiß er: „Aber hier bei uns im Wald? Nein, da ist keiner mehr.“

Im Herbst 1989 demonstrierten Hunderttausende in der DDR für Reformen und gegen Staatsgewalt. Auch in Rostock, Wismar, Stralsund, Greifswald und anderen Städten im Nordosten protestieren viele Menschen gegen die Zustände im Land.

Grenzenlos vom Priwall nach Boltenhagen

Am Strand auf dem Priwall, kurz vor Lübeck-Travemünde kennt sich eine Dame, die dort mit drei Hunden unterwegs ist, besser aus. Sie weist nicht nur auf die Existenz des großen Grenzsteins hin, der sich ein Stück weiter, direkt am Rad- und Wanderweg Richtung Lübeck „genau dort befindet, wo die ehemalige DDR früher aufhörte und Schleswig-Holstein beginnt“, sondern weiß auch, dass der Grenzturm im Wald noch existiert und auch genau, wie man ihn findet. „Wenn man von Lübeck aus kommt, kurz vor Pötenitz in der scharfen Linkskurve ist rechts ein kleiner Parkplatz. Von da aus führt ein Weg direkt zu diesem Turm.“

Auch auf die Gedenkstele am Strandaufgang macht die Dame aufmerksam. Die Stele gehört zum Projekt „Grenzenlos von Lübeck bis Boltenhagen“. Angela Radkte, die in Dassow-Vorwerk wohnt, hat das Projekt vor Jahren initiiert. Auf Stelen, die sich an verschiedenen Punkten innerhalb der ehemaligen innerdeutschen Grenze, dem heutigen „Grünen Band“, das durch Nordwestmecklenburg läuft, befinden, wird an das erinnert, was damals war, auch was passierte: Zeitzeugenberichte und Berichte von denen, die ihr Leben an der Grenze ließen.

Stelen am Priwall in Nordwestmecklenburg, die an die ehemalige Grenze zwischen Mecklenburg und Schleswig Holstein erinnern. Quelle: Annett Meinke

Das letzte Todesopfer, das die Grenze im Klützer Winkel forderte, war Jörg Martelok. Der Tag, an dem der erst 19-Jährige, beim Versuch von Boltenhagen durch die Lübecker Bucht zu schwimmen, ertrank, konnte nicht genau geklärt werden. Am 22. Mai 1989, gegen 23.30 Uhr fanden ihn DDR-Grenzer, angeschwemmt in Steinbek. Für die Zeit seines Todes wird der 8. bis 10. Mai 1989 angegeben.

Alles zum Thema 30 Jahre Mauerfall finden Sie auf dieser Themenseite

Im Wald bei Pötenitz

Der rot-weiß gemusterte Schlagbaum, der im Wald bei Pötenitz den Weg für Autos in Richtung des alten Grenzturmes absperrt, ist für Fußgänger leicht zu überwinden. Man geht einfach links daran vorbei. Unweigerlich wandern die Gedanken dabei mit. Hin zu dem Fakt, dass dort, wo man jetzt langgeht, damals kein Wald wachsen durfte. Die Fläche wurde 40 Jahre lang kahl gehalten, um Sicht- und Schussfreiheit für die Grenzsoldaten zu gewährleisten.

Weg zum ehemaligen DDR-Grenzturm im Pötenitzer Wald: Eine Absperrung gibt es noch heute, für Fußgänger allerdings leicht zu überwinden. Quelle: Annett Meinke

Auf Führungen, die der Dassower Heimat- und Tourismusverein unter dem Motto vom „Priwall nach Dassow“ durchführt, wird unter anderem davon berichtet. Auch ansonsten ist jeder, der etwas über die Geschichte des Grenzturms im Wald bei Pötenitz hören will, gut beraten, eine der geführten Wanderungen des Vereins mitzumachen. Zu manchen Gelegenheiten ist auch ein ehemaliger Grenzsoldat, der in Pötenitz wohnt, mit dabei.

Dass der Grenzturm im Pötenitzer Wald unter Denkmalschutz steht, ist auch dem Dassower Verein zu verdanken. „Es wäre schön, wenn der Turm saniert und der Öffentlichkeit zugänglich würde“, sagt Hans Espenschied, Vorsitzender des Vereins. Doch Gespräche diesbezüglich mit dem Bundesforstbetrieb Trave/Mölln, dem dieser Turm gehört, haben bisher nicht zum gewünschten Ergebnis geführt.

„Immerhin haben wir zum Tag des Offenen Denkmals in 2017 einige wertvolle Informationen darüber erhalten, wie das Innere des Turmes früher aussah.“, sagt Espenschied. Diese Informationen, samt Zeichnungen und Fotos, hat der Verein in einem Flyer verarbeitet. Interessierte können sich auf der Webseite des Vereins melden. Weitere Informationen zu diesem Turm und auch anderen, finden sich auf der Webseite www.grenzkommando.de

In Nordwestmecklenburg gibt es noch drei Grenztürme – keinen von ihnen kann man betreten.

Grenzturm bei Teschow

Der alte Grenzturm auf der Teschower Halbinsel am Dassower See ist auf eigne Faust am schwersten zu finden. Ortsunkundigen kann es leicht passieren, dass sie ihn gar nicht entdecken und unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen.

„Was der Naturschutzbehörde sicherlich nicht unrecht ist, die sich in diesem Gebiet keinen Massentourismus wünscht“, wie Marcus Kreft, Bürgermeister der Gemeinde Selmsdorf erklärt. Wie von ihm auch zu hören war, ist die Gemeinde mit der Sanierung dieses Turmes bisher auch noch nicht sehr weit gekommen. „Es sind verschiedene Interessen, die dabei berücksichtigt werden müssen, die der Unteren Naturschutzbehörde und des Denkmalschutzes.“

Kreft hofft, dass in naher Zukunft mit der Sanierung des Turmes auf Selmsdorfer Gemeindegebiet begonnen werden kann. „Um ihn wenigstens für die Zukunft zu erhalten.“ Doch betretbar wird wohl auch dieser Turm, zumindest in naher Zukunft, nicht werden.

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Von Annett Meinke

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