Die Hintergründe der größten Schiffskatastrophe in der Ostsee
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Grevesmühlen Untergang der „Cap Arcona“: Experte erinnert in Grevesmühlen an Schiffskatastrophe
Mecklenburg Grevesmühlen

Die Hintergründe der größten Schiffskatastrophe in der Ostsee

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15:28 29.01.2020
Sven Schiffner vom Förderkreis Cap Arcona Grevesmühlen
Sven Schiffner vom Förderkreis Cap Arcona Grevesmühlen Quelle: Michael Prochnow
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Grevesmühlen

Die Herbststürme bringen regelmäßig die Zeugnisse einer der größten Schiffskatastrophen der Welt an der Ostseeküste von Nordwestmecklenburg zum Vorschein. „Die menschlichen Überreste, die immer wieder entdeckt werden, stammen vom Untergang der ‚Cap Arcona‘ und der ‚Thielbek‘ am 3. Mai 1945“, sagt Sven Schiffner. Sie werden an den Gedenkstätten bestattet.

Der Bankkaufmann aus Grevesmühlen gehört zum Förderkreis Cap Arcona, einer Gruppe von Menschen und Institutionen aus Nordwestmecklenburg und Ostholstein, die an das Drama in der Lübecker Bucht zum Ende des Zweiten Weltkrieges erinnern. In dieser Woche sprach er vor Schülern des Grevesmühlener Gymnasiums über das, was sich vor fast 75 Jahren ereignete. „Und zwar nicht irgendwo in der Welt, sondern direkt auf der Ostsee bei uns“, so der Geschichtsexperte, der immer wieder neue Zeugnisse der Zeitgeschichte ausgräbt. Jüngstes Objekt ist ein Farbfilm über die „Cap Arcona“, die in den 1920er-Jahren als „Königin des Atlantiks“ regelmäßig von Hamburg nach Südamerika fuhr – in knapp zwei Wochen übrigens.

Fotos zur Gedenkstätte „Cap Arcona“ in Grevesmühlen beziehungsweise Bilder, die die Katastrophe im Mai 1945 dokumentieren. Quelle: Karl-Ernst Schmidt

Doch mit Beginn des Zweiten Weltkrieges endete die Ära des stolzen Schiffes, dessen Geschichte mit dem Transport der KZ-Häftlinge aus dem Lager Neuengamme bei Hamburg Anfang 1945 endete. Die SS pferchte Tausende Männer und Frauen, darunter auch der berühmte DDR-Schauspieler Erwin Geschonneck, der als einer der wenigen die Katastrophe überlebte, auf die Schiffe.

Der Weg der Häftlinge, die Tatsache, dass die Verladung im Lübecker Hafen geheim gehalten wurde, dass die Schiffe so wenig Treibstoff an Bord hatten, dass eine wirklich Evakuierung nach Skandinavien gar nicht möglich war, all diese Fakten haben Sven Schiffner und seine Mitstreiter recherchiert.

Regelmäßig hält er die Vorträge vor Grevesmühlener Schülern. Er war es unter anderem auch, der die Sanierung der Gedenkstätte am Tannenberg in Grevesmühlen gefordert und begleitet hat. Inzwischen ist der Umbau abgeschlossen, Informationstafeln erklärten die Hintergründe der Ereignisse und den Umstand, weshalb sich diese Erinnerungsstätte überhaupt in Grevesmühlen befindet.

Die Gedenkstätte Cap Arcona auf dem Tannenberg in Grevesmühlen Quelle: Karl-Ernst Schmidt

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Von Michael Prochnow

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