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Grevesmühlen Die Finnlandschwedin und ihr Café
Mecklenburg Grevesmühlen Die Finnlandschwedin und ihr Café
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16:55 29.03.2018
„Sie lässt nie die Chefin raushängen. Alles läuft hier auf Augenhöhe ab. Es macht richtig Spaß im 'Café Lindquist' zu arbeiten“, sagt Jana Möller (l.), Angestellte und rechte Hand von Inhaberin Pia Lindquist-Franz (r.).
„Sie lässt nie die Chefin raushängen. Alles läuft hier auf Augenhöhe ab. Es macht richtig Spaß im 'Café Lindquist' zu arbeiten“, sagt Jana Möller (l.), Angestellte und rechte Hand von Inhaberin Pia Lindquist-Franz (r.). Quelle: Annett Meinke
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Boltenhagen

Pia Lindquist-Franz (46) lebt seit 2005 in Boltenhagen. Die Finnin, die zur Minderheit der Finlanndschweden gehört (Finnen mit Muttersprache Schwedisch), fühlt sich „Zuhause hier“, sagt sie.

Was einerseits damit zusammenhängen mag, dass sie in Vasa (finnisch Vaasa), einer westfinnischen Hafenstadt am Bottnischen Meerbusen aufgewachsen ist. Andererseits wird es wohl vor allen Dingen auch an ihrer Familie liegen – ihr Mann Henry Veit Franz (48), ein waschechter Boltenhagener, die beiden Kinder, Tochter (14) und Sohn (12). Und – es liegt wohl auch daran, dass Pia Lindquist die Fähigkeit hat, wie sie sagt, „sich ein Zuhause zu schaffen.“

Diese Fähigkeit hat die studierte Kommunikations- und Werbefachfrau schon an verschiedenen Orten der Welt bewiesen. Ob in New York oder in London, wo sie und ihr Mann einander kennenlernten, in Australien oder Neuseeland. Oder auch in Wismar und Hamburg, wo die Familie auch eine Weile lebte, bevor sie nach Boltenhagen zog.

Es gibt ein ganz bestimmtes Blumenmuster, erzählt Pia Lindquist – die übrigens ihr perfektes Deutsch erst an der Volkshochschule in Wismar lernte – das dabei eine wichtige Rolle spielt. „Ich brauche nur ein paar Kissen mit diesem Muster um mich herum und schon fühle ich mich Zuhause. Wo immer ich bin.“ Ein Kissen mit diesem ganz bestimmten Blumenmuster, sagt sie, hatte ihr ihreMutter schon in ihr Kinderbettchen gelegt.

Das Muster von dem hier die Rede ist, heißt Unikko (Mohnblume) und wurde bereits im Jahr 1964 von der Designerin Maija Isola entworfen. 2009 wurde es von der finnischen Textil- und Kleidungsdesignfirma Marimekko neu aufgelegt.

Wer an dieser Stelle neugierig geworden ist und vielleicht wissen möchte, wie dieses Blumenmuster aussieht, kann Pia Lindquist-Franz doch einfach mal besuchen – in ihrem „Café Lindquist“, an der Boltenhagener Strandpromenade 36A. Dort finden sich Kissen mit roten, blauen, schwarzen Mohnblumen.

Das Café, das auf dem Grundstück der Familie komplett neu gebaut wurde – auf dem auch die Villa Waldheim steht – wurde erst im Mai vergangenen Jahres eröffnet. Es fügt sich scheinbar nahtlos in die schon vorhandene Bebauung der Strandpromenade ein - und hat dennoch etwas Auffallendes. Das helle Holz, die helle Inneneinrichtung, die schlichten und dennoch präsenten Dekorationen – alles in diesem angenehm klaren, unprätentiösen Stil, für den die Nordländer bekannt sind.

„Das Café“, sagt Pia Lindquist-Franz, „das bin ich. Ich kann eben nicht Schnitzel oder Schwarzwälder Torte – das können andere viel besser. Ich kann kleine, finnisch-schwedische Törtchen, weiße und dunkle finnische Schokoladentorte, Blechkuchen.“

Das „Lindquist“ bietet zudem eine kleine Mittagsspeisekarte – Tagessuppen –, eine Fischsuppe ist immer dabei. Frühstück wird es im Sommer auch wieder geben, wenn auch nur ein bescheidenes – Croissants mit selbstgemachter Marmelade zum Beispiel.

Zurzeit öffnet das Café um 11 Uhr und schließt um 17.30 Uhr. Ab Mai, wenn die Saison im Ostseebad so langsam auf Touren kommt, geht es dann morgens schon um 10 Uhr los. Ruhetag ist am Dienstag.

„Es gehört zu unserem Konzept, dass wir im Winter nicht schließen“, sagt Pia Lindquist. „Im Sommer sind wir vor allen Dingen für die Touristen da – und im Winter vielleicht vor allen Dingen für die Einheimischen, die im Sommer oft selbst mit den Feriengästen zu tun haben und keine Zeit, in ein Café zu gehen.“

Das Konzept geht scheinbar auf. „Es gibt inzwischen schon Leute, die kommen extra hierher, wegen uns.“, sagt Pia Lindquist stolz. Auch Patienten, die in den Ostseekliniken auf Kur sind, erzählt Jana Möller (34), die im Café Lindquist arbeitet, kommen immer wieder. „Sie empfinden das wie eine Art Wohnzimmer hier“, sagt sie.

Zwischen Pia Lindquist und Jana Möller hat es „sofort gepasst“, das sagen beide. Jana Möller, die vorher in einem Hotel arbeitete, hatte gehört, dass für das Café Jemand gesucht wird und sich kurzerhand persönlich vorgestellt. „Ich wollte schon immer lieber ins Cafégeschäft“, sagt sie. Was sie am bemerkenswertesten findet, ist, dass ihre Chefin nie die Chefin raushängen lässt. „Hier läuft alles immer auf Augenhöhe.“. sagt sie.

Zum eingeschworenen Team im „Lindquist“ gehören auch Küchenchef Matthias Bobrowski, – der kreative Kopf hinter den Törtchen und Speisen –, und Koch Jürgen Salewski.

Und natürlich ist ihr Mann Henry wichtig, sagt Pia Lindquist „Er steht hinter mir und hält mir den Rücken frei.“ Was für einen Hotelbetriebswirt sicher keine allzu schwere Übung ist.

Meinke Annett