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Grevesmühlen Bürger laufen Sturm gegen Windräder
Mecklenburg Grevesmühlen Bürger laufen Sturm gegen Windräder
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17:39 10.06.2015
Windkraftanlagen gehören in Norddeutschland vielerorts zum Landschaftsbild. In Dassow (Nordwestmecklenburg) sind sie umstritten.
Windkraftanlagen gehören in Norddeutschland vielerorts zum Landschaftsbild. In Dassow (Nordwestmecklenburg) sind sie umstritten.
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Dassow

In Dassow (Nordwestmecklenburg) haben sich Stadtvertreter der CDU und Bürger vehement gegen den Bau von Windenergieanlagen unweit der Ortsteile Groß Voigtshagen und Holm ausgesprochen. Der Christdemokrat Sven Dutschke sagte am Dienstagabend: „Wir wollen es nicht. Windenergie gut und schön, aber wir haben in Mecklenburg-Vorpommern genug gemacht. Wir sind schon führend.“

Acht Kommunalpolitiker aus den Fraktionen der SPD und der Wählergemeinschaft „Ostseestrand“ (WGO) stimmten hingegen für eine Stellungnahme gegenüber dem Regionalen Planungsverband Westmecklenburg, in der der Bau von rund acht Windrädern nicht abgelehnt wird.

Vielmehr beschränkt sich Dassow auf zwei Anregungen. Zum einen weist die Stadt darauf hin, dass bei einem möglichen Bau von Windkraftanlagen darauf geachtet werden solle, dass sich die Beeinträchtigung für Anwohner und Touristen durch die Rotoren in Grenzen hält. Das könne beispielsweise durch den Einsatz neuester Technologien erfolgen. Zum anderen werde empfohlen, es solle „nur eine einheitliche Nutzung der Ausweisungsfläche mit gleichen Anlagen (Nabenhöhe, Rotordurchmesser, Nennleistung, Rotordrehzahl) und emissionsmindernder Technik in der Ausweisungsfläche zulässig sein“.

Gerd Matzke (SPD) erläuterte: „Wir wollen sicherstellen, dass Emissionen möglichst gemindert werden.“ Ein einfaches Ja oder Nein zu Windkraftanlagen sei vom Planungsverband nicht gefragt. Der neue CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Badermann erwiderte: „Wir sollten jetzt schon festlegen, ob wir es wollen oder nicht.“ Ihn wundere „die schicksalshafte Verhandlungssituation, dass wir einfach abwinken sollen“.

Anlass für die Stellungnahme der Stadt Dassow ist eine Karte des Regionalen Planungsverbands mit einem 69 Hektar großen „Potenzialsuchraum für Windenergieanlagen Dassow/Roggenstorf“. Das Areal befindet sich nahe der Dassower Ortsteile Holm und Groß Voigtshagen sowie der Nachbargemeinde Roggenstorf, deren zweiter stellvertretender Bürgermeister Sven Sangel am Dienstagabend in Dassow sagte: „Wir haben uns gegen das Windeignungsgebiet entschieden.“ Das Areal sei eines der letzten Rückzugsgebiete des Weißstorches und anderer Vogelarten. Bedrohte Tierarten könnten dort durch Windenergieanlagen gefährdet werden, erläuterte Sangel gestern gegenüber der OZ.

Einwohner von Groß Voigtshagen kritisierten am Dienstagabend, die Dassower Stadtvertreter hätten sie nicht über den „Potenzialsuchraum für Windenergieanlagen Dassow/Roggenstorf“ informiert. Sie hätten durch einen Bericht der OZ davon erfahren.

Bürger sagten, laut einer Studie seien Windräder gesundheitsgefährdend. Leider würden nun Dassower über die Einwohner von Groß Voigtshagen entscheiden. Landwirt Jürgen Scherrer warnte: „Die Gefahr ist: Wir geben unser Landschaftsbild auf und bekommen dafür nichts.“ Gut wäre, wenn die Bürger von Dassow im Gegenzug ihren Strom zu günstigeren Preisen bekämen. Das werde aber nicht geschehen.

Bürgermeister Jörg Ploen (SPD) entgegnete, die Stadt könne eventuell über Gewerbesteuern und eine finanzielle Beteiligung von den Windrädern profitieren. Das werde ein Thema eines „Bürgerforums“ am 27. Juni auf dem Gut Groß Voigtshagen sein. Sven Dutschke und mehrere Bürger bezweifelten, dass dort objektiv informiert wird. Dutschke sagte: „Es gibt Handwerkszeug dafür, dass man Leute rumkriegt.“



Jürgen Lenz