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Grevesmühlen Boltenhagener sorgen sich um Küstenschutz
Mecklenburg Grevesmühlen Boltenhagener sorgen sich um Küstenschutz
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17:24 28.01.2019
Die Januarstürme 2019 haben viel Sand von den Stränden in Boltenhagen abgetragen. Quelle: MALTE BEHNK
Boltenhagen

Im Dezember hatte die Gemeinde Boltenhagen für den Bau einer Dünenpromenade aus dem Wirtschaftsministerium die Zusage für Fördermittel erhalten. 4,7 Millionen Euro soll es als Zuschuss für das Bauwerk geben. Doch Fischer, Strandkorbvermieter und Küstenanwohner wünschen sich, vor allem nach den beiden Stürmen mit Hochwasser im Januar, dass die Gemeinde den Bau der Promenade überdenkt. Stattdessen könne in den Hochwasserschutz oder in eine allgemeine Aufwertung des Ortes investiert werden.

„Ein Deich, wie er in Redewisch und in Tarnewitz ist, wäre viel besser für den Küstenschutz und man könnte auch einen festen Weg darauf bauen“, sagt Siegfried Hesse, dessen Haus in Redewisch zwischen Dünenweg und Strand fast ungeschützt vor der Ostsee steht. Ob Düne oder Deich – sein Haus würde nicht besser geschützt, aber er denkt auch an den Rest des Ostseebads. „Mit einem Deich hätten wir einen ordentlichen Schutz für 100 Jahre“, sagt Hesse.

Auch Fischer Kai Dunkelmann hält die Düne am Strand von Boltenhagen nicht für den idealen Küstenschutz. Er plädiert auch für einen Deich. „Die Strömung wird bei weiteren Hochwassern den Sand unter der Dünenpromenade wegspülen und die Ostsee kann unter dem Steg in den Ort laufen“, das wolle er auf keinen Fall erleben. Außer dem Bau würde die Dünenpromenade auch in der Folge weitere Kosten verursachen, die sich Boltenhagen sparen könnte. „Der Steg im Fischereihafen ist vielleicht zehn Jahre alt und die Planken wurden schon zweimal erneuert“, sagt Kai Dunkelmann. Das würde bei der Dünenpromenade regelmäßig anfallen. Winterdienst hält Dunkelmann auf einem hölzernen Steg zudem für sehr schwierig. „Das Argument, so eine Promenade würde zu Saison verlängernden Maßnahmen zählen, funktioniert also auch nicht“, sagt Achim Chille, Vorsitzender des Vereins der Strandkorbvermieter in Boltenhagen.

Chille hat sich unter anderem mit der Aussage beschäftigt, dass im Zuge des Baus der Dünenpromenade die Hochwasserschutzdüne auf 4,50 Meter erhöht werden soll. „Vom Stalu wurde gesagt, dass in den nächsten zehn bis 20 Jahren eine Aufspülung der Düne gar nicht ansteht. Das heißt, die Promenade wird über Jahre auf Stelzen hoch über der Düne stehen. Wenn da dann jemand runter stürzt...“, sagt Chille.

Tatsächlich ist es so, dass das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) regelmäßig nach Hochwasserereignissen und Stürmen die Küsten und die dortigen Bauwerke kontrolliert. In der Regel kommt es aber erst dann zu Maßnahmen wie Aufspülungen, wenn Breite und Höhe der Düne nicht mehr ausreichen, um vor einem weiteren Hochwasser zu schützen. Bei Bauvorhaben wie der Dünenpromenade in Boltenhagen kann aber eine Düne erhöht werden, wenn es später durch die Beplankung der Promenade nur noch schwierig möglich wäre. In dem Fall muss die Gemeinde aber die Erhöhung finanzieren.

Achim Chille hat während der Planung der Dünenpromenade mehrfach auf Punkte hingewiesen, die aus seiner Sicht nicht umsetzbar sind. So hatte er am Strandaufgang 4, wo seine Frau Liane Strandkörbe vermietet, das Gefälle des Strandzugangs gemessen. „Das ist mit 8,41 Prozent schon jetzt über der gesetzlichen Vorgabe von 6 Prozent“, sagt Chille. Eine Erhöhung der Düne würde die Sandrampe noch steiler machen. Ebenso hatte er moniert, dass in der Planung der Promenade Hütten für die Strandkorbvermieter landseitig des Holzweges vorgesehen sind. „Dann können die Vermieter keine Strandgebühr mehr kassieren“, sagt Chille. Laut Vertrag sei es ihnen nicht erlaubt, hinter den Strandbesuchern herzulaufen oder sie zurückzurufen.

Am meisten kritisieren Chille, Dunkelmann und Hesse aber, dass der Bau der Dünenpromenade ohne Befragung der Einwohner beschlossen wurde. Ein Bürgerbegehren dazu, für das 281 Unterschriften gesammelt worden waren, kam nicht zustande, weil unter anderem Fristen nicht eingehalten wurden. Die Initiatoren klagen aber noch gegen die Entscheidungen von Gemeinde und Amtsverwaltung.

Auch ob die geplante Dünenpromenade ein Anziehungspunkt für Touristen sein wird, bezweifelt Achim Chille. „Wir hatten schon Anrufe von Stammgästen, die fragen, ob die Dünenpromenade wirklich gebaut wird, weil sie dann nicht mehr kommen wollen“, sagt Achim Chille.

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