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Grevesmühlen Ein Weg der Erinnerung an die Katastrophe im Mai 1945
Mecklenburg Grevesmühlen Ein Weg der Erinnerung an die Katastrophe im Mai 1945
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13:06 04.05.2019
Die Gedenkstätte Cap Arcona auf dem Tannenberg in Grevesmühlen, Mitarbeiter der Metallbaufirma Duwe installieren die Tafeln. Quelle: Karl-Ernst Schmidt
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Grevesmühlen

Der Zweite Weltkrieg war fast beendet, als sich eine der größten Schiffskatastrophen in der Lübecker Bucht ereignete. 7000 Menschen starben, als britische Kampfflugzeuge die „Cap Arcona“ und die „Thielbeck“ versenkten, die in der Ostsee lagen. An Bord Tausende Häftlinge aus den Konzentrationslagern. Bis heute sind die Hintergründe dieses Angriffs nicht geklärt, es hatte nachweislich Versuche gegeben, die Alliierten über die Häftlingstransporte auf dem Schiffsweg zu informieren. Doch offenbar erreichten diese Informationen nicht die britische Luftwaffe. Viele Fragen rund um den Tod dieser vielen Menschen am 3. Mai 1945, fünf Tage vor der Kapitulation Deutschlands, sind noch nicht beantwortet. Umso wichtiger ist es, die Erinnerungen an diese Tragödie wachzuhalten.

Dafür gibt es die Gedenkstätte auf dem Tannenberg in Grevesmühlen, die in den vergangenen Monaten mit erheblichem Aufwand für mehr als 200 000 Euro saniert wurde. Und dafür gibt es Sven Schiffner. Der Bankangestellte und SPD-Politiker beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diversen Themen, mit dem Untergang der Schiffe in der Lübecker Bucht allerdings auf besondere Weise. Regelmäßig hält er Vorträge an den Schulen in der Region. Dabei schafft er es immer wieder, die Schüler für ein Ereignis zu interessieren, das in den Geschichtsbüchern nur eine Randnotiz zum Zweiten Weltkrieg ist, den Menschen in der Lübecker Bucht damals allerdings tragisch vor Augen führte, was der Krieg wirklich bedeutete. Denn die Leichen wurden noch Monate später an die Strände Mecklenburgs und Schleswig-Holsteins gespült.

Ablauf der Gedenkveranstaltung am 4. Mai

Am Sonnabend, 4. Mai, wird die Gedenkstätte am Tannenberg in Grevesmühlen nach der Sanierung offiziell eingeweiht. Beginn ist um 10.30 Uhr, Kultusministerin Birgit Hesse wird ein Grußwort sprechen, ebenso Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler. Um 11.05 Uhr wird Sven Schiffner vom Förderkreis „Cap Arcona“ die Gäste über die Hintergründe der Gedenkstätte und der Ereignisse vom Mai 1945 informieren, Um 11.45 Uhr soll dann die Gedenktour auf dem Parkplatz der Malzfabrik in Richtung Groß Schwansee starten.

Um die Sanierung der Gedenkstätte hatte die Stadt lange gerungen. Nach der Wende war der Bereich auf dem Tannenberg immer mehr zugewachsen. Gab es zu DDR-Zeiten regelmäßige Großveranstaltungen auf dem Areal, geriet es immer mehr in Vergessenheit. Bis der Förderkreis um Sven Schiffner das Thema Sanierung ansprach. Doch eine erste Kostenschätzung, die einen sechsstelligen Betrag aufrief, sorgte für Frust. Denn die Stadt allein würde einen solchen Betrag schwerlich aufbringen können. Erst als Bildungsministerin Birgit Hesse eine Förderzusage gab, konnte das Projekt überhaupt in Angriff genommen werden. Entscheidend dabei war, dass die Gedenkstätte vor allem für die Öffentlichkeit nicht nur wieder erreichbar, sondern auch sichtbar sein sollte. Deshalb auch die Gestaltung des Parkplatzes und der Stelen auf dem Weg zur Gedenkstätte.

Der Hintergrund der Gedenktour

Die Tour von Grevesmühlen nach Groß Schwansee verbindet die Gedenkorte an die Tragödie vom 3. Mai 1945 miteinander. In der Lübecker Bucht fanden damals kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges über 7000 KZ-Häftlinge auf den Schiffen „Cap Arcona“ und „Thielbek“ den Tod.

Der ehemalige Landrat Erhard Bräunig kam 2006 auf die Gruppe des Grevesmühlener Radclubs’ 99 mit ihrem Gründer Walter Hitz zu, ob nicht eine Fahrradtour von Grevesmühlen nach Groß Schwansee stattfinden könnte, um den Toten dieses Verbrechens der Nazis vom 3. Mai 1945 zu gedenken. Aus Gründen der Grenzsicherheit waren 1957 von Groß Schwansee nach Grevesmühlen 400 Tote umgebettet worden. 2006 wurde dann auf Initiative des Landesgedenkstättenvereins Politische Memoriale und des Förderkreises Cap-Arcona-Gedenken in Groß Schwansee wieder ein Gedenkort eingerichtet.

Unter der Regie des Vereins Politische Memoriale mit dem damaligen Vorsitzenden Hugo Rübesamen und in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Cap-Arcona-Gedenken, dem Landkreis Nordwestmecklenburg und dem Radclub’ 99 aus Grevesmühlen fand dann bereits 2007 die erste Cap-Arcona-Gedenktour statt. Sie stieß auf eine große Resonanz. Der Weg der Teilnehmer führte sie von Grevesmühlen über Börzow, Kalkhorst und Barendorf nach Groß Schwansee. Die Fahrt durch die mecklenburgische Landschaft gewährte im Bereich des ehemaligen Kolonnenweges, den sie auf den letzten Kilometern benutzten, sogar einen herrlichen Blick auf die Ostsee. Allein dieser entschädigte für die körperlichen Anstrengungen.

Nach dem Erfolg der Premieren-Tour wurde diese Fahrt in den Folgejahren ohne Unterbrechung fortgesetzt. Das Interesse daran ist ungebrochen und diese Fahrt angesichts der politischen Unruhen und Kriegsgefahr auf der Welt nach Aussage von Nordwestmecklenburgs Landrätin Kerstin Weiss heute wichtiger denn je. Diese Tour sei ganz, ganz wichtig, um das Gedenken an die Ereignisse vom 3. Mai 1945 wachzuhalten. Dirk Hoffmann

Unter anderem Schauspieler Erwin Geschonneck besuchte die Gedenkstätte, er war einer der Überlebenden der Katastrophe im Mai 1945. Zahlreiche Großveranstaltungen fanden auf dem Tannenberg statt.

Michael Prochnow

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