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Grevesmühlen Die Magie des Lenorenwaldes
Mecklenburg Grevesmühlen Die Magie des Lenorenwaldes
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11:16 31.07.2019
Annette Kapschütz bietet unter anderem meditative Führungen durch den Wald im Klützer Winkel und am Strand von Boltenhagen an. Quelle: Annett Meinke
Hohen Schönberg

Annette Kapschütz weiß, was die überwiegende Anzahl von Mecklenburgern von Leuten hält, die Bäume anfassen, gar umarmen, oder im Wald und am Strand meditieren und seltsame Rituale veranstalten. „Bestenfalls nennen sie es Unsinn.“, sagt sie und lächelt leise.

Die zierliche Frau, die in manchen Augenblicken reif und kraftvoll wirkt, dann auch wieder etwas überraschend Zartes, fast Kindliches ausstrahlt, weiß, warum das so ist. Schließlich ist auch sie Mecklenburgerin, geboren 1963 in Ludwigslust, aufgewachsen in Grabow.

Die kleine Stadt an der Elde ist bekannt für ihren historischen Stadtkern, bestehend aus Fachwerkhäusern. Dort lebte Kapschütz viele Jahrzehnte, später auch mit Mann und Kindern, bis es sie im Jahr 2016 in den Klützer Winkel nach Nordwestmecklenburg zog.

„Mecklenburger sind erst einmal skeptisch, und die meisten erinnern sich nicht mehr daran, dass es früher, bevor die sozialistische Erziehung ihre Wirkung zeigte, in unseren Dörfern immer irgendeine Kräuterfrau oder einen Kräutermann gab, den man aufsuchte, wenn der Arzt nicht mehr weiter wusste.“, sagt sie.

Und dennoch, wie wurde aus der gelernten Einzelhandelskauffrau, die auch nach dem Ende der DDR bis 2008 ausschließlich als Verkäuferin arbeitete, eine Frau, die die Kraft der Natur und ihre heilsame Wirkung auf einmal so tief in sich zu spüren begann, dass sie anderen Menschen den Zugang dazu auch ermöglichen möchte?

Ruhe in einer Zeit der Umbrüche

Die Antwort, die Kapschütz im Gespräch gibt, findet man in ähnlicher Weise auf ihrer Webseite. „Es fing in einer Zeit der persönlichen Umbrüche an. Auf einmal erinnerte ich mich daran, wie ruhig und geborgen ich mich als Kind beim Spielen unter großen Bäumen und im Wald gefühlt habe.“

Als ihre Kinder flügge wurden und das Haus verließen, in dem sie mit ihrer Familie damals lebte, ging es für sie anfangs nur darum, etwas für sich selbst zu tun, zu lernen, wie man sich bewusster ernährt und bewegt zum Beispiel.

Die ersten Kurse buchte sie im Jahr 2003 in Nordwestmecklenburg, im Gutshaus Stellshagen. Zu dem Zeitpunkt, sagt sie, war nicht klar, dass sie damit einen Weg beschritten hatte, auf dem sie in den kommenden Jahren verschiedene Ausbildungen absolvieren würde, – sich unter anderem in spirituell-ganzheitlichen Körpertherapien wie Shiatsu und Tibetischer Massage ausbilden ließ, die Ernährungslehre nach den fünf Elementen studierte, auch eine Kursleiterausbildung in Qigong abschloss.

Im Jahr 2009 öffnete Kapschütz in Grabow eine eigene Praxis, die sie „Körpergeist“ nannte. Im Jahr 2015 wurde klar, dass sie und ihr Mann sich inzwischen zu weit voneinander entfernt hatten. Sie hatte einen neuen Weg eingeschlagen, den sie unbedingt weitergehen musste, er konnte ihr dorthin nicht folgen. Die Trennung kam, und Annette Kapschütz zog es nach Nordwestmecklenburg. „Dorthin, wo alles für mich neu anfing.“

Seit 2016 lebt sie in Hohen Schönberg, in einem ehemaligen Forsthaus und bietet unter anderem Achtsamkeitsmeditationen im Lenorenwald im Klützer Winkel und am Strand in Boltenhagen an.

Langsam öffnen sich auch die Einheimischen

Wer beansprucht die Dienste von Annette Kapschütz? „Ich leite Gruppen an, aber auch Einzelpersonen. Nach und nach öffnen sich auch Einheimische“, sagt sie und lächelt wieder auf diese bescheiden stille Weise. Überwiegend, erzählt sie dann, seien es aber dennoch immer noch Touristen, die in den Klützer Winkel kommen und ihre Angebote buchen.

Was suchen Menschen, die sich unter ihrer Anleitung in die Natur begeben, konkret? „Häufig einfach innere Ruhe. Manchmal ist es aber auch ein ganz spezielles Problem, das sie schon lange beschäftigt, für das sie dringend eine Lösung suchen.“ Und diese Lösung finden sie im Lenorenwald oder am Strand von Boltenhagen? „Sie finden sie in sich. Mithilfe der Natur, die etwas zu sagen hat und manchmal auch mithilfe schamanischer Rituale, die ich anwende.“ Die Stimmen im Inneren und im Außen besser wahrzunehmen, darum geht es eigentlich, sagt sie. „Bei manchem geht das schnell, andere spüren erst mal gar nichts, brauchen eine Weile und kommen öfter.“

Schamanismus

Sibirische Schamanen und verschiedene Geisterbeschwörer anderer Völker – die ebenfalls häufig verallgemeinernd als Schamanen bezeichnet werden – hatten oder haben in vielen traditionellen Weltanschauungen angeblich Einfluss auf die Mächte des Jenseits. Sie setzten ihre Fähigkeiten vorwiegend zum Wohle der Gemeinschaft ein, um in unlösbar erscheinenden Krisensituationen die „kosmische Harmonie“ zwischen Diesseits und Jenseits wiederherzustellen. In diesem weiten Sinne bezeichnet Schamanismus eine Reihe unscharf bestimmter Phänomene „zwischen Religion und Heilritual“.

Wer sich auf eine begleitete Meditation oder eine schamanische Reise mit Annette Kapschütz begeben will, sollte sie vorher anrufen, auch wenn es feste Termine und Treffpunkte gibt, die auf ihrer Webseite veröffentlicht sind, unter anderem am Biohof „Hoher Schönberg“ in Hohen Schönberg.

„Ein Telefongespräch vorher ist wichtig“, sagt sie. „Wir können auf diese Weise bereits feststellen, ob das, was ich anbiete, wirklich etwas für den Anrufer ist.“

Mehr Informationen zu Annette Kapschütz und ihren Angeboten unter: http://www.druid-dhubh.de/.

Annette Kapschütz führt Menschen unter anderem im Lenorenwald im Klützer Winkel an Orte, an denen sie zur Ruhe kommen. Quelle: Annett Meinke

Annett Meinke

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