Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen Auch Bauern ohne Biosiegel wollen Natur schützen
Mecklenburg Grevesmühlen Auch Bauern ohne Biosiegel wollen Natur schützen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:55 25.07.2019
Im Klützer Winkel sind die Ernteerträge trotz großer Hitze noch durchschnittlich. Quelle: Malte Behnk
Anzeige
Klütz

Der Klützer Winkel hat mit die besten Ackerböden Mecklenburg-Vorpommerns. Daher prägt neben dem Tourismus vor allem die Landwirtschaft das Gebiet zwischen A 20 und Ostsee. Wenige Betriebe wirtschaften nach dem Prinzip den Ökolandbaus, aber alle haben gemeinsam, dass sie auch noch in den nächsten Generationen auf ihren Flächen Nahrungsmittel produzieren wollen und verantwortungsvoll mit ihren Böden umgehen.

Um aber den Bedarf an Getreide, Raps und Mais bedienen zu können, sind die Landwirte auf Pflanzenschutzmittel und andere Produkte angewiesen. Der Verbrauch von Kartoffeln ist nämlich seit den 1950er Jahren deutlich zurückgegangen. Im Gegenzug ist deutlich mehr Schweinefleisch vom Verbraucher gekauft worden. Auch das sind Gründe, warum die deutschen Landwirte nur 90 Prozent des bundesweiten Bedarfs abdecken können.

Lediglich dem Know-how der gut ausgebildeten Landwirte, ihrer zum Teil per Satellit gesteuerter moderner Technik und besser wirksamen, aber dennoch milderen Mitteln zum Pflanzenschutz sei es zu verdanken, dass heute mehr Erträge geerntet werden können als vor fünfzig Jahren.

Dass sie von unterschiedlichen Seiten für einen Rückgang der Artenvielfalt verantwortlich gemacht werden – auch im Klützer Winkel, wo orange Kreuze als Protest gegen Pestizideinsatz aufgestellt wurden – stört die Landwirte. Sie alleine können den Verlust in der Natur nicht aufhalten.

„Wir sind selber totale Befürworter einer artenreichen Natur“, sagt Arne Nölck, Vorstand im Landwirtschaftsbetrieb Klützer Winkel e.G.. „Ich bin aber der Meinung, wir müssen intensiven Artenschutz mit intensiver Produktion von Lebensmitteln kombinieren.“ Das mache sein Genossenschaftsbetrieb unter anderem mit Blühstreifen an den Feldern. „Wir haben 32 Blühflächen mit insgesamt 62 Hektar“, sagt Arne Nölck. Dafür nutze der Betrieb Flächen, die nicht die besten Erträge liefern oder schwieriger zu bearbeiten sind. So befinden sich Blühflächen an Waldrändern oder Wasserlöchern.

Die Landwirte im Klützer Winkel würden sich gerne mehr mit anderen gemeinsam für eine größere Artenvielfalt einsetzen. Dazu benötigen sie aber auch Unterstützung von Fachleuten. „Bisher wissen wir nicht, ob das Anlegen von Blühstreifen etwas gebracht hat“, sagt Arne Nölck. „Im Grunde müssten wir erst mal wissen, welche Lebensräume den bedrohten Insektenarten fehlen“, sagt Petra Böttcher, Geschäftsführerin im Kreisbauernverband. Wenn man wisse, was benötigt wird, könne man auch Flächen dafür bereitstellen. Doch Untersuchungsergebnisse dazu würden noch fehlen.

Ulrich Bosch vom Gut Brook, das ökologisch wirtschaftet, warnt vor der Forderung nach reiner Bio-Landwirtschaft. „Man könnte das machen und die Landwirte würden sich auch umstellen, wenn es gewollt ist“, sagt Bosch. „Aber man muss sich auch bewusst sein, dass sich das gesamte gesellschaftliche Leben ändert. Wir hätten Zustände der 50er Jahre. Die Bevölkerung müsste wieder zum Rübenhacken aufs Feld und Lebensmittel würden viel teurer.“

Zudem seien Pflanzenschutzmittel und andere Produkte für die konventionell wirtschaftenden Landwirte eine Art Versicherung. „Zum Beispiel der Gelbrost kann eine halbe Ernte vernichten“, sagt Ulrich Bosch. Gegen solche Schadpilze würden dann aber zum Beispiel auch Nährstoffe eingesetzt. „Dazu beobachten wir auch den Verlauf des Wetters, und es gibt Prognosemodelle, an denen man sehen kann, ob sich ein Schadpilz ausbreiten könnte“, sagt Heinrich Tralau, dessen Familie seit Generationen Landwirtschaft in Hohen Schönberg betreibt.

Wie sie arbeiten, zeigen einige Landwirte des Kreisbauernverbands bereits transparent bei Hofführungen, die vor allem von Urlaubern genutzt werden. Dabei erklären die Landwirte ausführlich ihre Arbeit und zeigen ihre Betriebe.

Malte Behnk

17 touristische Standorte – wie Tourist-Informationen, Kirchen und Schlösser in Nordwestmecklenburg – sollen in den kommenden zwei Jahren einen mobilen Internetzugang erhalten. Die potenziellen Empfänger sind überrascht.

26.07.2019

In der Nacht zu Donnerstag ist ein Mann in der Santower Straße in Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg) schwer verletzt worden. Die beiden Täter konnten unerkannt flüchten. Die Polizei sucht Zeugen.

25.07.2019

Tragischer Badeunfall am Strand von Boltenhagen: Ein 77-Jähriger wollte am Mittwoch noch etwas schwimmen, während seine Familienmitglieder bereits wieder an Land gingen. Kurze Zeit später wurde er leblos aus dem Wasser geborgen.

25.07.2019