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Grevesmühlen Das Depot der verlorenen Dinge
Mecklenburg Grevesmühlen Das Depot der verlorenen Dinge
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00:05 16.03.2017
Die Herrin der verlorenen Dinge: Susanne Spasiewski, Mitarbeiterin im Wismarer Fundbüro. Quelle: Foto: Carolin Riemer
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Wismar

Mit einem Surfbrett hatte Beatrix Müller nicht gerechnet. Die 56-Jährige verwaltet gemeinsam mit zwei Kolleginnen seit acht Jahren das Wismarer Fundbüro im Bürger-Servicecenter. Das Surfbrett war in dieser Zeit wohl die größte Fundsache, die in dem Gebäude am Marktplatz abgeliefert wurde. Dabei warten dort aktuell etwa 1080 verlorene Dinge auf ihre Eigentümer. Der sportliche Besitzer des Surfbrettes meldete sich bis zum heutigen Tage nicht.

„Wir sind sehr stolz auf unsere Finder. Es gibt ganz viele ehrliche Menschen“, stellte Beatrix Müller im Laufe der Jahre fest. Es sind vor allem die Dinge des täglichen Gebrauchs, die auf ihrem Schreibtisch landen: Schlüssel, Geldbörsen, Brillen, Handys, Schmuck und Uhren. Erstaunlicherweise schaffen es aber auch immer wieder Fahrräder in die Top-Ten-Liste der am meisten verlorenen Gegenstände. Nur wenn sie über einen Zeitraum von mehreren Wochen auf öffentlichen Plätzen abgestellt werden oder den Verkehr behindern, rücken die Mitarbeiter des Fundbüros mit Polizei, Feuerwehr oder Rathaus-Hausmeister und Bolzenschneider den vergessenen Drahteseln auf die Pelle, zerschneiden die Schlösser und lagern die Räder im Fundbüro zwischen.

In mehreren Depots werden die Fundsachen aufbewahrt – mindestens ein halbes Jahr lang. Wenn sich der Besitzer in dieser Zeit nicht meldet, werden sie bei einer großen Auktion in der Wismarer Reithalle versteigert. Im September ist es wieder so weit. „Und dann geht eigentlich alles weg“, sagt die Sachbearbeiterin. Alles, bis auf skurrile Dinge, die regelmäßig im Fundbüro abgegeben werden. Gebisse, Zahnspangen oder Hörgeräte gehören dazu.

Auch bei Schlüsseln und Handys gibt es eine große Ausnahme. Meldet sich der rechtmäßige Besitzer des Telefons nicht innerhalb eines halben Jahres, löscht eine Fachfirma alle persönlichen Daten des einstigen Besitzers. Dann enden die Geräte an der gleichen Stelle wie Wohnungsschlüssel: Sie werden geschreddert. Beatrix Müller und ihre Kolleginnen gehen sehr sensibel mit dem Eigentum fremder Menschen um – auch wenn sie ihren Besitz auf der Straße, im Supermarkt oder im Schwimmbad vergessen haben. „Der Verlierer muss plausibel erklären, dass es sich wirklich um sein Eigentum handelt.“

Die Sachbearbeiterinnen lassen sich genau beschreiben, wie beispielsweise Schlüsselanhänger aussehen. Bei Wohnungsschlüsseln fordern sie die Vorlage eines identischen Zweitschlüssels. Erst wenn sich die Mitarbeiterinnen zu 100 Prozent sicher sein können, geben sie die Fundsachen zurück. Etwa ein Drittel der verlorenen Dinge gelangen so wieder zurück zu ihrem Besitzer.

Beatrix Müller macht noch auf eine weitere Besonderheit aufmerksam: „Laut Fundrecht darf ein Finder das Objekt nach sechs Monaten behalten, wenn sich der Eigentümer bis dahin nicht gemeldet hat. Bei Fahrrädern wird das Angebot oftmals gern angenommen.“ Susanne Spasiewski (33), ebenfalls Mitarbeiterin im Fundbüro, weist auf die Rechtslage hin: „Hat jemand einen Gegenstand gefunden, sollte er ihn bitte auch im Fundbüro abliefern und nicht auf eigene Faust nach dem Besitzer suchen und das Fundstück zu Hause aufbewahren.“ Zwar spreche nichts dagegen, ein Foto des Fundes im sozialen Netzwerk Facebook hochzuladen oder einen Aushang zu machen, doch es sei die Pflicht des Finders, den Fund im Bürger-Servicecenter anzuzeigen. So machen es übrigens auch alle Geschäfte und das Wonnemar Wismar.

„Alles, was dort liegen bleibt, bringen die Mitarbeiter zu uns.“

Kontakt: Fundbüro im Stadthaus, Am Markt 11, ☎ 03841 / 2512345

Wissenswertes rund um den Fund

Anzeigepflicht: Findet

jemand einen Gegenstand, ist er verpflichtet, ihn im Fundbüro zu melden. Der Finder ist nicht verpflichtet, sich registrieren zu lassen.

Finderlohn: Dieser beträgt als gesetzlicher Mindestanspruch fünf Prozent des Wertes der Fundsache.

Ist die Sache mehr als 500 Euro wert, wird der Finderlohn von dem darüber hinausgehenden Mehrwert mit drei Prozent berechnet.

Grundsätzlich werden Fundsachen im Bürger-Servicecenter entgegengenommen. Befindet sich beim Fund ein Hinweis auf den Eigentümer, wird er schriftlich verständigt. Die Nachforschung nach verlorenen oder gestohlenen Fahrrädern ist nur möglich, wenn das Fabrikat, die Farbe und möglichst die Rahmennummer bekannt sind.

Gelagert werden Fundsachen sechs Monate nach Anzeige des Fundes. Es wird eine geringe Gebühr für die Aufbewahrung erhoben.

Im Internet unter www.wismar.de kann online

nach vermissten Dingen

gesucht werden.

Carolin Riemer

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