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Grevesmühlen Capt’n Flint-Darsteller Benjamin Kernen über Regisseure und Fußballtrainer
Mecklenburg Grevesmühlen Capt’n Flint-Darsteller Benjamin Kernen über Regisseure und Fußballtrainer
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08:09 12.07.2019
Hauptdarsteller und Regisseur Benjamin Kernen, der Schweizer gehört seit 14 Jahren Jahren zum Ensemble. Quelle: Michael Prochnow
Grevesmühlen

Er gehört seit 14 Jahren zum Kern des Ensembles des Piraten Open Air, inzwischen ist der gebürtige Schweizer Benjamin Kernen verheiratet und lebt in Wismar. Der 47-Jährige hat die Hochschule für Schauspiel und Kunst in Zürich absolviert und in vielen Rollen beim Theater und im Film sein Talent unter Beweis gestellt. Im Piraten Open Air in Grevesmühlen hat er, nachdem er 2006 als Nebendarsteller noch auf der Bühne an Ploggensee begann (Damals spielte einen französischen Gesandten, Anm. d. Red.) nicht nur die Hauptrolle als Capt’n Flint inne, er führt inzwischen auch Regie. Was diese Doppelbelastung bedeutet, darüber spricht er mit der Ostseezeitung.

Wo soll es denn einmal hingehen für den Schauspieler und den Regisseur Benjamin Kernen, wie verträgt sich beides?

Benjamin Kernen: Die Schauspielerei ist ein sehr schöner Beruf, wenn man ihm mit Leidenschaft betreibt, kann man ihn auch sehr lange machen. Regie ist eine ganz andere Herausforderung, die deutlich mehr Verantwortung bedeutet, mehr Logistik, Planung und vor allem Führung. Aber Regie kann ich nur zweimal im Jahr machen, dann bin leer gebrannt.

Weil es so anstrengend ist?

Ja, in dieser Größenordnung wie hier beim Piraten Open Air ist es schon eine große Belastung. Ich muss für 40 Leute denken, die Szenen planen, vorbereiten und vieles andere mehr.

Benjamin Kernen in seiner Rolle beim Piraten Open Air in Grevesmühlen

Nun denkt der Laie, der Regisseur ist der Chef am Set, der in einem eigens beschrifteten Stuhl sitzt und aufpassen muss, dass jeder seinen Text kann und rechtzeitig auf der Bühne erscheint.

So denkt der Laie, aber so ist es nicht. Je nachdem, wie das Ensemble zusammengesetzt und das Stück ist, muss ich jeden Schritt minutiös planen. Das fängt schon mit der Textstruktur an. Das kann man sich so vorstellen, ich bekomme das Drehbuch und muss es dann dramaturgisch so verdichten, dass ein Stück daraus wird. Dann bist du im Dialog mit jedem Schauspieler über jeden seiner Sätze, jeden seiner Schritte auf der Bühne, ob er sich mit der Hand durch die Haare fährt, sein Hemd öffnet etc. Und dann muss auch noch alles zusammen funktionieren.

Wenn man wie Sie Regisseur und Hauptdarsteller in einer Person ist, wer sagt denn eigentlich Capt’n Flint, was er falsch macht?

Ein, zwei ausgewählte Kollegen, denen ich sehr vertraue, die schauen dann auf meine Bitte hin von außen auf die Szene. Ich kümmere mich übrigens auch um den Sound, welches Stück an welcher Stelle wie lange gespielt wird, welche Requisiten wir noch auf der Bühne brauchen und einiges andere mehr.

Klingt nach ziemlich viel Belastung?

Regie würde ich niemandem empfehlen, der nicht gern extrem viel arbeitet.

Schon mal den Text vergessen auf der Bühne?

Zweimal in den 14 Jahren, und ja, das passiert schon mal.

Und was macht man dann?

Improvisieren, man weiß ja, was man spielt. Die Situation auf der Bühne ist ja klar. Und wenn der Text nicht ganz stimmt, dann merkt das niemand.

Schauen Sie als Schauspieler eigentlich in die Gesichter der Zuschauer, schließlich stehen Sie sehr dicht an den Tribünen in einigen Szenen?

Nein, das mache ich nicht. Es wäre tödlich, weil dann würde ich darüber nachdenken, was die Zuschauer gerade bewegt. Stattdessen schaue ich durch die Zuschauer hindurch, ich suche mir einen festen Punkt, der nichts mit den Gesichtern der Leute zu tun hat. Das ist das Geheimnis.

Weil die Reaktion die Schauspieler verwirren würde?

Wenn du gezielt Menschen anschaust, die eine Regung zeigen, vielleicht gefällt ihnen die Szene gerade oder sie beschäftigen sich mit etwas anderem, dann würde ich darüber unbewusst nachdenken. Wichtig ist, dass die Figur auf der Bühne funktioniert. Wenn Benjamin Kernen darüber nachdenkt, was eine Zuschauerin gerade denkt, dann bist du raus. So entstehen Texthänger.

Wie läuft die Nachbereitung einer Vorstellung, sprechen Sie direkt danach mit den Schauspielern?

Nein, das machen wir später. Aber natürlich werten wir die Vorstellung aus, wenn ich das Gefühl habe, dass an manchen Stellen etwas nicht richtig läuft, ein Gag nicht funktioniert. Dann proben wir mit den Leuten nochmal solange bis es funktioniert.

Das klingt ein bisschen so als würde ein Fußballtrainer über das Spiel seiner Mannschaft sprechen?

Ja, das kann man in der Tat so vergleichen. Eine Mannschaft funktioniert ähnlich wie ein Theaterensemble. Du brauchst selbstständige Spieler, die wissen was sie an welcher Position zu tun haben. Die aber auch improvisieren und sich auf verschiedenen Situationen einstellen können. Und wenn ich merke, dass der Flügelspieler nicht richtig spielt, dann sorge ich als Trainer/Regisseur dafür, dass das Spiel wieder richtig läuft und die Taktik aufgeht. Und wir haben natürlich auch einen Vereinspräsidenten, der ein Wörtchen mitredet, wenn ihm etwas nicht gefällt.

Beim Piraten Open Air gibt es auch viele junge Schauspieler, wer von ihnen ist aus Ihrer Sicht das größte Talent derzeit, das hier in Grevesmühlen spielt?

Von den neuen Schauspielern gefällt mir der Alexander Zacharias sehr gut. Er spielt den Butler James, da muss noch etwas Schliff rein, aber er hat Ideen, er ist witzig. Aus ihm kann man etwas machen. Viele der jüngeren Leute haben keinen Text, da ist es schwer zu sagen, aus wem etwas werden kann. Denn Textbehandlung ist noch einmal eine Klasse für sich.

Benefizveranstaltung am 3. August um 14 Uhr

Das traditionelle Benefizkonzert des Piraten Open Air, bekannt unter „Teddy & Friends“ wird es in diesem Jahr nicht mehr geben, stattdessen plant Intendant Peter Venzmer eine Sondervorstellung, deren Erlös einem guten Zweck zugute kommt. Sie findet am 3. August um 14 Uhr statt. In jeder Saison findet ein Benefizevent statt, mit dem die herausragende Arbeit der Lidahilfe durch unter anderem den regelmäßigen Transport von Hilfsgütern nach Weißrussland gewürdigt und finanziell unterstützt wird. Was die Piraten bei diesem Benefizspektakel an Eintrittsgeldern erbeuten, wandert eben nicht in die Schatzkisten, sondern tut auf direktem Wege Gutes. In diesem Jahr wird erstmals eine Sondervorstellung der aktuellen Episode „Unter falscher Flagge“ stattfinden, bei der alle Piraten unentgeltlich arbeiten. Der karibische Marktplatz öffnet wie auch die Theaterkasse an diesem Tag bereits um 12 Uhr, telefonische Reservierungen nimmt das Open Air-Theater bereits jetzt entgegen.

Michael Prochnow

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