Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen Angebot für Schulen: Unterricht im Bunker Zurow
Mecklenburg Grevesmühlen Angebot für Schulen: Unterricht im Bunker Zurow
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:24 11.06.2019
Dieter Luchs zeigt 120 DDR-Plastiktüten in einem ehemaligen DDR-Bunker. Quelle: Jens Büttner/dpa
Zurow

Kunstobjekt und Zeitzeugnis: 120 Plastikeinkaufstüten aus der ehemaligen DDR waren während der dreitägigen Aktion „Kunst offen“ in einem früheren DDR-Bunker im Wald bei Zurow zu sehen. Mehr als hundert Besucher nutzten diese Gelegenheit am Pfingstwochenende. Sammler Dieter Luchs (79) und Yves Müller (52), dem der Bunker gehört, wollen aus der temporären eine Dauerausstellung machen – als Angebot eines authentischen Geschichtsunterrichts für Schulen.

„Anhand der 120 Plastiktüten lässt sich die Geschichte der DDR erklären“, sagt Dieter Luchs. Sie spiegeln die Bereiche Produktion, Handel, Tourismus und Politik wider, stammen von staatlichen Vereinen, erschienen zu Staats-, Betriebs- und Stadtjubiläen oder aus Anlass staatlicher Veranstaltungen wie das 5. Pioniertreffen 1964 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), Jugend- und Arbeiterfestspiele der DDR. „Mich interessiert das Motiv auf der Tüte“, sagt er.

120 DDR-Plastiktüten im Zurower Bunker

Der Bielefelder Dieter Luchs zeigt Plastebeutel aus 30 Jahren DDR. Er ist zwar in Mecklenburg geboren, zog aber als Einjähriger mit seinen Eltern nach Schleswig-Holstein. „Durch Besuche meiner Verwandten war ich als Schüler fast jedes Jahr in der DDR.“ Sein Interesse an dem ostdeutschen Staat bestand fort. In seiner Ausstellung gibt es Erläuterungen und Zeitzeugnisse. „Ältere Besucher begegnen hier ihrer DDR-Geschichte. Sie erzählen mir aus ihrem Leben.“ So kam Dieter Luchs auf die Idee, mit seiner Ausstellung den Geschichtsunterricht für Schüler ab Klasse 9 zu ergänzen.

Yves Müller gehört der Bunker in Zurow. Quelle: Haike Werfel
Besucherin Heidrun Kalaß an einem Telefon aus der 1960er-Jahren. Quelle: Haike Werfel

Hinzu kommt, dass den Jugendlichen anhand des Bunkers die Zeit des Kalten Krieges zwischen den Westmächten und den damaligen Ostblockstaaten nahegebracht werden könnte. Das 140 Quadratmeter große Bauwerk befindet sich auf einer Waldlichtung am Ravensruher Weg. Es ist 1964 bis 1966 zu Hochzeiten des Kalten Krieges erbaut worden und war bis zur Wende 1989 in Betrieb. „Der Bunker hat zur Kreiseinsatzleitung Wismar gehört und sollte deren Mitarbeiter im Ernstfall schützen“, erzählt Yves Müller. „Er besteht aus drei großen Räumen mit Stahlbetonwänden und einigen kleineren Wirtschaftsräumen. Er war mit modernster Technik ausgestattet, um die Verwaltung und Kommunikation aufrechterhalten zu können. Getarnt war er als wasserwirtschaftliche Anlage.“

Blick in den langen Flur im Bunker. Quelle: Haike Werfel

Yves Müller, gebürtiger Potsdamer, der seit 30 Jahren in Mecklenburg lebt, hat den Bunker 2004 von der Treuhand-Nachfolgerin Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft mbH bei einer Versteigerung erworben. Die Gemeinde ließ ihn nach der Wende zuschütten. Mit einer Berliner Studentengruppe hat er das Bauwerk geöffnet und freigelegt. „Mein ursprünglicher Gedanke war, aus dem Bauwerk was Positives zu machen“, sagt Müller, der als Freiberufler in der Baubranche tätig ist. Sein Wunsch nach einer sinnvollen Nutzung des Bunkers ging mit der Dauerausstellung in Erfüllung.

Blick in einen der drei Haupträume im Bunker. Quelle: Haike Werfel

„Plastiktüten sind nicht UV-beständig. An der Sonne würden sie sich nach einiger Zeit zersetzen“, erläutert Dieter Luchs. Ihm gefällt der Gedanke, dass der Bunker, der zum Schutz von Menschen erbaut wurde, jetzt die Plastiktüten schützt. Denn als drittes Anliegen möchte der Rentner mit Schulklassen „das Thema Plastik sauber behandeln“, wie er sagt. „Dazu gehört der Fakt, dass 60 Prozent der Plastik in der Bundesrepublik recycelt wird. Der Rest wird verbrannt oder ans Ausland verkauft. Es ist schlimm, dass die Politik das mitmacht.“

Obendrein findet Dieter Luchs es schade, dass die Plastiktüte heutzutage so verteufelt wird. Denn ihre Energiebilanz sei identisch mit der einer braunen Papiertüte. Lediglich bei der weißen Papiertüte falle sie höher aus, weil sie gebleicht wird. „Jede Tüte hat ihre Vor- und Nachteile. Der Vorteil von Plastik ist, dass sie endlos benutzt werden kann“, sagt er.

Kontakt

Interessierte Pädagogen, die mit ihrer Schulklasse die Dauerausstellung im Bunker besuchen wollen, wenden sich an Yves Müller, Telefon 0174-98 28 972, oder per Mail an Bioschweine@gmail.com

Aussteller Dieter Luchs lebt zwar in Bielefeld, aht aber in Bützow eine Ferienwohnung. Er sammelt seit 40 Jahre Einkaufstüten aus Plastik, rund 30000 Stück hat er bereits. Sie lagern in Kartons. Der Stapel ist zwei Meter hoch und vier Meter breit.

Haike Werfel

Warum heißt Kreihnsdörp eigentlich Kreihnsdörp? Und wie viele Krähen und Symbole gibt es eigentlich in Grevesmühlen? Eckart Redersborg hat nachgeforscht und Erstaunliches zutage gefördert. Nachzulesen in seinem jüngsten Buch.

11.06.2019

Umwege müssen Auto- und Lastwagenfahrer in der Gemeinde Lüdersdorf in Kauf nehmen. Die Ortsdurchfahrt von Herrnburg ist wegen Sanierungsarbeiten bis voraussichtlich 4. Juli voll gesperrt.

11.06.2019
Grevesmühlen 28. Hafenfest vom 13. bis 16. Juni - Vier Tage maritime Party in Wismar

Das 28. Hafenfest lockt von Donnerstag bis Sonntag mit Schiffsbesichtigungen, –ausfahrten und Wettbewerben, Musik, Händlermeile, Riesenrad und einem Höhenfeuerwerk in die Hanse-, Kreis- und Welterbe-Stadt.

10.06.2019