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Grevesmühlen Die Kirchenretter aus Friedrichshagen
Mecklenburg Grevesmühlen Die Kirchenretter aus Friedrichshagen
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14:37 16.02.2019
Die 600 Jahre alte Kirche in Friedrichshagen in der Gemeinde Plüschow bei Grevesmühlen Quelle: Michael Prochnow
Friedrichshagen

Warum die Kirche ausgerechnet hier errichtet wurde vor 600 Jahren, weshalb mehr als 115 Jahre später der Turm angebaut wurde, welche Funktion die zugemauerten Portale haben – all diese Fragen zur Kirche in Friedrichshagen sind bis heute nicht beantwortet. Vielleicht finden Forscher irgendwann die Antworten, vielleicht auch nicht. Für Joachim Schünemann spielt das nur eine Nebenrolle. Der Vorsitzende des Fördervereins der Kirche Friedrichshagen denkt erst einmal in die nahe Zukunft. „In diesem Jahr wollen wir mit der abschließenden Sanierung des Turms beginnen, der Bundestagsabgeordnete Frank Junge hat dafür gesorgt, dass wir 114 000 Euro Fördermittel bekommen.“ Das sind immerhin 50 Prozent der Gesamtkosten von 228 000 Euro. Weitere 40 Prozent übernimmt der Kirchenkreis, zehn Prozent muss der Förderverein aufbringen. „Das sind fast 23 000 Euro, auch wenn der Anfang bereits gemacht ist, das ist eine Menge Geld für uns“, sagt Joachim Schünemann. „Wir freuen uns über jede Unterstützung, die wir bekommen können.“

Ein Blick zur und in die Kirche

Mit dem Geld soll die Kirche endgültig gesichert werden. Denn der Turm ist auf einer Seite um 40 Zentimeter abgesackt, tiefe Risse ziehen sich durch das Mauerwerk, zudem müssen die Fundamente des Gebäude frei- und anschließend trockengelegt werden. Die dafür veranschlagten 228 000 Euro sind nur die vorläufige Rechnung eines Architekturbüros, wie hoch die Kosten am Ende tatsächlich sein werden, weiß niemand. „Wichtig ist, dass wir anfangen“, sagt Hans-Heinrich Dreves, ebenfalls Gründungsmitglied im Förderverein. Er ist, ebenso wie Joachim Schünemann, in Friedrichshagen aufgewachsen und mit Leidenschaft bei der Sache. Der Grund: „Unser Herz hängt an der Gemeinde.“

Seit 2011 Jahren gibt es den Förderverein bereits. Und was damals als nahezu aussichtsloses Unterfangen begann – mit großer Unterstützung des verstorbenen Bürgermeisters Erhard Bräunig übrigens –, hat inzwischen zahlreiche Förderer und Freunde gefunden. In den Sommermonaten gibt es wieder einen regelmäßigen 14-tägigen Gottesdienst, dazu kommen zahlreiche kulturelle Veranstaltungen, die regelmäßig ausverkauft sind. „Es ist einfach bewundernswert, was hier auf die Beine gestellt wurde“, sagt Helga Kretschmer. Die 50-Jährige ist seit dem 1. Januar die neue Pastorin in

Pastorin Helga-Ingrid Kretschmer aus Friedrichshagen Quelle: Michael Prochnow

Friedrichshagen, neben der Kirche in Gressow und Wendorf betreut sie auch die Kirchgemeinde in der Nähe von Plüschow, die immerhin 260 Mitglieder zählt. „Der Kirchgemeinderat zusammen mit dem Förderverein und der Gemeinde, das ist schon etwas Besonderes, was hier entstanden ist.“ Das zeige auch die Spendenbereitschaft der Besucher bei den Konzerten. „Im Vergleich zu anderen Veranstaltungen geben die Leute hier mehr als das Doppelte.“

Und trotzdem braucht der Förderverein jetzt zusätzliche Hilfe, um das Großprojekt der Turmsanierung zu stemmen. Deshalb rufen der Förderverein, der Kirchgemeinderat und die Pastorin nun zur Unterstützung auf, um die Kirche dauerhaft zu retten. Welche Bedeutung dieses architektonische und klerikale Kleinod in Friedrichshagen inzwischen hat, zeigen neben den Besucherzahlen unter anderem die Einträge im Gästebuch. Im Sommer ist das als Radfahrer-Kirche ausgewiesene Gotteshaus täglich geöffnet. „Hierher kommen Menschen, die auf die Kirche aufmerksam geworden ist, oder weil sie Andacht halten wollen, oder einfach nur zur Ruhe kommen möchten“, erklärt Joachim Schünemann. „Sogar Leute aus dem Ausland haben sich im Gästebuch verewigt.“

Kultur in der Kirche

Die Reihe „Kultur in der Kirche“ in Friedrichshagen beginnt in diesem Jahr am Sonntag, 26. Mai um 17 Uhr mit Jana Kühn (Gesang) und Anton Krykow (Banjo). Weiter geht es am Pfingstmontag, 10. Juni, um 17 Uhr mit einem Orgelkonzert. Am Instrument sitzt dann Benjamin Jäger, Kantor in Rostock. Ein Konzert mit Solisten der Kreismusikschule Nordwestmecklenburg ist für Sonntag, 23. Juni, geplant. Dann allerdings in der Gressower Kirche aus Anlass des Gemeindefestes. Die weiteren Veranstaltungen bis Mitte September werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Michael Prochnow

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