Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen Aus diesem Grund hat der Recyclingpark in Neu Degtow die Preise erhöht
Mecklenburg Grevesmühlen

Aus diesem Grund hat der Recyclingpark in Neu Degtow die Preise erhöht

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
19:00 13.02.2020
Der Recyclingpark Neu Degtow bei Grevesmühlen hat die Preise erhöht. Quelle: Annett Meinke
Anzeige
Grevesmühlen/Neu Degtow

Kurz nach 9 Uhr morgens auf dem Gelände des Recyclingparks am Rande Grevesmühlens: Ein Auto nach dem anderen hält neben dem Container, auf dem mit großen grünen Buchstaben „Annahme“ steht.

An diesem Morgen regt sich niemand darüber auf, dass im Recyclingpark, der zum Grevesmühlener Unternehmen GER Umweltschutz gehört, zum Jahresanfang einiges teurer geworden ist. Dass zum Beispiel der Grünschnitt pro 100-Liter-Sack jetzt nicht mehr einen, sondern 1,70 Euro kostet.

Der lokale Müll und der Weltmarkt

Christina Schulz vom Blumenhaus Koth aus Grevesmühlen, die mit ihrer Mitarbeiterin an diesem Tag Grünschnitt aus ihrem Geschäft entsorgt, meint: „Das ist doch überall so. Die Preise erhöhen sich. Was soll man machen.“ Die Mitarbeiter der Annahme im Recyclingpark deshalb anzumaulen, kommt für sie nicht infrage: „Man knöpft sich doch auch nicht die Leute in der Tankstelle vor, weil der Benzinpreis sich ständig ändert.“

Claudius Martinetz wäre möglicherweise jemand, an den sich unzufriedene Kunden wenden könnten. Martinetz ist der Geschäftsführer der GER Umweltschutz GmbH, zu der der Recyclingpark gehört. Er sagt, dass er nachvollziehen kann, dass nicht jeder so gelassen wie die Blumenhändlerin auf sich ändernde Preise reagiert. Auch für abgegebenen Bauschutt und Baustellenabfall zum Beispiel müssen auch private Ablieferer seit dem 1. Januar 2020 mehr zahlen.

„Der Abfallmarkt ist ein hart umkämpfter Markt. Wie fast alle Branchen inzwischen unterliegt das Abfallgeschäft internationalen Bedingungen, die sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert haben“, erklärt Martinetz. Dabei ist ihm klar, sagt er dann, dass das, was er sagt, letztlich die normalen Menschen, die am Ende immer die Rechnung für alle Marktverwerfungen zahlen, nicht wirklich berührt.

Fotostrecke Recyclingpark Neu Degtow

Recyclingpark ist keine Deponie

Martinetz weiß, wie die Leute in Nordwestmecklenburg ticken. Er ist „einer von hier“, stammt aus der Wismarer Gegend, hat an der Hochschule der Hansestadt Verfahrens- und Umwelttechnik studiert. Seit vier Jahren leitet er das private Abfallunternehmen, zu dem er über ein Praktikum während seines Studiums kam. „Was vielleicht vielen unserer Kunden nicht klar ist, ist, dass wir kein kommunales Unternehmen sind. Wir sind ein Privatunternehmen, das sich rentieren muss.“ Und rentieren, so Martinetz, bedeute, dass Gewinn erwirtschaftet werden muss, um Rücklagen zu bilden – und um die Gesellschafter zufriedenzustellen.

87 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen derzeit. Zum Unternehmen gehören außerdem eine Niederlassung in Wismar, der Recyclingpark in Neu Degtow und eine Bodensanierungsanlage in Neubukow-Jörnstorf.

Was vielleicht auch unklar sei, sagt Martinetz dann, „ist, dass der Recyclingpark keine Deponie ist. Die Stoffe, die wir sammeln, werden sortiert und gehen von hier aus weiter in die verschiedenen Verwertungsketten. All das, was nicht verwertet werden kann oder darf, müssen wir selbst entsorgen. Und dafür müssen auch wir Gebühren bezahlen, die seit Jahren steigen.“

Noch vor gar nicht allzu langer Zeit zum Beispiel hätte es Erlöse für Plastikfolien – häufig Bestandteil von Baustellenabfall – gegeben, hätten recycelte Ziegelsteine an die Bauindustrie verkauft werden können, die den Rohstoff für den Straßenbau verwendete. Inzwischen alles Geschichte. Vor ein paar Jahren gab es auch den asiatischen Markt noch, als Abnehmer von recycelbarem Müll. Doch auch der sei inzwischen zusammengebrochen, sagt Martinetz.

Preisveränderungen

Im Jahr 2019 war unter Grevesmühlener Stadtvertretern darüber diskutiert worden, die Entsorgung von Grünschnitt für Grevesmühlener kostenlos in Kooperation mit dem Recyclingpark in Neu Degtow anzubieten. Die Idee wurde nach Prüfung der anfallenden Mengen und entstehenden Kosten für die Stadt – es war von mehr als 100 000 Euro pro Jahr die Rede – verworfen.

Preise: Betonbruch – vorher: kostenlos – seit 1. Januar 2020: 4 Euro/m³Ziegel sortiert – vorher: 28 Euro/m³ – seit 1. Januar 2020: 35 Euro/m³Ziegel unsortiert – vorher: 60 Euro/m³ – seit 1. Januar 2020: 75 Euro/m³Gipskarton/Rigips/HWL/Gasbeton – vorher: 50 Euro/m³ – seit 1. Januar 2020: 60 Euro/m³Kompostierbares/Abfälle-Rasenschnitt/Laub/Strauchwerk bis 20 mm – vorher: 10 Euro/m³ – seit 1. Januar 2020: 17 Euro/m³Sperrmüll – vorher: 50 Euro/m³ – seit 1. Januar 2020: 60 Euro/m³Elektrogeräte (alles, was einen Stecker hat) – vorher: umsonst für Einheimische – immer noch umsonst für Einheimische, weil Annahmestelle des Landkreises

Von Dassow nach Grevesmühlen

Die meisten der Leute, die ihren Abfall nach Neu Degtow bringen, berichtet der stellvertretende Betriebsleiter des Recyclingparks, Ulrich Karge (61), blieben freundlich, wenn sie mitbekommen, dass irgendetwas teurer geworden ist. „Die, die sich aufregen, sind im Grunde immer die gleichen“, meint Vorarbeiter Manfred Glaser (59). „Und sie regen sich auf, egal ob die Preise bleiben oder sich ändern.“

Einer, dem Kunden in der Annahme begegnen, ist Florian Wohlert (32). Er arbeitet erst seit einem Jahr im Recyclingpark, war vorher Busfahrer im öffentlichen Nahverkehr. Er komme gut mit den Kunden zurecht, sagt er. Dass sich Leute immer mal wieder aufregen, ist außerdem nicht neu für ihn. Der Umgang mit Fahrgästen hat ihn trainiert. „Immer freundlich bleiben“, lautet seine persönliche Devise. Und so halten es seine Kollegen auch.

Tobias Stinnes aus Dassow, der an diesem Morgen Abfall von einer privaten Baustelle bringt, gehört zu den Kunden, die mit den Preisen nach wie vor zufrieden sind. „Ich könnte nach Lübeck fahren, ist rein von der Entfernung her viel näher für mich, mach ich aber nicht“, sagt er. Der Grund für ihn, Neu Degtow trotz Preiserhöhung treu zu bleiben, sei, dass es immer noch günstiger sei, weil es keine Mindestabgabe-Mengen zu einem festgelegten Preis gebe.

Lesen Sie mehr zum Thema:

Von Annett Meinke

Der Jugendclub in Boltenhagen hat keine festen Räume. Anfang März soll aber ein Container hinter dem umgebauten Hort fertig sein. Dort bietet Christoph Bräunig den Jugendlichen dann wieder ein buntes Programm an.

13.02.2020

Am Donnerstagmorgen ist es gleich zu mehreren Unfällen in Nordwestmecklenburg gekommen. Einen Teil der Schuld daran tragen die glatten Straßen – manche Fahrer haben darauf nicht entsprechend reagiert.

13.02.2020

Stephanie Herrmann aus Lübsee ist examinierte Altenpflegerin und bietet Unterstützung im Alltag. Ob backen, basteln, einkaufen oder gemeinsames Singen – vieles ist möglich. Obwohl ihr Angebot keine Pflegedienste umfasst, bezahlen die Pflegekassen ihren Service.

13.02.2020