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Grevesmühlen Bundesfamilienministerin Giffey besucht Förderschule Neukloster
Mecklenburg Grevesmühlen

Bundesfamilienministerin Giffey besucht Förderschule Neukloster

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19:00 25.02.2020
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey schenkt den Schülern Bundesadler aus Plüsch. Quelle: Kerstin Schröder
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Neukloster

„Die Bundesfamilienministerin würde sich gerne ihre Schule anschauen“ – als Cornelia Raettig diesen Anruf aus Berlin erhält, glaubt die Lehrerin zuerst, sie wird veräppelt. Doch am Dienstag hat Franziska Giffey (SPD) tatsächlich die Förderschule Neukloster besucht – weil dort viele Kinder und Jugendliche nach dem Unterricht freiwillig länger bleiben, um weiterzulernen: voneinander und miteinander.

Seit dem vergangenen Jahr nehmen die Schüler am bundesweiten Programm „Menschen stärken Menschen – Chancenpatenschaften“ teil, bei dem ehrenamtliche Helfer Lernpatenschaften übernehmen. Außerdem können sich die Schüler Tandempartner suchen. Denn: Zu zweit lernt es sich besser.

Beet mit 1000 Zwiebeln bepflanzt

Bundesweit gibt es inzwischen mehrere Tausend solcher Partnerschaften, in der Förderschule Neukloster mit dem Förderschwerpunkt Lernen sind es 35. „Meist kommen die Teammitglieder aus derselben Klasse“, berichtet Schulleiterin Cornelia Raettig. Ihre Projekte und Aktivitäten werden vom Bundesfamilienministerium gefördert. Damit Kinder mit Lernschwierigkeiten, unterschiedlicher Herkunft und finanziellem Hintergrund zusammenwachsen und das Miteinander gestärkt wird.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey schaut sich den Schulgarten an. Quelle: Kerstin Schröder

Ein Projekt, das gemeinsam in Neukloster umgesetzt wurde, ist ein neuer Garten. Für den ist vor der Schule ein großes Beet angelegt und bepflanzt worden – im Herbst mit mehr als 1000 Zwiebeln. „Manche waren klein, manche groß“, erzählt Sarah. Die Zwölfjährige aus Kritzow liebt Gartenarbeit und freut sich schon darauf, „die Blumen blühen zu sehen“.

Bildergalerie: Franziska Giffey in Neukloster

Franziska Giffey in der Förderschule Neukloster

Auch Demian (12) aus Neukloster hat sich an der Gartenarbeit beteiligt. Wie, das erzählt er der Ministerin. Sie und der Sechstklässler werden dabei von etlichen Kameras gefilmt und fotografiert. Aufgeregt ist Demian trotzdem nicht: „Ich war schon mal im Fernsehen“, erzählt er stolz. Und die Ministerin sei nett. Die schaut sich dann noch ein anderes Schulprojekt an – ein lebendiges namens „Ivo“.

Schulhund hilft Kindern bei Mathe

Paul (13) streichelt Schulhund "Ivo". Quelle: Kerstin Schröder

Der Hund gehört Cornelia Raettig, ist seit 2019 in der Schule und schnell zum Liebling von Kindern und Lehrern avanciert. Die Bundesfamilienministerin hat er natürlich auch begrüßt und ihr dann gezeigt, wie er im Unterricht helfen kann: Er holt Schwämme, die mit Zahlen und den vier Grundrechenarten Plus, Minus, Mal und Geteilt bemalt sind, oder stupst sie an. So stellt „Ivo“ den Kindern Rechenaufgaben. Die haben mit dem Vierbeiner damit mehr Spaß im Mathe-Unterricht. Außerdem regt der weiß-braune Hund ihre Fantasie an: Sein Bild schmückt inzwischen T-Shirts, Pullover, Schulplaner, Kalender und Kugelschreiber.

Ende für 2027 geplant

Das Land Mecklenburg-Vorpommern will alle seine Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen schrittweise bis 2027 auslaufen lassen. Betroffene Kinder sollen in herkömmlichen Schulen im gemeinsamen Unterricht oder in eigenen Lerngruppen unterrichtet werden. Derzeit werden nach Angaben des Bildungsministeriums an den 38 öffentlichen Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen 3812 Schüler unterrichtet.

Auch Franziska Giffey hat Geschenke dabei: kleine Plüschtiere in Gestalt des Bundesadlers. Den finden nicht nur die Kinder toll, auch Schulhund „Ivo“ hätte gerne einen. Als Lea (14) aus Neukloster und Pia (13) aus Warin ihn in die Kamera zeigen, schaut der Vierbeiner gebannt zu.

Empfänger ist der Schulförderverein

Lea (14) aus Neukloster und Pia (13) aus Warin haben von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey einen Bundesadler aus Plüsch bekommen. Quelle: Kerstin Schröder

Aufmerksam geworden ist die Schulleiterin auf das Projekt „Menschen stärken Menschen“ durch das Internet. „Ich fand, es passt gut zu uns, deshalb habe ich eine Bewerbung für unsere Schule eingereicht, und es hat geklappt“, freut sich Cornelia Raettig. Das Geld werde auch für Ausfüge, zum Beispiel in die Eishalle, genutzt. Empfänger ist der Schulförderverein. Der bekommt es von der Stiftung Bildung, die 2019 schon 600 Kinder und Jugendliche an 21 Bildungsstandorten in Mecklenburg-Vorpommern über dieses Programm gefördert hat – mit dem Geld des Bundesministeriums. „Das Projekt ist toll. Schade ist aber, dass es nur immer für ein Jahr gilt, deshalb bangen wir immer wieder am Jahresende, ob es weitergeht“, so Vorstand Andreas Kessel.

80 Kinder aus 56 Orten in der Schule

In der FörderschuleFritz-Dietlof von der Schulenburg“ lernen 80 Kinder aus 56 Orten des Landkreises. Durch die kleinen Klassen (im Schnitt zehn Schüler) kann auf die individuellen Bedürfnisse wie Lernschwächen und Verhaltensauffälligkeiten eingegangen werden. „Dass viele freiwillig länger bleiben, zeigt, dass es ihnen gefällt“, freut sich die Schulleiterin. Ein wesentlicher Bestandteil des Unterrichts sei außerdem die Berufsvorbereitung und –orientierung. In den 8. und 9. Klassen werden mehrtägige Praktika absolviert.

Die meisten kommen mit dem Schulbus zum Unterricht. Das hat auch am Dienstag geklappt – denn im Gegensatz zum Rest des Landes haben die Busfahrer in Nordwestmecklenburg an dem Tag nicht gestreikt. „Glücklicherweise, die Kinder hatten sich sehr auf den Besuch der Ministerin gefreut“, sagt Schulleiterin Cornelia Raettig.

Mehr Infos:

Von Kerstin Schröder

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