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Grevesmühlen Der schwere Weg der Nachwuchsgewinnung
Mecklenburg Grevesmühlen Der schwere Weg der Nachwuchsgewinnung
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14:10 12.06.2019
Mit der Idee, seinem neuen Azubi eine Erfolgsprämie von 10000 Euro zu zahlen, ging Frank Duwe von der gleichnamigen Bauschlosserei in Grevesmühlen durch die Presse - nicht nur in der OZ. Quelle: JANA FRANKE
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Grevesmühlen/Wismar/Rostock/Neubukow

 10000 Euro Erfolgsprämie will Frank Duwe von der gleichnamigen Bauschlosserei in Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg) an jenen Jugendlichen zahlen, der bei ihm eine Ausbildung macht und diese mindestens mit „gut“ abschließt.

Dieser außergewöhnliche und mutige Weg, auf diese Art in Nachwuchs zu investieren, schlug ein wie eine Bombe – also zumindest bei den Medien. Nicht nur die OZ berichtete darüber, auch Radiosender und sogar Zeitschriften aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt wurden nach dem OZ-Bericht auf den 39-Jährigen aufmerksam. Den gewünschten Effekt, Jugendliche hellhörig werden zu lassen, hatte es leider eher weniger.

„Ich habe eigentlich mit zahlreichen Bewerbungen gerechnet“, gibt Frank Duwe zu. Am Ende waren es vier – immerhin vier mehr als in der Vergangenheit. Seit acht Jahren findet die Bauschlosserei keinen Auszubildenden mehr. Der Chef glaubt, dass es etwas mit dem verstaubten Image des Handwerks im Allgemeinen zu tun hat.

Kampagnen sollen aufklären

Dem schließt sich Tobias Böse von der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar an. „Viele Jugendliche glauben, sie müssten in einer Bauschlosserei wie der in Grevesmühlen nur im Dreck stehen oder als Elektriker nur Strippen ziehen. Dabei ist das Handwerk vielfältiger“, sagt er.

Mit verschiedenen Kampagnen macht die Kreishandwerkerschaft darauf aufmerksam – mittlerweile weit über Nordwestmecklenburgs Grenzen hinaus. Auf ganz Mecklenburg-Vorpommern wird unter anderem die „Weitersagen“-Kampagne ausgeweitet. Ziel ist es, sogar deutschlandweit Jugendliche und Chefs sprechen zu lassen – und zwar über Plakate und Aufsteller. Auf denen sind sie mit einem sogenannten QR-Code auf dem Mund zu sehen. Scannen die Smartphone-Nutzer diesen ab, erscheint auf deren Bildschirm der passende Mund zum Bild, der munter losplappert und erklärt, worum es geht – und wo sich Interessenten melden können.

Auch Firmen aus Wismar beteiligen sich an der Kampagne – gemeinsam mit ihren Azubis. Mit dabei ist zum Beispiel Florian Frindt, der auf Plakaten zu sehen ist. Der 21-jährige Hansestädter hat nach seinem Abitur bei der Schubert GmbH eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik begonnen.

Wirbt mit der Kampagne der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg für seinen Ausbildungsbetrieb: Florian Frindt (21). Quelle: KREISHANDWERKERSCHAFT

Die Firma hat ihren Hauptsitz in Tangerhütte (Sachsen-Anhalt) und Niederlassungen in Wismar, Berlin und Magdeburg. Sie beschäftigt 180 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von etwa 35 Millionen Euro vor allem mit Systemlösungen für Elektro-, Stark- und Schwachstromanlagen. „Wir beteiligen uns an der Kampagne, weil wir unser Unternehmen auch in Zukunft mit Fachkräften stärken und weiter ausbauen wollen“, teilt eine Unternehmensmitarbeiterin mit. Der Slogan sei: „Mit uns steigt die Spannung“.

Direkter Kontakt oder soziale Netzwerke?

Den einen Erfolgsweg zur Nachwuchsgewinnung gibt es so nicht, sagt Petra Gansen von der Handwerkskammer Schwerin. „Viele Betriebe setzen auf den direkten Kontakt zu örtlichen Schulen, wirken in entsprechenden Arbeitskreisen mit und präsentieren sich auf Info-Tagen und Messen. Andere sind überwiegend im Internet aktiv, vor allem über soziale Netzwerke“, zählt sie auf. „Die Jugendlichen müssen dort angesprochen und abgeholt werden, wo sie sich am meisten aufhalten. Und das ist nun mal auf Instagram und Facebook“, verdeutlicht Tobias Böse.

Es gibt mittlerweile vermehrt Beispiele für Unternehmen, die besondere Anreize für potenzielle Azubis setzen. „Dazu gehören übertarifliche Lehrlingsvergütung, kostenfreie oder kostengünstige Wohnmöglichkeit, Zuschüsse zum Nahverkehr oder zum Führerschein, Einstiegsevent zum Lehrbeginn, Abstellung eines Meisters ausschließlich zur Betreuung der Azubis, Übernahme der Kosten für eine anschließende Weiterbildung“, weiß Petra Gansen.

Finanzielle Anreize, bei ihm eine Ausbildung zu absolvieren, bietet auch der Neubukower Matthias Enderlein. „Bei uns bekommen Azubis ein überdurchschnittliches Lehrlingsentgelt – immer deutlich über dem Tariflohn“, sagt der Malermeister, der 14 Mitarbeiter beschäftigt. Gegenwärtig hat er einen Azubi im dritten Lehrjahr, zwei Neueinsteiger fangen demnächst an. Sein allererster Lehrling war damals bester Azubi Mecklenburgs und ist mittlerweile seit sieben Jahren selbst Malermeister – „hier in der Hierarchie auf einer Ebene mit mir“, betont Matthias Enderlein.

Malermeister Matthias Enderlein, Neubukow Quelle: THOMAS HOPPE

Er will auch Anreize für seine Lehrlinge schaffen, damit sie später im Job bleiben. „Man muss schon ein auskömmliches Geld zahlen und kann oft davon ausgehen, dass die Ehefrauen vielleicht gar nicht oder nur halbtags arbeiten. Man muss mit einem Gehalt eine Familie schon ernähren können – gar keine Frage. Und das ist bei uns möglich.“ Obwohl seine Priorität bei der Ausbildung schon sei, dass die Lehrlinge dann im Betrieb bleiben, möchte er „auch allgemein Leute ausbilden“, weil es in der Wirtschaft weitergehen müsse: „Es muss fachlich guter Nachwuchs her, der sich auf dem Markt behaupten und mit dem Kunden kommunizieren kann. Das ist ganz wichtig.“

Top Ten für Landkreis Rostock

Für den Landkreis Rostock weist die aktuelle Analyse der Agentur für Arbeit 1189 Berufsausbildungsstellen aus, die seit Herbst angeboten wurden bzw. werden. Die Top Ten der angebotenen Ausbildungsplätze werden angeführt von: Koch/Köchin (72 Stellen), Fachkraft Lagerlogistik, Kaufmann/-frau im Einzelhandel und Hotelfachmann/-frau (jeweils 63). Die meisten Bewerber interessierten sich für Berufe wie Kaufmann/-frau im Einzelhandel (47 Bewerber), Verkäufer/in (44) und Kfz-Mechatroniker (42).

Es geht auch anders

Dass sich keiner mehr fürs Handwerk interessiert, das kann man bei der Tischlerei Wirth im Rostocker Stadtteil Reutershagen nicht bestätigen. „Wir erleben genau das Gegenteil“, sagt Geschäftsführer Olaf Wirth. Im vergangenen Jahr gab es 20 Bewerber, aus denen vier ausgewählt wurden. Immer war das allerdings nicht so. Erst das große Engagement von Betrieb, Handwerkskammer, Kreishandwerkerschaft und Tischlerinnung, etwa auf der Jobbörse und in Online-Portalen, brachten eine gewisse Wende.

Lehrmeister Enrico Paskuy (v.r.) mit vier seiner Azubis: Philipp Meinert, Alexander Dippert, Jakob Selke und Wenzel Krappe sind im ersten Lehrjahr. Quelle: DANA FROHBÖS

Potenzielle Azubis werden bereits früh an das Handwerk herangeführt. „Beim Tag der Ausbildung werden im Handwerkerbildungszentrum Rostock Potenzialanalysen bei den Schülern durchgeführt“, sagt Carola Wirth. „Dann wissen sie, wofür sie geeignet sind und können ins Praktikum gehen.“ Und auch im Betrieb selbst werden die derzeit sechs Azubis gut umsorgt: „Wir legen hier großen Wert auf Zusammenhalt, egal ob jemand Azubi ist oder Meister“, sagt Olaf Wirth. Der Geschäftsführer ist froh, dass er genügend Azubis findet. Im August werden vier weitere eingestellt. „Dass die Lage bei uns anders aussieht als die allgemeine, weiß ich als Obermeister aber natürlich auch“, sagt er.

Top Ten für die Stadt Rostock

Die aktuelle Analyse der Agentur für Arbeit zeigt für die Hansestadt Rostock, dass seit Herbst vergangenen Jahres insgesamt 1224 Ausbildungsstellen gemeldet wurden. Die Top Ten der angebotenen Ausbildungsplätze werden angeführt von: Kaufmann/-frau im Einzelhandel (60 Stellen), Mechatroniker/-in (55) und Restaurantfachmann/-frau (54). Die meisten Bewerber interessierten sich für Berufe wie Verkäufer/-in (57 Interessenten), Kaufmann/-frau Büromanagement (40) und Kaufmann/-frau Einzelhandel (36).

Stellen Sie sich vor, Ihr Klo ist verstopft – und kein Handwerker kommt. „Wenn es mit dem Mangel an Azubis so weitergeht, dann wird der Tag kommen. Das Handwerk droht auszusterben“, verdeutlicht Frank Duwe. Mit seinem ungewöhnlichen Weg der Erfolgsprämie ist er einen Schritt weitergekommen. Der neue Lehrling aus Wismar hat unterschrieben und beginnt seine Ausbildung im August – nach acht Jahren ohne Azubi im Betrieb.

Top Ten für Nordwestmecklenburg

Für Nordwestmecklenburg sind seit Herbst insgesamt 922 Ausbildungsstellen gemeldet worden. Die Top Ten werden angeführt von: Restaurantfachmann/-frau (68 gemeldete Stellen), Koch/Köchin (65) und Hotelfachmann/-frau (40). Die meisten Bewerber interessierten sich bisher für die Berufe Verkäufer/in (50), Kfz-Mechatroniker (43) und Kaufmann/-frau im Einzelhandel (36).

Jana Franke, Kerstin Schröder, Dana Frohbös und Thomas Hoppe

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