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Grevesmühlen Der Engländer in Grevesmühlen
Mecklenburg Grevesmühlen Der Engländer in Grevesmühlen
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00:00 20.07.2017
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Grevesmühlen

Als „Matthäo Grosso de Krawallo“ macht er Capt’n Flint das Leben schwer. Er ist der Bösewicht im aktuellen Stück des Piraten Open Air in Grevesmühlen „Exekution in Cartagena“. Und nun sitzt der 53-Jährige freundlich lächelnd beim Interview-Termin im Open Air Restaurant des Theaters und plaudert über den Brexit, seine Karriere als Opernsänger und dass er durchaus mit dem Gedanken spielt, seinen englischen Pass gegen einen deutschen einzutauschen.

Die Frage muss angesichts der Rolle erlaubt sein: Heute schon einmal richtig böse gewesen?

Marc Clear: Nein, natürlich nicht. Das kann man schon trennen. Wenn ich auf der Bühne stehen, dann bin ich in der Rolle. Aber böse ist auch relativ. Ich muss die Zuschauer schon davon überzeugen, wen ich auf der Bühne spiele.

Das ist nicht die erste Saison in Grevesmühlen, richtig?

Das stimmt. Im vergangenen Jahr habe ich einen von den „Guten“ gespielt, ich war ein „Netter Don“. Marc Zabinski war der Bösewicht, er hat meinen Bruder gespielt vergangenes Jahr. Er starb am Ende des Stücks, nun bin ich der Bruder, der auf Rache aus ist.

Die Rolle des Bösewichts polarisiert. Wie reagieren die Zuschauer auf Sie?

Ich merke es kaum. Ab und an kommt ein Buh von den Zuschauerrängen, aber das nehme ich eher als Kompliment. Bei der Autogrammstunde sind die Leute schon etwas verhaltener, aber ich glaube, dass die Zuschauer das schon ganz gut trennen können.

Ist der Bösewicht schwerer zu spielen als der Held?

Es macht mehr Spaß, die Rolle ist einfach vielschichtiger. Als Held bist du der Gute, fertig. Aber so ein Bösewicht, das macht schon Spaß, weil die Herausforderung eine völlig andere ist.

Woher kommen Sie eigentlich ursprünglich?

Ich bin gebürtiger Engländer.

Das heißt, Marc Clear ist kein Künstlername?

Nein, ich heiße wirklich so. Aber ich bin auch schon eine Weile in Deutschland. Seit meinem 23. Lebensjahr bin ich in Deutschland, habe eine Weile in Dänemark und den USA gelebt. Aber am Ende bin ich in Deutschland gelandet, fühle mich wohl und versuche, den Brexit zu umgehen.

Sie sind britischer Staatsbürger?

Aktuell ja, aber ich werde dann doch die Staatsbürgerschaft wechseln, wenn die Vorzeichen sich bewahrheiten.

Aber schon mit Leib und Seele britisch?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe englische Wurzeln, aber ich habe Deutschland einfach viel zu verdanken.

Wo hat Ihre Schauspielkarriere begonnen?

Ich habe eigentlich als Opernsänger angefangen, ich habe auch eine entsprechende Ausbildung. Das habe ich insgesamt zwölf Jahre gemacht, dann bin ich 2004 zum Musical gewechselt. Dort habe ich Fechten gelernt, und mache seit zwölf Jahren zudem Fechtausbildung und Choreografien für verschiedene Theater. Das mache ich ebenso bei den Piraten in Grevesmühlen, so bin ich auch hier gekommen.

Das heißt, irgendwann hat Peter Venzmer angerufen?

So ungefähr, ich hatte mit Udo Lüttich eine andere Produktion gemacht. Mario Eichendorf (Stuntkoordinator) kenne ich auch schon viele Jahre. Inzwischen ist es so, dass ich für die Blankwaffen zuständig bin und Mario macht die Stunts.

Worauf kommt es beim Fechten vor allem an?

Auf die Sicherheit. Es ist ja kein Kampf, sondern eine Choreografie. Ähnlich wie ein Tanz. Ein Ablauf von Bewegungen, wobei bestimmte Techniken zum Einsatz kommen, wo es um Sicherheit geht, um das rechtzeitige Stoppen, damit niemand während der insgesamt 60 Vorstellungen verletzt wird.

Wie scharf sind die Waffen?

Sie sind nicht scharf, aber sie sind durchaus schwer. Ein bis zwei Kilogramm wiegen die Waffen, das gibt schon ordentliche blaue Flecken, wenn man damit getroffen wird.

Lebst du in Nordwestmecklenburg?

Ich lebe in Potsdam, einer wunderschöne Stadt. Vorher habe ich Berlin gewohnt, aber das war mir zu hektisch und zu laut.

Sie sind seit 2014 beim Piraten Open Air in Grevesmühlen engagiert, wie lange werden Sie hier noch spielen?

Wie Peter (Intendant Peter Venzmer, Anm. d. Red.) mich braucht. Das nehme ich von Jahr zu Jahr. Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit.

Im Vergleich zu den Vorjahren gibt es in diesem Jahr weniger Fernseh-Promis dafür mehr gestandene Bühnenschauspieler. Wie macht sich das bemerkbar?

Promis sind, und das meine ich gar nicht negativ, schon sehr vordergründig. Der Aufwand ist größer, sie müssen betreut werden etc. Jetzt merken wir, dass es mehr um die Sache geht. Jeder ist höflich, macht sein Ding, das ist schon sehr geschmeidig in diesem Jahr.

Im Gegensatz zum Wetter.

Naja, wir hatten eine oder zwei Regenvorstellungen bisher. Das hält sich in Grenzen. Aber als es neulich so stark geregnet hatte, schwamm die ganze Bühne. Also sind wir alle los und haben mit Eimern die größten Pfützen beseitigt. Im vergangenen Jahr war es schlimmer mit dem Regen. Insofern ist alles gut.

Auch mit dem Bein, oder humpeln Sie nur in der Rolle?

Mit dem Bein ist wieder alles in Ordnung. Ich bin bei den Proben beim Fechten in ein Loch getreten. Irgendwie passte das Humpeln gut zur Rolle, so bleibt es eben dabei.

Interview von Michael Prochnow

„Exekution in Cartagena“ lautet der Titel der 13. Episode der Abenteuer des Capt’n Flint. Die Handlung: Der Anführer der Freibeuter ist mit einem Mitglied seiner Mannschaft gefangen genommen worden.

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