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Grevesmühlen 2018: Extrem, aufregend, tragisch und erfreulich
Mecklenburg Grevesmühlen 2018: Extrem, aufregend, tragisch und erfreulich
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15:21 30.12.2018
Schneechaos im Januar - hier mit einem verunglückten Bus an der Grundschule "Am Ploggensee" in Grevesmühlen. Zu Ostern kehrte der Winter noch einmal zurück. Quelle: Michael Prochnow
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Grevesmühlen

Es war extrem, aufregend, tragisch aber auch erfreulich: das Jahr 2018 in Grevesmühlen, Boltenhagen und Schönberg. 365 Tage sind fast um. Die OSTSEE-ZEITUNG hat die mal in einem Rückblick zusammengefasst.

Wetterextreme

Das veränderte Klima mit Dauerregen zum Jahreswechsel brachte die Landwirtschaft komplett durcheinander. Viele Äcker und Wiesen standen im Januar unter Wasser. Quelle: Karl-Ernst Schmidt

„Land unter auf Äckern und Wiesen“ titelte die OZ am 9. Januar. Das veränderte Klima mit Dauerregen zum Jahreswechsel brachte die Landwirtschaft komplett durcheinander. Überschwemmte Äcker und Wiesen führten zu einer Ausnahmesituation, die einfach nicht enden sollte. Die Schokoladenhasen und -eier waren Ostern unter einer hohen Schneedecke versteckt. Mit dem Schmelzen begann eigentlich schon der Sommer, ein wirkliches Frühjahr hatten wir nicht. Wochenlange Hitze stellte die Landwirte aber auch den Rest der Bevölkerung auf eine harte Probe. Der Zweckverband Grevesmühlen vermeldete im Juli, dass im Verbreitungsgebiet täglich mehr als 15 Millionen Liter Wasser verbraucht wurden.

Aufreger und Tragödien

Bei einem tragischen Verkehrsunfall in Schönberg stirbt im Juni ein Neunjähriger aus Syrien. Ein Traktor hatte den Jungen, der mit dem Fahrrad unterwegs war, erfasst. Er stirbt drei Tage später im Krankenhaus. Dann tauchen an der Unglücksstelle Hakenkreuze mit dem hämischen Zusatz „1:0“ auf. Knapp 100 Menschen kommen daraufhin zu einer Mahnwache zusammen.

Dieser Hund ist Pfingsten aus einem Löschteich in Mallentin gerettet worden. Eine Tierärztin musste den Vierbeiner später einschläfern. Quelle: Tierheim Dorf Mecklenburg

Großes Entsetzen im Wohngebiet „Am Wasserturm“ im Februar: Ein Hund, der bei einem jungen Pärchen im vierten Stock lebte, lag vor Schmerzen jaulend auf der gefrorenen Rasenfläche vor dem Wohnblock. Zeugen wollen beobachtet haben, dass der Terrier aus dem Fenster geworfen wurde. Die Besitzer beteuern ihre Unschuld und gaben an, zum Zeitpunkt nicht in der Wohnung gewesen zu sein. Ob das neun Monate alte und 50 Kilogramm schwere Tier alleine das Fenster geöffnet hat und gesprungen ist, ließ sich bis heute nicht feststellen. Ein Rätsel bleibt bis jetzt auch die Geschichte um den Vierbeiner in Mallentin. In der Nacht von Pfingstsonntag auf Pfingstmontag zogen Einwohner den Mischlingsrüden mit einer Harke aus dem Löschteich. Im Tierheim in Dorf Mecklenburg stellte eine Tierärztin neben einem hohen Alter von 13 Jahren auch Hodenkrebs fest. Der Hund wurde eingeschläfert. Wollte ihn jemand auf so grausame Art loswerden?

Etwas loswerden wollten auch die ehemaligen Geschäftsführer des CD-Werks in Dassow – nämlich ihren Ruf als Insolvenzverschlepper, Kredit- und Subventionsbetrüger, Lügner, Untreuetäter. . . Nach jahrelangem Prozess war es am Ende tatsächlich ein kleiner Sieg für die Angeklagten Wilhelm Friedrich M., Andreas O. und Kai N. Der Richter am Landgericht Schwerin stellte das Verfahren um eine der spektakulärsten Firmenpleiten in Mecklenburg-Vorpommern im Mai ein.

Einstellen sollen hätte die DRK-Wohnanlage „Am Tannenberg“ in Grevesmühlen lieber ihren Brandmelder. Von Juli bis September mussten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Grevesmühlen 26-mal wegen Fehlalarmen ausrücken. Außerdem hielt eine Brandserie die Blauröcke in Atem. Der Täter ist nach Zündeln an Mülltonnen, Wohnhäusern und Lagerhallen noch nicht gefasst.

Amor hat in Grevesmühlen auch ganze Arbeit geleistet. Ein 14-jähriges Mädchen und ihr zehn Jahre älterer Betreuer verliebten sich unsterblich und büxten im Februar aus. Dreieinhalb Wochen nach ihrem Verschwinden tauchte die Schülerin in einer Polizeistation in der spanischen Region Valencia auf, einige Tage später kehrte auch der Betreuer in seine Heimat zurück. Um ein Ermittlungsverfahren kommt er zu seinem Glück herum.

Extrem, aufregend, tragisch, erfreulich: Es war viel los im vergangenen Jahr in Grevesmühlen, Boltenhagen, Schönberg (Nordwestmecklenburg) und Umgebung. Viel Spaß beim Durchblättern!

Glück im Unglück hatte auch ein Mann beim Umzug anlässlich des Stadtfestes in Grevesmühlen am 16. Juni. Er stürzte kopfüber von einem Lkw und wurde mit einer Platzwunde am Kopf und einer verrenkten Schulter ins Krankenhaus gefahren. Weniger Glück dagegen hatten die Eigentümer des Wohnhauses in Pohnstorf zwischen Damshagen und Grevesmühlen. Nach einem Brand im März ist das Gebäude vollkommen zerstört worden. Personen wurden nicht verletzt, der Sachschaden wird auf mehr als 500000 Euro geschätzt. In Groß Siemz retteten zwei Feuerwehrleute in der Nacht zum 21. Oktober eine 89-Jährige aus ihrem brennenden Haus. Sie waren gerade auf dem Heimweg von einem Oktoberfest. Niemand wurde verletzt.

Rainer Berger (57) und sein Sohn Christian (35) sind ehrenamtliche Brandschützer in Groß Siemz. Wenn es darum geht, zu helfen, handeln sie auch in Zivil als Feuerwehrleute. Sie retteten eine 89-Jährige aus ihrem brennenden Haus. Quelle: Jürgen Lenz

Feuer war es auch, das einem Rentner in Naschendorf im März das Leben kostete. Die Spuren wiesen darauf hin, dass der 79-Jährige, der öfter im Reitstall aushalf, in der Nähe offenbar ein Feuer gemacht hatte, das aufgrund des Windes außer Kontrolle geraten war. Die Polizei entdeckte Brandbeschleuniger und Reste eines Lagerfeuers.

Mit Feuer hatten auch die Darsteller des Piraten Open Air zu kämpfen. Am 13. Juli, ein rabenschwarzer Freitag, brannte die Kulissen nach einem Feuergefecht mitten in der Vorstellung. Schauspieler, Techniker und rund 1000 Besucher waren nicht in Gefahr. Das Theater spielte schon einen Tag danach weiter.

Zappenduster dagegen war es im Juni für mehrere Stunden in weiten Teilen um Grevesmühlen, unter anderem in Bössow und Thorstorf. Zwei Kabeldefekte an der Mittelspannungsleitung sorgten für den Kollaps. Mitarbeiter des Energieversogers Edis stellten mobile Generatoren auf.

Aufgrund fehlender Rettungsschwimmer entschloss sich der Vorstand des Freibadvereins Grevesmühlen dazu, die Öffnungszeiten zu verändern. Teilweise öffneten sich die Türen kurz vor den Sommerferien erst um 15 Uhr. Für viele Kinder und Eltern ärgerlich, aber Benny Andersson als Vereinsvorsitzender wollte keinen Badetoten riskieren. Den gab es leider im August in einem Badesee bei Thelkow im Landkreis Rostock. Das Opfer stammt aus Grevesmühlen – der siebenjährige Jayden, der mit einer Feriengruppe vor Ort war. Er konnte nicht schwimmen. Unmittelbar darauf hatten Freunde und Bekannte der betroffenen Familie eine Spendenaktion in Grevesmühlen ins Leben gerufen, um die Angehörigen zu unterstützen.

In die Kritik geraten war jüngst die Deponie Ihlenberg. Viele beschäftigen sich mit der Frage, was auf dem 165 Hektar großen Gelände wirklich lagert, nachdem der Mann von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig im Auftrag der Landesregierung einen Prüfbericht über die Deponie angefertigt hatte. Bekannt wurde, sind die Kontrollen der angelieferten Abfallstoffe allenfalls Stichproben.

Erfreuliches

Grevesmühlen schaffte es, das Landestanz- und Trachtenfest in die Stadt zu holen. Insgesamt 18 Gruppen und mehr als 200 Teilnehmer sorgten im Mai in jeder Hinsicht für ein stimmungsvolles Bild. Zuletzt fand ein solches Fest 1996 in Grevesmühlen statt. Für einen Blickfang sorgte der Grevesmühlener Sven Eggers auf der Strecke vom Gasthof Luisenhof bei Mallentin in Richtung Hanstorf. Mit fünf verschiedenen Kettensägen verwandelte eine alte Eiche in ein wahres Kunstwerk, das die Geschichte der Handelsstraße zwischen Lübeck und Wismar erzählt.

Sägekunst an der Gaststätte "Luisenhof" bei Mallentin: Sven Eggers formte mit Kettensägen die Handelsstraße in eine alte Eiche. Quelle: Jana Franke

Im April starteten die Bauarbeiten an der Kreisstraße (K 21), die durch Meierstorf als Ortsteil von Plüschow führt. Sieben Monate später konnte im Oktober die offizielle Wiedereröffnung der Straße gefeiert werden. Nicht mehr vergleichbar ist die neue mit der alten Straße auch zwischen Grevenstein und Welzin. Für 2,6 Millionen Euro ist sie saniert worden. Sanierungen sorgten auch in Grevesmühlen für Freude. Unter anderem ist die Zufahrt zur Kita „Am Lustgarten“ verbreitert worden. Und: Nach monatelanger Sperrung ist auch der Bahnübergang wieder passierbar.

Voran ging es in diesem Jahr auch mit dem Eckhaus August-Bebel-Straße/Schulstraße. Im Sommer feierte die Wobag Richtfest des Gebäudes, mit dem neuer Wohnraum in der Innenstadt geschaffen wurde. Aus alt mach neu hieß es auch bei der Feuerwehr in Grevesmühlen. Ein neues Tanklöschfahrzeug ist im Juni offiziell von Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) übergeben worden.

Erhielt die Ehrennadel des Landkreises: Peter Szibor von der DRK-Wasserwacht. Quelle: privat

Die Ehrennadel des Landkreises ging in diesem Jahr an Peter Szibor von der DRK-Wasserwacht in Grevesmühlen. Eine große Auszeichnung auch für „Das Eck“ in Grevesmühlen. Von sich reden machte auch die Regionale Schule „Am Wasserturm“ in Grevesmühlen – erst im negativen, dann im positiven Sinne. Hakenkreuze waren in der Schule an Wände geritzt worden. Mit einem Festival der Kulturen hat die Einrichtung dann ein Zeichen gegen Rassismus, Gewalt und Fremdenhass gesetzt.

Viele Bauvorhaben im Schönberger Raum: Im März gibt der Verein „Haus des Kindes“ grünes Licht für den Bau einer neuen Kita in Schönberg. Er erhält die erhoffte Zusage für einen Zuschuss des Schweriner Wirtschaftsministerium über 2,5 Millionen Euro. Investiert werden sollen 3,8 Millionen Euro, vom Wirtschaftsministerium gibt es 2,5 Millionen Euro. Die Bauarbeiten begannen im Dezember. Im Oktober starten in Wahrsow die Bauarbeiten für ein neues Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Lüdersdorf und im November billigt der Amtsausschuss des Amtes Schönberger Land ohne Gegenstimmen die Pläne für den Neubau eines Verwaltungsgebäudes. Rund 3,5 Millionen Euro sollen investiert werden. Mehr Platz für Kindergarten- und Krippenkinder gibt es seit April in Dassow. Ein neues Gebäude für die „Deichspatzen“ wurde an der Bahnhofstraße eröffnet.

Aufatmen bei Boltenhagens Kurdirektorin Claudia Hörl: 4,7 Millionen Euro Fördermittel wollen das Landesförderinstitut und das Wirtschaftsministerium für den Bau einer Dünenpromenade geben. Und: Für 1,2 Millionen Euro ist im Ostseebad eine Lagerstätte für Seegras gebaut worden.

Sportliches

Grevesmühlen ist wieder Trainingsstützpunkt: Der Landesleichtathletikverband vergab den Titel für weitere vier Jahre an den SV Blau-Weiß. Die Sparte Leichtathletik läuft seit 2007 auf der Überholspur. Nicht zuletzt auch durch tolle Sportler wie Gesa Dobberschütz, die sich in diesem Jahr für die Deutsche Meisterschaft in Wesel qualifizierte und in ihrer Altersklasse 14 im Siebenkampf von insgesamt 36 Starterinnen den 27. Platz erkämpfte.

Gesa Dobberschütz (AK 14) vom SV Blau-Weiß Grevesmühlen startete im Sommer bei den Deutschen Meisterschaften in Wesel. Quelle: Jana Franke

Der SV Klütz veranstaltete im Juli das erste Fußballturnier „Kick for Kids Cup“ – ein Benefizspiel der F- und E-Junioren, das 5227,20 Euro einbrachte. Die Summe ist an den Verein „Tätowierte gegen Krebs“ überreicht worden, um krebskranken Kindern und ihren Familien zu helfen.

Jubiläen

Gefeiert wurde auch 2018. Die Lidahilfe beging ihr 25-jähriges Bestehen. 40 Nordwestmecklenburger begleiteten den Jubiläums-Transport, darunter unter anderem Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler. Und die mittlerweile legendäre Schweineparty in Bonnhagen, die einst als größere Geburtstagsparty begann, wurde in diesem Jahr zum 20. Mal gefeiert.

Die machten auch von sich reden

Grevesmühlens Stadtvertreter geben grünes Licht für den Planungsbeginn des Schulcampus. Die Stadtwerke Grevesmühlen eröffneten im Juli nach einem halben Jahr Bauzeit ihr neues Servicegebäude im Grünen Weg. Zum Benefizkonzert mit „Teddy und Friends“ zugunsten der Lidahilfe auf dem Gelände des Piraten Open Air schaute unter anderem Dagmar Frederic vorbei. Im August geht Grevesmühlens Notar Wolfgang Hölscher mit 70 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Die Diakonie im nördlichen Mecklenburg übernimmt den Jugendklub im Bürgerbahnhof. Upahl und Plüschow entschieden in diesem Jahr, ab 1. Januar 2019 zu fusionieren. Nach fehlerhaften Gehaltszahlungen erstattet Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler einen Geldbetrag im mittleren vierstelligen Bereich. Auch die Zahlungen an seinen Vorgänger Jürgen Ditz werden überprüft. Mit der neuen Datenschutzverordnung sind einige Eltern so verunsichert, dass die OZ erstmals nicht alle Fotos der Erstklässler veröffentlichen darf. Schnell, schneller, Wemacom – so zumindest verspricht es das Telekommunikationsunternehmen, das den Zuschlag für den Breitbandausbau bekommen hat. Während das Künstlerehepaar Birgit und Horst Lohmeyer zum zwölften Mal das Musikfestivals „Jamel rockt den Förster“ feierte, streiten sich Kommunalpolitiker um eine Wiese im Ort, die von der Gemeinde an einen Mitstreiter des mehrfach vorbestraften Neonazis Sven Krüger verpachtet wurde. Die Wiese wurde bisher für das Festival als Parkplatz sowie als Stellplatz für die Polizei genutzt.

Nachdem ein Anwohner in Boltenhagen gegen die Geräuschkulisse im Kurparks geklagt hatte, veranstaltete das Ostseebad im Juli das erste „Silent Dance Festival“ – eine Kopfhörer-Party. Auf drei Kanälen bestimmten die Besucher selber ihre Musikrichtung: Schlager, House oder aktuelle Charts. Ein seltenes Phänomen gab es im März am Strand von Redewisch. Der Wintersturm spülte Tausende Seesterne an. Auf Schloss Bothmer gaben sich Rocco Stark und seine Liebe Nathalie im Juni das Ja-Wort. Ja hat auch das Ferienresort Weiße Wiek in Boltenhagen gesagt – und zwar zu Daniela Woosmann vom Veranstaltungsbüro Paulis in Braunschweig. Die brachte die weltberühmte Oper Nabucco an die Ostsee.

Rocco Stark heiratete seine Nathalie im Juni auf Schloss Bothmer in Klütz. Quelle: privat

Jana Franke

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