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Grevesmühlen „Anlagen sollen gebaut werden, wo sie niemanden stören!“
Mecklenburg Grevesmühlen „Anlagen sollen gebaut werden, wo sie niemanden stören!“
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00:01 14.09.2015
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Dassow — In Dassow haben sich 950 Einwohner gegen Windkrafträder ausgesprochen. Der Sprecher der Bürgerinitiative, Peter Adam, und Anwohner Jörn Kilian sprechen über ihre Bedenken, über eine sogenannte Kriegskasse und kündigen an, notfalls gegen die Windräder, die zwischen Groß Voigtshagen, Holm und Roggenstorf entstehen könnten, klagen zu wollen.

OSTSEE-ZEITUNG: Was haben Sie gegen die Windkrafträder?

Peter Adam: Die Dinger gehören hier nicht hin. Erstens stehen sie viel zu dicht an den Häusern, zweitens stört die gewaltige Höhe. Die sollen 206 Meter hoch gebaut werden. Das ist ja Wahnsinn.

OZ: Sind Sie generell gegen Windkraft?

Adam: Nein, das sind wir nicht. Aber Windräder sollen dort gebaut werden, wo sie niemanden stören. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es genügend Standorte, Riesenflächen, wo weit und breit kein Haus steht.

Jörn Kilian: Da kommt jemand her, der hier nicht lebt, stellt Mühlen mit 206 Metern hin und begründet das damit, dass er an die Zukunft seines Betriebes, seiner Familie und an seine Kinder denken muss. Meine Familie und ich haben uns mal bei den 175 Meter hohen Anlagen in Sabow bei Schönberg hingestellt. In 800 und 1000 Metern Entfernung, um zu schauen, inwieweit das zu hören ist. Wir wohnen relativ dicht an einer geplanten Anlage und haben Angst, dass die dauernd zu hören ist.

OZ:Es geht Ihnen aber nicht nur um den hörbaren Lärm?

Adam: Es geht uns auch um den nicht hörbaren Schall, den wahrscheinlich sehr gesundheitsgefährdender Infraschall. In diese Richtung forschen verschiedene Institute. Und dann noch der Werteverfall der Grundstücke. Es gibt belegbare Beispiele, wo Grundstücke in Nähe von Windkraftanlagen 40 Prozent an Wert verloren haben. Manche sind sogar unverkäuflich geworden.

OZ: Welche umweltrelevanten Bedenken haben Sie?

Adam: Das Gebiet für die Windkraftanlagen grenzt an den Holmer Wald, der Lebensraum für eine große Population von Wildtieren ist. Durch die langjährige, nachhaltige Jagd gibt es hier einen einzigartigen Tierbestand, der durch den Windpark akut gefährdet wäre. Die Voigtshagener Wiesen, die direkt am Holmer Wald liegen, sind Äsungs- und Rückzugsflächen für das Schalenwild, Nahrungshabitat für seltene Vögel wie den Schwarzstorch, den Rotmilan, den Kiebitz, den Kranich mit Brutplätzen und den Seeadler. Die betroffenen Ackerflächen sind Rast- und Äsungsflächen für Zugvögel und Nahrungshabitate der Greifvögel wie Rotmilan, Bussard, Seeadler und Habicht.

OZ: Was machen Sie, falls die Windkrafträder gebaut werden?

Kilian: Klagen. Unsere Kriegskasse ist schon ganz gut gefüllt. Wir haben bereits mehrere Tausend Euro an Spenden erhalten. Viele Firmen und Privatpersonen, Einheimische und Zugezogene haben Geld gegeben, um die Landschaft so zu erhalten wie sie ist.

Adam: Das Geld könnte wichtig werden, wenn es zur Klage kommt, wenn wir die Hilfe unseres Anwaltes in Anspruch nehmen müssen.

OZ: In Dassow liegen auch Unterschriftenlisten aus. Wie viele Einwohner haben sich schon gegen die Anlagen ausgesprochen?

Adam: Die aktuelle Zahl lautet 950. Der Gegenwind wird also größer für die Pläne von Herrn von Nesselrode, der Firma Enercon und den SPD-Stadtvertretern.

OZ: Ganz besonders hart kritisiert die Bürgerinitiative die SPD-Fraktion und deren Vorsitzenden, Gerd Matzke. Was werfen Sie den Lokalpolitikern vor?

Kilian: Bislang gab es keinen Fraktionszwang in der Stadt. Das weiß ich aus Gesprächen mit Stadtvertretern. Beim Thema Windkraft gibt es auch in der SPD Personen, die dagegen sind. Und dann gibt es einen Kern um Herrn Matzke, der sehr eng mit Herrn von Nesselrode zusammenarbeitet. Die Stadtvertreter, die gegen das Projekt stimmen wollen, hat Herr Matzke versucht zu überzeugen. Das nenne ich Fraktionszwang. Das hat bei der abgebrochenen Sitzung am 14. Juli dazu geführt, dass zwei SPD-Stadtvertreter gar nicht zur Sitzung gekommen sind und andere sich der Stimme enthalten hätten, nur, um nicht mehr dagegen zu sein.

Adam: Ich habe nach einer Sitzung in Roggenstorf selbst mitbekommen, wie Herr Matzke als Gast mit einer Frau von der Firma Enercon das weitere Vorgehen besprochen hat und sinngemäß sagte, wir sollten einige Dinge noch einmal dringend mit Herrn Nesselrode abstimmen. Es gibt ständig Kontakte zwischen dem Grafen und Herrn Matzke. Das ist ganz schlimm. Es ist für viele offensichtlich, dass Herr Matzke Hand in Hand mit dem Investor und Enercon zusammenarbeitet.

OZ: Wie finden Sie das?

Adam: Das ist sehr fragwürdig und macht viele wütend.

OZ: Was wünschen Sie sich von der Stadt und der SPD-Fraktion, die die Mehrheit in der Stadtvertretung hat?

Kilian: Von der Stadt wünschen wir uns, dass sie die Änderung des Flächennutzungsplanes noch mal um ein halbes bis dreiviertel Jahr verschiebt. Bis dahin ist die Landtagsinitiative durch, die größere Abstände zu Häusern fordert und vieles mehr. Sonst gibt es möglicherweise einen Vertrag mit dem Investor, der schlechter ist, als er sein könnte, wenn der Landtag über Vorgaben zu Windkraftanlagen entschieden hat. Dann kommen die Einwohner und sagen: Herr Ploen, warum haben sie das halbe Jahr nicht noch gewartet?



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