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Grevesmühlen Apotheker in Nordwestmecklenburg legen Impfpass-Fälschern das Handwerk
Mecklenburg Grevesmühlen

Apotheker in Nordwestmecklenburg stoppen Impfpass-Fälscher

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13:38 03.01.2022
Waldemar Gerull leitet die Fritz-Reuter-Apotheke in Grevesmühlen. Ihm fielen bereits Impfpassfälschungen auf.
Waldemar Gerull leitet die Fritz-Reuter-Apotheke in Grevesmühlen. Ihm fielen bereits Impfpassfälschungen auf. Quelle: Jürgen Lenz
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Grevesmühlen

Wer sich nicht gegen Corona impfen lässt, muss Einschränkungen in Kauf nehmen – in der Gastronomie zum Beispiel. Einige Impfmuffel und Impfgegner versuchen dieses Problem mit krimineller Energie zu lösen. Das erleben Apotheker in Nordwestmecklenburg immer wieder. Ihnen werden gefälschte Impfnachweise vorgelegt – in der Hoffnung, ein Zertifikat zu bekommen, das den Besitzern die Rechte von Geimpften gibt. Damit täuschen die Fälscher einen Schutz der eigenen Gesundheit und der Gesundheit anderer Menschen vor, der in Wirklichkeit nicht existiert.

Waldemar Gerull kennt solche Fälle aus eigener Erfahrung. Der Inhaber der Fritz-Reuter-Apotheke in Grevesmühlen berichtet, was auch seine Kollegen in Nordwestmecklenburg immer mal wieder erleben: Jemand legt ihnen einen Impfausweis vor, der offenbar manipuliert wurde. Viele Fälscher kommen aus dem benachbarten Schleswig-Holstein. Möglicherweise hoffen sie, dass hier bestimmte Manipulationen nicht auffallen. Tun sie aber – etwa, wenn ein Impfzentrum ohne Landesname angegeben ist. „Das gibt es nicht“, erklärt Waldemar Gerull.

Jeder Impfausweis wird auf Echtheit überprüft

Fälscher haben es bei ihm schwer. Sie bekommen kein Zertifikat, mit dem sie sich dann einen digitalen Impfnachnachweis auf ihrem Smartphone erschleichen. Der Grevesmühlener Apotheker und seine Mitarbeiter prüfen jeden Impfausweis auf Echtheit. Dabei hilft ihnen seit dem 16. Dezember ein Onlineprogramm. Dort tragen sie die angegebene Chargennummer des Impfstoffes ein. Wenn die Nummer nicht mit dem angegebenen Impfdatum übereinstimmen kann, muss der Ausweis gefälscht sein. Das ist aber nur eines von vielen Merkmalen, auf das Mitarbeiter von Apotheken in Nordwestmecklenburg achten.

Ein Apotheker stellt am Computer einen digitalen Impfnachweis aus. Dabei wird ein QR-Code erstellt. Er kann mit einer Smartphone-App verwendet werden. Quelle: Sven Hoppe/dpa

Ein Aushang mach klar: „Liegen berechtigte Zweifel an der Echtheit vorgelegter Dokumente vor, werden keine Covid-19-Zertifikate ausgestellt.“ Weiter heißt es: „Eine strafrechtliche Verfolgung und eine polizeiliche Anzeige sind erforderlich.“

Die meisten Fälschungen fliegen in Apotheken auf

Die Gesetzeslage ist eindeutig. Strafbar ist laut Strafgesetzbuch das Herstellen und wissentliche Nutzen manipulierter Nachweise. Im Paragraf 275 heißt es: „Wer die Herstellung eines unrichtigen Impfausweises vorbereitet, indem er in einem Blankett-Impfausweis eine nicht durchgeführte Schutzimpfung dokumentiert oder einen auf derartige Weise ergänzten Blankett-Impfausweis sich oder einem anderen verschafft, feilhält, verwahrt, einem anderen überlässt oder einzuführen oder auszuführen unternimmt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Ebenfalls geahndet wird, wenn auf der Arbeit oder anderswo privat eine Fälschung vorgelegt wird. Dem Täter droht eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Wenn der Fälscher gewerbsmäßig handelt oder einer Bande angehört, sind sogar fünf Jahre Freiheitsstrafe möglich.

Nach Auskunft des Landeskriminalamtes wurden 2021 bis zum 20. Dezember 119 Fälschungsfälle aufgenommen. 68 fielen in Apotheken auf, 32 wurden durch Privatleute angezeigt, einige in Impfzentren.

Apothekerverband hilft mit Checkliste

Für die Schönberger Apothekerin Jana Habeck steht fest: „Wenn wir Zweifel an der Echtheit haben, stellen wir kein Zertifikat aus.“ Teils sind Stempel nicht vollständig, die Abstände zwischen Impfterminen nicht plausibel oder die angegebene Chargennummer kann nicht stimmen. Eine Checkliste des Apothekerverbands Mecklenburg-Vorpommern weist die Inhaber und Mitarbeiter der Apotheken darauf hin, worauf sie achten sollen.

Die Sonnen-Apotheke in Boltenhagen stellt jeden Monat mehrere Hundert digitale Impfzertifikate aus. Seit Beginn der Booster-Impfungen sind es mehr als in den Monaten zuvor. Wurde auch in der Sonnen-Apotheke bereits ein gefälschter Impfausweis vorgelegt, um sich ein Zertifikat zu erschleichen? „Wir hatten auch schon einen Fall, in dem der Verdacht bestand“, antwortet Inhaber Michael Herrmann.

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Die Apotheker und ihre Mitarbeiter haben viel Arbeit mit dem Ausstellen von Impfzertifikaten. Die Eiben-Apotheke in Schönberg stellte im Dezember 583 Exemplare aus, die Efeu-Apotheke in Schönberg sogar 758. Waldemar Gerull schätzt, dass es in seiner Apotheke in Grevesmühlen monatlich rund 1000 sind. Er bittet die Kunden, etwas Zeit mitzubringen und: „Man sollte es gelassen angehen.“

Von Jürgen Lenz